In neuer Rolle: Ex-Coach wagt bei den Monarchs mit 38 das Comeback

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Dresden - Genau 3864 Tage oder zehn Jahre, sechs Monate und 30 Tage hat es gedauert, bis Radko Zoller (38) wieder offiziell das Trikot und den Helm für die Dresden Monarchs übergestreift hat. Mit inzwischen 38 Jahren wagt der Ex-Coach das Comeback und war beim 61:7-Erfolg gegen die Leipzig Lions bereits wieder mittendrin.

Bei den ersten Catches war für Radko Zoller (38) noch ein bisschen Aufregung und zu viel Nachdenken dabei.
Bei den ersten Catches war für Radko Zoller (38) noch ein bisschen Aufregung und zu viel Nachdenken dabei.  © Leo Ziems

TAG24: Radko, wie hat sich das erste Spiel nach so langer Zeit angefühlt?

Zoller: "Das ist irgendwie so surreal, wie viel Zeit dazwischenliegt, wie schnell die Zeit rennt. Es war eine Erfahrung, war geil, weil ich auch die Aufregung wie ganz früher gespürt habe. Aber 38 ist doch ein Alter, es ist kein Selbstläufer. Ich merke meinen Körper, aber es macht Bock auf mehr."

TAG24: Der erste Catch, das erste Mal getackelt, war das auch wie früher? Oder war sogar mehr Aufregung dabei?

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Zoller: "Auf jeden Fall. Also ich war sehr verkopft und noch nicht so im Flow. Normalerweise denkst du nicht viel im Spiel, das sind alles Automatismen und Instinkt. Einigen Mitspielern ist aufgefallen, dass ich sehr ruhig war und nicht viel geredet habe. Da war ihnen klar, dass ich sehr nachdenklich war. Deswegen geht es jetzt darum, in den nächsten Wochen wieder die Routine reinzukriegen, dass das Bällefangen wieder in Fleisch und Blut übergeht. Aber wir haben gute Trainingsmöglichkeiten dafür."

TAG24: Woher kam die Idee, doch wieder mit dem Spielen anzufangen?

Zoller: "Ich bin ja Papa eines sechsjährigen Sohnes, der war letztes Jahr in Düsseldorf erstmals zuschauen. Und er kennt halt die Geschichten so ein bisschen von früher. Ich hatte immer den Gedanken, dass es doch cool wäre, wenn er mich auch noch mal mit Helm spielen sehen könnte. Irgendwie habe ich den Gedanken nicht mehr weggekriegt. Ich bin auch so ein Mensch, ich brauche immer ein Ziel, um Sport zu machen. Mir fällt es sehr schwer, ohne ein konkretes Ziel ins Fitnessstudio zu gehen."

Bei den Dresden Monarchs übernimmt Zoller eine neue Rolle

Mit 38 Jahren wagt sich der Ex-Receiver-Coach wieder selbst aufs Feld - in einer neuen Rolle als früher.
Mit 38 Jahren wagt sich der Ex-Receiver-Coach wieder selbst aufs Feld - in einer neuen Rolle als früher.  © Leo Ziems

TAG24: Vom Receiver-Coach zurück zum Receiver: Gibt's da auch Kommentare von den Kollegen?

Zoller: "Die nehmen kein Blatt vor dem Mund, aber ich habe es mir so ausgesucht. Ich wurde positiv aufgenommen, aber der ein oder andere nimmt jetzt natürlich die Gelegenheit wahr, mir zu zeigen, dass er sich vom Trainer missverstanden gefühlt hat. Das sorgte schon für einige Lacher."

TAG24: Was haben Sie sich für diese Saison als Ziel gesetzt?

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Zoller: "Am Ende geht es mir weniger um das auf dem Feld. Einen Touchdown machen zum Beispiel. Klar, das ist schön und auch das Ziel. Dafür schände ich meinen Körper. Aber am Ende diese halbe Stunde vorm Training in der Kabine mit den Jungs und die halbe Stunde nach dem Training mit den Jungs in der Kabine. Viele reden immer davon, aber wir sind ein Team. Für das gleiche Ziel sich zu schinden, zu schwitzen und zu bluten. Aber jeder bei uns im Team hat eine Rolle, das ist mir bewusst. Früher hatte ich eine andere als jetzt. Ich sehe mich als alten Hasen, will den Jungs unterstützend zur Seite stehen. Ich freue mich über jeden Einsatz, es ist nicht selbstverständlich, mit 38 im GFL-Kader zu stehen. Am 3. Oktober soll die bestmögliche Version von mir auf dem Platz stehen."

TAG24: Die neue Rolle zeigt sich auch neben dem Platz ...

Zoller: "Ja, bin Ansprechpartner für die Jungs. Ich kenne das ein oder andere Problemchen und weiß, wie wir das vielleicht auf einem kurzen Weg lösen können. Der eine oder andere versucht mich auch als Mutti für alles abzustempeln, aber ich unterstütze einfach. Für viele Jungs ist das hier alles neu. Die kommen vielleicht aus den USA das erste Mal nach Europa - Kulturschock. Und dann geht es manchmal auch einfach nur um die kleinen Dinge. Wo bekomme ich ein neues Kissen her? Wo kann ich am besten einkaufen? Wie organisiere ich jenes? Da gibt es so viele unterschiedliche Themen, die man so im ersten Moment auch gar nicht auf dem Schirm hat. Es macht mir einfach Freude, den Jungs da zur Seite zu stehen."

Titelfoto: Leo Ziems

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