Radebeul - In zwei Jahren feiert das Karl-May-Museum in Radebeul seinen 100. Geburtstag. Die Villa Bärenfett kommt dem Jubiläum etwas zuvor. Sie macht schon in diesem Jahr das Jahrhundert rund.
Das vermeintliche Blockhaus wurde 1926 im Auftrag von Mays zweiter Ehefrau Klara gebaut - 14 Jahre nach dem Tod von Karl May und zu dessen Gedenken. Es steckt bis heute voller Legenden und Geheimnisse.
Den ersten Trugschluss löst der wissenschaftliche Direktor des Museums, Robin Leipold (38), gleich auf: "Das Blockhaus ist kein echtes Blockhaus. Das wäre zu teuer geworden. Deshalb wurde ein Ziegelbau errichtet und mit halbrunden Stämmen verkleidet."
Das Haus sollte den Abenteuergedanken aus Mays Romanen widerspiegeln und Fremdenzimmer sowie die Kunsthandwerk- und Souvenirsammlung des Paares beherbergen.
Schon vorab stellte sich heraus: Was Karl May von seiner Orientreise 1899/90 und 1908 von der einzigen Amerikareise (u.a. zu den Niagarafällen) mitgebracht hatte, reichte nicht aus.
Deshalb aktivierte Klara Anfang der 1920er-Jahre den Kontakt zu Weltenbummler, Sammler und Artist Ernst Tobis alias "Patty Frank".
Diesem Roman verdankt Villa Bärenfett ihren Namen
Sie erwarb nicht nur dessen umfangreiche Sammlung indigener Ethnografica. Sie ließ Patty Frank als Kurator und Verwalter der rund 600 Sammlungsobjekte auch im Blockhaus wohnen. Im August 1926 zog Patty ins neu gebaute "Blockhaus" ein. Auf seinen Wunsch hin war sogar ein Trapperraum mit Kamin eingerichtet worden.
Doch Frank kümmerte sich weniger um den Erhalt der Exponate als mehr um die im Keller eingerichtete Destille. "Patty feierte ausschweifend mit seinen Kumpanen. Skurrile Gestalten gingen ein und aus. Und alle am Vorderhaus vorbei, in dem Klara wohnte", erzählt Leipold.
Klara May stellte Frank mit weiblichem Geschick "ruhig", indem sie ihn mit dem Dienstmädchen Marie Barthel verkuppelte. "Es scheint gewirkt zu haben", schmunzelt Leipold. 1928 wurde in einem ersten Anbau die Ausstellung präsentiert. "1930 reiste Klara mit einer Einkaufsliste noch einmal nach Amerika und vervollständigte die Sammlung vor allem mit Objekten der Pueblos", weiß Leipold.
Die Sammlung war bis 1936 auf rund 1800 Objekte angewachsen und erforderte einen zweiten Anbau. Heute zeigt ein erster Raum, wie die gesamte Ausstellung künftig modern und trotzdem in Mays Tradition präsentiert wird. Leipold weiß: "Die Villa Bärenfett bleibt eine Wunder- und Schatzkammer."
Ihren Namen verdankt die "Villa Bärenfett" übrigens Mays Roman "Der Ölprinz", in dem die "Villa Bärenfett" das Zuhause des hinkenden "Hobble Frank" ist.