Görlitz - Nach der tödlichen Hausexplosion in Görlitz stellt sich die Frage, ob Kupferdiebe unsere Heizungskeller durch ihr kriminelles Treiben in eine tickende Gas-Bombe verwandeln könnten.
Drei Tote gab es in Görlitz zu beklagen, nachdem Mitte Mai ein Haus in der James-von-Moltke-Straße infolge einer Gasexplosion eingestürzt war. Am Sonntagabend teilte die Polizei dann mit, dass die Explosion mutmaßlich durch zwei Kupferdiebe herbeigeführt wurde, die zuvor die Rohrleitungen beschädigt haben sollen.
Eine Tragödie, die sich grundsätzlich auch anderswo wiederholen könnte.
"Auch durch bauliche und sicherheitsrelevante Maßnahmen lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass vorsätzlich und mit hoher krimineller Energie an Gasanlagen in Wohngebäuden manipuliert werden kann", erklärte Lars Wagner, Pressesprecher des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) gegenüber TAG24.
Um die Sicherheit von Gasinstallationen zu erhöhen, verwies der DVGW-Sprecher auf den Einbau eines sogenannten Gasströmungswächters: "Seine Hauptaufgabe ist es, bei einem unzulässig hohen Gasdurchfluss – zum Beispiel infolge einer Leckage oder Manipulation – die Gaszufuhr selbsttätig abzusperren. Dadurch wird das Risiko von Gasunfällen, wie Bränden oder Explosionen, deutlich reduziert."
Gasströmungswächter müssen bei Neuinstallationen, Gerätewechseln oder -Erweiterungen seit Dezember 2003 übrigens verpflichtend eingebaut werden. Eine Nachrüst-Pflicht für ältere Gasanlagen besteht jedoch nicht.
Gasgeruch: Hausbewohner sollten "lieber übervorsichtig" sein
Die verheerenden Folgen einer (mutmaßlichen) Manipulation der Gasanlage wurden in Görlitz auf erschreckende Weise sichtbar: "Wenn Sie Gas freisetzen, reicht ein kleiner Funke", resümierte Frank Ebisch (65), Pressesprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK).
Ebisch erklärte, dass im Görlitzer Fall eine große Menge Gas ausgetreten sein müsse, um gleich das ganze Gebäude zum Einsturz zu bringen.
Zugleich betonte der ZVSHK-Sprecher, dass Kupferdiebe nicht die alleinige Gefahr für den Heizungskeller darstellen würden, zumal ihm Vorfälle bekannt seien, wo fahrlässige Hausbewohner etwa ihre Fahrräder an den Gasleitungen aufgehängt hätten.
Ebisch riet grundsätzlich dazu, "lieber übervorsichtig" zu sein und bei wahrnehmbarem Gasgeruch oder auch beim alleinigen Verdacht umgehend zu handeln.
Was genau bei Gasgeruch im Haus zu tun ist, hat der DVGW auf seiner Website zusammengefasst. Darunter das Vermeiden von Funken und Flammen, die Belüftung der Wohnung, die Schließung des Gashahns und das Alarmieren der Mitbewohner.
Sobald man das Gebäude verlassen hat, soll so schnell wie möglich der Netzbetreiber oder die Feuerwehr alarmiert werden.