Sachsen-Anhalt-Wahl: AfD will BSW Vorsitz im Bildungsausschuss überlassen

❤️️
😂️
😱️
🔥️
😥️
👏️

Magdeburg - Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kam am Dienstag der neue Landtag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Dabei wurde unter anderem das neue Landtagspräsidium gewählt.

Sachsen-Anhalt hat gewählt. Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) konnte einen haushohen Sieg einfahren.
Sachsen-Anhalt hat gewählt. Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) konnte einen haushohen Sieg einfahren.  © Michael Kappeler/dpa

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wurde die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD stärkste Kraft, verpasste aber die absolute Mehrheit.

Tobias Rausch (35, AfD) wurde mit 48 Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt. Der Kandidat wurde also von anderen Parteien mitgewählt. Das BSW erklärte sich vorab hierfür bereit, stellte aber auch klar, den Kandidaten für das Amt des Landtagsvizepräsidenten, Hans-Thomas Tillschneider (48), nicht mitwählen zu wollen.

Bei der ersten Sitzung des neuen Landtags wurden neben Rausch auch Tillschneider (AfD) und Carsten Borchert (64, CDU) zu Vizepräsidenten gewählt. SPD-Kandidat Armin Willingmann (63) scheiterte dagegen im dritten Wahlgang.

Mit Glockengeläut und Schweigeminute: Halle erinnert an die Opfer des tödlichen Attentats auf Synagoge
Sachsen-Anhalt Mit Glockengeläut und Schweigeminute: Halle erinnert an die Opfer des tödlichen Attentats auf Synagoge

Eine genaue Regierungsbildung ist immer noch nicht klar. Das derzeitig regierende Bündnis aus CDU, SPD und FDP kommt nicht mehr zustande, da die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

Die Zahlen zur Landtagswahl findet Ihr in einem separaten Artikel.

Alle Entwicklungen rund um die Wahl in Sachsen-Anhalt lest Ihr hier im TAG24-Liveticker.

9. Oktober, 18 Uhr: AfD will BSW Vorsitz im Bildungsausschuss überlassen

Die AfD in Sachsen-Anhalt will dem BSW den Vorsitz im Bildungsausschuss des Landtags überlassen.

Landtagspräsident Tobias Rausch (35, AfD) bestätigte dem Nachrichtenportal "t-online" die Pläne. Zuvor hatte sich die AfD im Ältestenrat die Vorsitze in sechs Ausschüssen gesichert.

Dem BSW steht als kleinster Fraktion mit fünf Abgeordneten nach der Sitzverteilung eigentlich kein Ausschussvorsitz zu. Die AfD-Fraktion muss der Übergabe allerdings noch zustimmen.

Tobias Rausch (35, AfD) wurde jüngst zum Präsidenten des Landtags gewählt.
Tobias Rausch (35, AfD) wurde jüngst zum Präsidenten des Landtags gewählt.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

9. Oktober, 16.08 Uhr: Bundestag debattiert über AfD-Landtagspräsidenten

Die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch (35) zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt hat am Freitag auch den Bundestag beschäftigt.

In einer Aktuellen Stunde forderte die SPD-Abgeordnete Franziska Kersten (57) Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) auf, auf seine Parteikollegen in Sachsen-Anhalt einzuwirken. Rausch sei zwar gewählt, der Ministerpräsident aber noch nicht, sagte Kersten mit Blick auf die anstehende Wahl.

Auch die vermuteten Stimmen aus anderen Fraktionen für Rausch waren Thema. Der AfD-Politiker hatte bei der geheimen Abstimmung 48 Stimmen erhalten – vier mehr, als AfD und BSW zusammen Sitze im Landtag haben. Unionspolitiker verwiesen auf die geheime Wahl und wiesen Vorwürfe zurück. Wegen heftiger Zwischenrufe und Anwürfe sprach Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (51, Grüne) drei Rügen aus.

9. Oktober, 13.43 Uhr: BMW zieht Dienstwagen-Angebot für Rausch zurück

Sachsen-Anhalts neuer Landtagspräsident Tobias Rausch (35, AfD) muss sich nach einem anderen Dienstwagen umsehen.

BMW hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) das Angebot zur Verlängerung des Leasingvertrags für das ihm persönlich zugeordnete Auto zurückgezogen.

Der bisherige Vertrag läuft im November aus. BMW selbst wollte sich zu der konkreten Kundenbeziehung nicht äußern.

AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund (35) reagierte mit Spott: „Mit der Schwalbe zur Staatskanzlei!“ Im Dezember will er sich zum Ministerpräsidenten wählen lassen.

Landtagspräsident Tobias Rausch (35, AfD) muss zukünftig auf einen Dienstwagen von BMW verzichten.
Landtagspräsident Tobias Rausch (35, AfD) muss zukünftig auf einen Dienstwagen von BMW verzichten.  © Jan Woitas/dpa POOL/dpa

8. Oktober, 14.54 Uhr: Linke attackiert CDU-Chef Schulze

Linken-Fraktionschefin Eva von Angern (49) hat CDU-Landeschef und Fraktionsvorsitzenden Sven Schulze (47) nach der Wahl von Tobias Rausch (35, AfD) zum Landtagspräsidenten scharf kritisiert.

Die CDU sei "in ihrem schwächsten Zustand und völlig zerstritten", sagte von Angern. Schulze habe keine Autorität in seiner Fraktion und als Fraktionsvorsitzender "ausgedient".

Von Angern vermutet, dass die mindestens vier zusätzlichen Stimmen für Rausch aus der CDU kamen. Die Christdemokraten hätten der AfD damit "zu Macht verholfen". Bei der anstehenden Wahl des Ministerpräsidenten dürfe es deshalb keine CDU-Stimmen für AfD-Kandidat Ulrich Siegmund (35) geben, forderte die Linken-Politikerin.

8. Oktober, 13.26 Uhr: Linke und Grüne empört über Merz' Aussage

Beim Rätselraten darum, wer den AfD-Landtagspräsidenten mitgewählt haben könnte, sprach Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) von einer sogenannten "False-Flag-Operation". Er vermutet also, dass auch Abgeordnete der SPD, Linken oder Grünen den AfD-Kandidaten mitgewählt haben könnten. Die Wahl war geheim.

Linke und Grüne zeigen sich empört. Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic (49) sprach bei der "Rheinischen Post" von "einer bodenlosen Frechheit". Merz hätte lieber Aufklärung in den eigenen Reihen versprechen sollen, so Mihalic.

Linken-Chefin Ines Schwerdtner (37) bezeichnete es als "totalen Quatsch". "Es ist natürlich ein absoluter Hohn, dass er jetzt versucht, hier abzulenken, insbesondere von seiner eigenen Reformpolitik, von dem Sozialkahlschlag, den die CDU ja weiter durchzieht", sagte Schwerdtner in der Sendung "Frühstart" von RTL und n-tv. In der Union herrsche "vollkommenes Chaos", Merz habe seine Truppenteile nicht unter Kontrolle, so die 37-Jährige.

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) vermutet bei der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten eine "False-Flag-Operation".
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) vermutet bei der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten eine "False-Flag-Operation".  © Michael Brandt/dpa

8. Oktober, 13.15 Uhr - Tullner: CDU ist keine "AfD-Hilfstruppe"

Der sachsen-anhaltische CDU-Landesvize Marco Tullner (57) hat sich klar gegen eine Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund (35) zum Ministerpräsidenten ausgesprochen.

"Wir als CDU sollten Ulrich Siegmund auf keinen Fall zum Ministerpräsidenten wählen. Wir sind Opposition und keine AfD-Hilfstruppe", sagte Tullner dem Nachrichtenportal "t-online".

Andere Abgeordnete der CDU-Landtagsfraktion äußerten sich ähnlich, aber beispielsweise der frühere CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Räuscher (55) sprach sich dafür aus, den Rechtsaußen-Kandidaten zu unterstützen. Dies sei der Wille des Wahlvolkes, sagte Räuscher.

8. Oktober, 11.01 Uhr: Schwerdtner sieht Ende von Schwarz-Rot im Fall von Siegmund-Wahl

Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner (37) erwartet ein Ende der schwarz-roten Koalition im Bund, falls der AfD-Politiker Ulrich Siegmund (35) mit Stimmen der CDU zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt werden sollte.

"Das wäre dann wirklich der Moment, wo die Koalition, die Bundesregierung eigentlich zerbrechen müsste", sagte Schwerdtner in der Sendung "Frühstart" von ntv und RTL. 

Der neu gewählte Landtagspräsident Tobias Rausch (35, AfD) hatte behauptet, dass es "so abgesprochen" sei, dass CDU-Abgeordnete den AfD-Ministerpräsidentenkandidat mitwählen würden.

8. Oktober, 10.38 Uhr: Bundestagspräsidentin fordert Rausch auf Parteiamt zurückzugeben

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU) kritisiert Tobias Rausch (35, AfD) für seine Entscheidung, sein Parteiamt trotz Wahl zum Landtagspräsident weiterhin beibehalten zu wollen.

Der Maßstab für Rauschs Amt als Landtagspräsident sei Geschäftsordnung und Neutralität, sagte Klöckner dem "Stern". "Deshalb finde ich es als Parlamentspräsidentin befremdlich, dass Herr Rausch – wie zu hören ist – zeitgleich sein Parteiamt behalten und Generalsekretär seiner Landespartei bleiben will."

Sie bezeichnete es als "völlig unangebracht", als Parlamentspräsident "an einem operativen und in besonderem Maße politischen Parteiamt festzuhalten". Sie selbst hatte damals ihr Amt als Schatzmeisterin der CDU vor der Wahl zur Bundestagspräsidentin niedergelegt.

Klöckners Vorgänger Norbert Lammert (77, CDU) stimmte dem zu. "Das ist unüblich und wie die beiden Ämter, die nun beinahe spiegelbildlich unterschiedliche Profile voraussetzen, miteinander vereinbar sein sollen, das erschließt sich mir nicht", sagte er am Dienstag dem WDR.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU).
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU).  © Michael Kappeler/dpa

8. Oktober, 9.44 Uhr: Sepp Müller kritisiert Sven Schulze scharf

CDU-Bundesfraktionsvize Sepp Müller (37) kritisierte den Noch-Ministerpräsidenten Sven Schulze (47, CDU) scharf.

Es sei ein Fehler des CDU-Fraktionschefs im Landtag gewesen, seinen Parteikollegen vorab öffentlich eine Enthaltung bei der Wahl des Landtagspräsidenten zu empfehlen, sagte Müller im Gespräch mit MDR Aktuell. Schulze habe dies getan, "obwohl augenscheinlich Landtagskollegen bereits in der Fraktionssitzung angekündigt haben, dagegen zu stimmen". 

Müller ging in die Offensive und erklärte, sich im Dezember um den Landesvorsitz der Partei in Sachsen-Anhalt zu bewerben. Noch füllt Schulze diesen Posten, hatte aber bereits seinen Rücktritt angekündigt.

Ministerpräsident und CDU-Fraktionschef Sven Schulze (47) steht in der Kritik.
Ministerpräsident und CDU-Fraktionschef Sven Schulze (47) steht in der Kritik.  © Christophe Gateau/dpa

8. Oktober, 9.30 Uhr: Erste CDU-Abgeordnete denken über Austritt nach

Nach der Wahl von Tobias Rausch (35, AfD) zum Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt, wo auch CDU-Abgeordnete für den Rechtsaußen-Mann gestimmt haben sollen, rumort es bei der Union.

Der frühere Bildungsminister Marco Tullner (57, CDU) erklärte, nun über einen Austritt aus seiner Partei nachzudenken. Er ist nicht der einzige, der mit solchen Gedanken spielt. Alle Hintergründe lest Ihr im TAG24-Artikel "Nach Wahl von AfD-Mann: Erste CDU-Politiker denken über Austritt nach".

Der frühere Bildungsminister Marco Tullner (57, CDU) denkt über einen Austritt aus seiner Partei nach.
Der frühere Bildungsminister Marco Tullner (57, CDU) denkt über einen Austritt aus seiner Partei nach.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

8. Oktober, 6.10 Uhr: CDU-Kandidaten geben Stimmen der AfD - Radtke fordert Parteiausschluss

Dennis Radtke (47, CDU), Chef des CDU-Sozialflügels, fordert nun, dass gegen Parteikollegen, die den AfD-Kandidat zum Landtagspräsidenten mitgewählt haben, ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet wird.

"Sollte sich herausstellen, dass CDU-Abgeordnete den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten gewählt haben, erwarte ich, dass die Partei gegen sie ein Parteiausschlussverfahren einleitet", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Das muss auch für künftige Abstimmungen gelten: Wer Rechtsextremisten in politische Verantwortung verhilft, muss mit Konsequenzen rechnen."

Radtke findet man müsse an der Brandmauer weiter festhalten. "Die Abgrenzung zur AfD ist für die CDU verbindlich. Unsere Grundsätze dürfen keine unverbindlichen Empfehlungen sein und es darf auch keine regionalen Rabatte geben."

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Mehr zum Thema Landtagswahl Sachsen-Anhalt :