Görlitz - Haben die Ermittler Informationen zurückgehalten, um ihre Fahndungsergebnisse im TV platzieren zu können? Schaut man sich die Fakten an, scheint das so. Denn nach der verheerenden Hausexplosion in Görlitz muss die Spurenlage recht schnell in Richtung eines Verbrechens gezeigt haben. An jenem 18. Mai kamen zwei junge Frauen aus Rumänien und ein Deutsch-Bulgare ums Leben.
Erste Hinweise erreichten die Kripo schnell. Ausgangspunkt der Ermittlungen gegen die beiden Männer seien Hinweise der polnischen Polizei gewesen, die am 20. Mai in Görlitz eingingen, hieß es damals.
Nur einen Tag darauf genügten die Indizien, um den ersten Tatverdächtigen einzubuchten. Am 29. Mai wurde sein Kumpan erwischt und in U-Haft geschickt.
Die beiden Metalldiebe (ein Pole und ein Afghane) sollen Gasleitungen in dem Gebäude manipuliert haben. Gegen sie wird wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion mit Todesfolge ermittelt.
Doch warum verschwiegen die Ermittler die Umstände und die Verhaftungen? Und das, obwohl weiterhin Zeugen und Hinweise zu den Tätern benötigt werden und es dabei ja oft auf Schnelligkeit ankommt. Warum also warteten sie bis zum Abend des 7. Juni, um ihren "Erfolg" im MDR bei "Kripo live" zu feiern?
Behörde erklärt nicht alles
Bei der Pressearbeit hätten die Strafverfolgungsbehörden zu jedem Zeitpunkt zwischen den schutzwürdigen persönlichen beziehungsweise privaten Interessen der Tatverdächtigen und dem öffentlichen Interesse an der Berichterstattung abzuwägen, teilte die Behörde nun mit.
"Insofern war eine frühere Veröffentlichung von Details der bisherigen Ermittlungen und die Benennung von zwei Tatverdächtigen nicht zu rechtfertigen. Zunächst musste eine Beweislage geschaffen werden, die über einen vagen Anfangsverdacht hinausging."
Wie sich dieser "vage Anfangsverdacht" in einer vorab aufgezeichneten TV-Sendung am Sonntagabend plötzlich erhärten konnte, erklärte die Behörde nicht. Viele Fragen bleiben offen...