Vögel füttern im Sommer: Ein Fehler oder echte Hilfe?

Die Vögel in den Wintermonaten zu füttern, ist für viele Tierliebhaber mittlerweile selbstverständlich. In den Fachkreisen vertreten jedoch immer mehr Vogelexperten die Meinung, dass es an vielen Stellen das ganze Jahr lang eines zusätzlichen Nahrungsangebots für Vögel bedarf.

Vögel im Sommer zu füttern ist in Fachkreisen ein umstrittenes Thema.
Vögel im Sommer zu füttern ist in Fachkreisen ein umstrittenes Thema.  © Unsplash/Joshua J. Cotten

Auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten Vögel zu füttern, bietet Gelegenheit, die heimischen Vogelarten zu beobachten und deren Vielfalt kennenzulernen.

Lange Zeit galt für die Vogelfütterung die Faustregel, dass sie erst im Winter bei sehr niedrigen Temperaturen und geschlossener Schneedecke notwendig ist. Doch die Umwelt verändert sich und mit ihr ebenfalls das Nahrungsangebot für die gefiederten Tiere, weswegen manche Experten zur auch Fütterung im Sommer tendieren.

Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) rät hingegen nicht unbedingt zu der ganzjährigen Fütterung, da der positive Effekt nur sehr gering sei und sich im schlimmsten Fall nachteilig auf die gefährdeten heimischen Bestände auswirkt.

Wer Vögel füttert, möchte den Tieren helfen und nicht der Umwelt schaden. TAG24 klärt daher auf, ob eine ganzjährige Vogelfütterung sinnvoll ist und was Vogelfreunde dabei zu beachten haben.

Sollte man Vögel im Sommer füttern?

Befürworter der Ganzjahresfütterung meinen, dass das natürliche Nahrungsangebot für Vögel im Sommer nicht mehr ausreichend ist. Die Gründe für diese negative Entwicklung liegen in der Zunahme der Landwirtschaft und dem vermehrten Anbau von Monokulturen, welche die Landschaft stark verändern. Zu dem kommt es durch den Klimawandel und andere Einflüsse zu einem gehäuften Insektensterben, Naturkatastrophen und Wetterextremen wie massiv Hitze und Trockenheit.

Die heimische Pflanzenwelt ist im Wandel, wodurch es weniger fruchttragende Bäume und Sträucher für die Vögel gibt. Vor allem im Frühjahr sei eine Zufütterung während der Rückkehr der Zugvögel und Brutzeit sinnvoll. Mittlerweile passiert es, dass viele Pflanzen mit ihrem Wachstumszyklus noch nicht so weit sind, dass sie den Vögeln Schutz bieten können und als mögliche Nahrungsquelle in Frage kommen.

Die Gegner verweisen auf die negativen Folgen einer durchgehenden Vogelfütterung. Das "Fast Food" aus dem Vogelhäuschen sei für viele Piepmatze die falsche Ernährung. Futter mit hohem Fettanteil kann bei Vögeln zu Unfruchtbarkeit führen. Außerdem füttern viele Vögel ihre Jungen mit größeren Saaten aus dem Vogelfutter, was tödliche Magen- und Darmverschlüsse verursachen könnte.

Wer befürchtet, dass sich die Tiere zu sehr an die Fütterung gewöhnen und in der Folge darauf zwingend angewiesen sind, kann sich etwas beruhigen.

Vögel gehen bei der Nahrungssuche opportunistisch vor, sobald ein Nahrungsangebot nicht mehr zugänglich ist, suchen sie ein anderes. Da Vögel nicht lange hungern können, fliegen sie notfalls weite Strecken, um eine sichere Nahrungsquelle zu finden.

Ein schwerwiegender Grund gegen die Fütterung ist, dass Vogelhäuser und Tränken mögliche Infektionsquellen sind, da sich durch die unnatürliche Ansammlung an Tieren Keime wie Salmonellen, Vogelpocken, Trichomonaden und Suttonella ornithocola, welche Lungenentzündungen bei Singvögeln verursachen, schnell verbreiten.

Zum Nachteil von Zugvögeln profitieren Standvögel von dem hohen Nahrungsangebot und ihre Population wächst. Tiere wie Meisen und Sperlinge nehmen dann gefährdeten Zugvögeln wie den Trauerschnäpper den Nistplatz weg. Bei der Vogelfütterung werden meist 10 bis 15 Vogelarten erreicht. Dieser Wirkungsbereich hilft laut dem NABU nicht viel, um dem Artensterben vorzubeugen.

Dennoch sollte der Effekt von der Vogelfütterung nicht unterschätzt werden. Die Verstärkung der Landwirtschaft und der damit einhergehende Verlust an Nahrungs- und Brutplätzen führen zu einer rapiden Bedrohung vieler einheimischer Vogelarten. Auf der Vorwarnliste für die "Rote Liste der Brutvögel in Deutschland" steht z. B. der Feldsperling (Passer montanus), weil dessen Bestandsrückgänge bereits besorgniserregend sind.

Bisher gibt es keine klare allgemeine Aussage für oder gegen die Vogelfütterung. In den Fachkreisen wird das Für und Wider weiterhin diskutiert.

Wer Freude an der Fütterung hat und sich für die gefiederten Tiere interessiert, sollte sich nicht zurückhalten und den Vögeln Nahrung anbieten.

Wie der Name schon verrät, sind Meisenknödel bei Meisen besonders beliebt. Im Sommer sollten sie, wenn überhaupt, an schattigen Stellen hängen.
Wie der Name schon verrät, sind Meisenknödel bei Meisen besonders beliebt. Im Sommer sollten sie, wenn überhaupt, an schattigen Stellen hängen.  © unsplash/Krzysztof Niewolny

Vögel im Sommer richtig füttern

Die klassische Fütterung im Winter mit größeren Körnern, Fettfutter und Fettmischfutter wird meist von November bis Februar praktiziert. Wer nicht das ganze Jahr füttern möchte, kann sich überlegen, ob die Fütterung nicht mindestens von September bis April ausgeweitet werden kann.

In dem Zeitraum von April bis Juli hingegen versorgen die Vögel ihre Jungvögel, deswegen empfiehlt sich weniger fettreiches Futter. Es gilt größere fettreiche Samen, Nussbruchstücke und Kerne zu vermeiden. Auch Sonnenblumenkerne sind ungeeignet. Jahreszeitlich passend sind kleine und fettarme Samen wie die von Brennnesseln, Hirtentäschel, Birken, Nachtkerzen, Klee, Sauerampfer, Vogelmiere, Wiesenknopf, Wicken, Schafgarbe und Wegerichen. Entsprechende Futtermischungen und Feinsämereien werden meist unter dem Titel „Waldvogelfutter“ gehandelt.

Proteinreiches Streufutter oder Insektenfuttermittel wie Insektenknödel oder Mehlwürmer wären gute Optionen für die Sommerfütterung. Jedoch sollten sie nicht im getrockneten Zustand verfüttert werden, da diese sehr viel Salz und zu wenig Wasser enthalten. Mehlwürmer und andere Insekten sind auch lebend oder gefroren im Handel erhältlich. Entscheidet man sich für die lebende Nahrung, sollte man diese vor dem Verfüttern mit Haferflocken, Rosinen, Obst und Brot anreichern, damit sie nahrhaft und vitaminreich für die Vögel sind. Wenn man die dennoch getrocknete Variante wählt, muss man die Würmer vorher ausreichend in Wasser einweichen.

Bei einem vielseitigen und saisonalen Futterangebot in verschiedenen Behältnissen ist für jeden Geschmack und viele Vogelarten das Passende dabei.
Bei einem vielseitigen und saisonalen Futterangebot in verschiedenen Behältnissen ist für jeden Geschmack und viele Vogelarten das Passende dabei.  © unsplash/Yanna Zissiadou

Die Hygiene ist einer der wichtigsten Aspekte bei der Vogelfütterung. Das beginnt bei der regelmäßigen Reinigung von Futterplätzen sowie Wasserstellen und geht bis zu der Säuberung der Nistkästen, damit diese keim- und milbenfrei bleiben. Im Sommer muss man beachten, dass das Fett in Meisenknödeln und anderen Produkten bei Hitze schnell ranzig werden kann. Ideal ist es, kleine Mengen Futter anzubieten, die man immer wieder nachfüllt, sodass der Futterspender konstant gefüllt, aber nicht zu voll ist. Das Futter sollte nicht zu feucht sein, da es im Winter gefriert und im Sommer schnell schimmelt. Das gilt vor allem bei Obst.

Die Futterhäuser sollten mindestens einmal im Jahr richtig gereinigt werden. Meist reicht es, sie mit heißem Wasser zu säubern. Das Wasser von Vogeltränken sollte möglichst täglich gewechselt werden. Entweder man wischt sie mit heißem Wasser aus oder man besorgt sich mehrere Tränken und tauscht diese aus, während die nicht genutzten Schalen austrocknen.

Findet man kranke oder tote Vögel auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten, dann sollte man die Sommerfütterung bis zum nächsten Winter sofort einstellen.

Beachte ebenso die Qualität der Futtermischung. Meist wird ein Gemisch mit einem großen Weizenanteil von den Vögeln nicht gut angenommen. Wenn ein Großteil des Futters unter der Futterstelle liegt, dann ist das ein Hinweis für eine unzureichende Zusammenstellung der einzelnen Bestandteile. Bei Saaten sollten nur einheimische Sorten verwendet werden, da sich die fremden Arten wie Ambrosia aussehen und das örtliche Ökosystem stören könnten. Um das Auskeimen im Allgemeinen zu verhindern, achte darauf, dass die Samen geschält sind.

Nützlich ist es auch, die heimischen Vogelarten beobachten und sich zu informieren, welche Bedürfnisse diese haben. Mit diesem Wissen kann man entsprechendes Futter und Nistplätze zur Verfügung stellen. Finken und Sperlinge z. B. bevorzugen gehackte Nüsse, Sonnenblumenkerne und andere Körner, welche ihnen auf höher gelegenen Futterstellen angeboten werden sollten. Wohingegen Rotkehlchen, Wacholderdrosseln und Zaunkönige lieber Weichfutter wie Rosinen und Haferflocken in Bodennähe mögen.

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Vögel füttern: Tipps und Tricks

Nicht alle Lebensmittel sind für die Vogelfütterung geeignet.
Nicht alle Lebensmittel sind für die Vogelfütterung geeignet.  © Unsplash/Bonnie Kittle

Wer Wildvögel füttern möchte, sollte sich vorher informieren, was die Tiere nicht fressen dürfen. Folgende Nahrungsmittel können schädlich sein:

  • Brot
  • frisches Fleisch
  • Salz
  • Milch
  • Schokolade
  • Süßigkeiten
  • Avocado
  • Fruchtkerne
  • Obstsamen
  • verdorbenes Vogelfutter

Die Küchenabfälle und Reste vom Essen gehören ebenso nicht in das Vogelfutter.

Das Futter sollte trocken und sauber gelagert werden. Es darf nicht gammeln und muss frei von Schädlingen wie Lebensmittelmotten sein.

Für die Vogelfütterung sind Häuser und Behälter in verschieden Designs und Größen erhältlich. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass diese witterungsbeständig, leicht zu reinigen und gut verarbeitet sind. Die Vögel sollten sich daran möglichst nicht verletzen oder infizieren können.

Wählt man eine Ausführung, wo die Vögel nicht im Futter stehen und der Kot nicht hineinfallen kann, wird das Risiko der Krankheitsübertragung minimiert. Um zu verhindern, dass große Körner, Nussbruch und ganze Erdnüsse von größeren Tieren verschleppt werden, sollte man diese ebenfalls in passenden Gefäßen anbieten. Achte darauf, dass sich nicht zu viel Futter unter der Futterstelle auf dem Boden sammelt, da es Ratten und andere Nager anlockt.

Futterstellen sollten geschützt vor den Fressfeinden wie z. B. Katzen liegen. Für die Vögel ist es wichtig, dass sie eine gute Sicht haben und nicht plötzlich überrascht werden können. Rückzugsorte in der Nähe bieten eine zusätzliche Sicherheit. Bedenke bei der Wahl des Standortes, dass Vögel Glasscheiben nicht wahrnehmen können und eventuell dagegen fliegen.

Das Aufhängen von artspezifischen Nistkästen ermöglicht es, den ganzen Lebenszyklus von Wildvögeln zu beobachten.
Das Aufhängen von artspezifischen Nistkästen ermöglicht es, den ganzen Lebenszyklus von Wildvögeln zu beobachten.  © unsplash/Yoksel Zok

Die Vogelbestände werden nicht durch die bloße Fütterung gesichert. Sie dient lediglich als eine Ergänzung zum natürlichen Angebot. Verschiedene Nistplätze, Verstecke und natürliche Nahrungsquellen bilden die Lebensgrundlage aller Vogelarten.

Wer über einen Garten oder Ähnliches verfügt, kann diesen vogelfreundlich gestalten, um mehr für den Erhalt der einheimischen Vogelbestände zu tun. Das Erschaffen von natürlichen Biotopen sichert den Tieren Nistplätze und eine Nahrungsgrundlage.

Es empfiehlt sich, heimische Gehölze in Form von verschiedenen Bäumen, Sträuchern, Wildsträuchern, Stauden und Blumen anzupflanzen. Besonders geeignet sind Wildrosenhecken, aber auch Weißdorn, rote Heckenkirsche und Pfaffenhütchen. Die Wiese mit Wildblumen stellenweise stehen zu lassen und andere Blüten anzupflanzen, sorgt für eine Vielfalt an Insekten.

Ergänzt man den Garten mit Wasserstellen, artspezifischen Nistkästen, Futterplätzen und eventuell noch mit Möglichkeiten für ein Sandbad, ist das Vogelparadies vollkommen.

Ganzjährige Fütterung hilft vielen heimischen Vögeln. Zusätzlich kann man die Tiere beobachten und lernt die verschiedensten Vogelarten kennen. Du wirst überrascht sein, wer alles auf Deinen Balkon, Deine Terrasse oder in Deinen Garten geflogen kommt.

Titelfoto: Unsplash/Joshua J. Cotten

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