Kann Capretti Abstiegskampf? Ingolstadt hält trotz Talfahrt am Trainer fest

Ingolstadt - Der erhoffte Effekt des Trainerwechsels hat sich längst verflüchtigt, der FC Ingolstadt 04 ist im Abstiegskampf der 3. Liga angekommen. Trainer Guerino Capretti (41) bekommt nach wie vor das Vertrauen ausgesprochen.

Das hatten sich der FC Ingolstadt und sein Neu-Trainer ganz anders vorgestellt: Aus neun Partien unter Guerino Capretti (41) holte das Team nur vier Punkte.
Das hatten sich der FC Ingolstadt und sein Neu-Trainer ganz anders vorgestellt: Aus neun Partien unter Guerino Capretti (41) holte das Team nur vier Punkte.  © Picture Point / Roger Petzsche

Man kann die Bilanz von Guerino Capretti auf verschiedene Art lesen: Vier Zähler seit Amtsantritt Anfang Februar, Punkteschnitt 0,44. Zuletzt fünf Niederlagen in Folge, Abrutschen von Platz 7 auf Rang 13 in der Tabelle.

Doch egal wie man die Bilanz vom Deutschland-Italiener drehen und wenden mag, unterm Strich bleibt: Der FC Ingolstadt befindet sich unter Capretti in einer sich immer weiter zuspitzenden Abwärtsspirale.

Die Hoffnungen im Zuge seiner Vorstellung "gemeinsam mit ihm wieder Erfolgserlebnisse für unseren Klub sammeln", erfüllten sich nicht. Die Worte stammten aus dem Mund Malte Metzelders (40) - inzwischen ist der damalige Ingolstädter Sportchef zurückgetreten.

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Auch die Bilanz seiner Amtszeit seit Sommer 2021 ist eine des Grauens: Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga sollte der direkte Wiederaufstieg folgen. Davon ist der von Audi finanziell erheblich geförderte Klub meilenweit entfernt.

Sinnbild des Niedergangs ist aktuell Capretti, der vierte Trainer in weniger als zwei Jahren unter der Führung Metzelders.

Nichtsdestotrotz bekam dieser am Montagabend von Dietmar Beiersdorfer (59), Geschäftsführer Sport, im Donaukurier das Vertrauen ausgesprochen: "Rino Capretti ist unser Cheftrainer und wird unsere Mannschaft auf das Spiel gegen die Löwen vorbereiten. Er wird das Team am Montag im Audi-Sportpark coachen."

Ingolstädter Auftreten unter Capretti erinnert an das von Dynamo Dresden in der Vorsaison

Ein Bild mit ganz viel Symbolcharakter: Während Zwickau weiterspielt, geht Ingolstadts Patrick Schmidt (29, M., früher Dynamo Dresden) zu Boden und lamentiert.
Ein Bild mit ganz viel Symbolcharakter: Während Zwickau weiterspielt, geht Ingolstadts Patrick Schmidt (29, M., früher Dynamo Dresden) zu Boden und lamentiert.  © Picture Point / Roger Petzsche

Doch die Frage ist, wie lange noch? Das Krisenduell gegen 1860 München bietet eine gute Gelegenheit, endlich den Bock umzustoßen. Im Misserfolgsfall droht Ingolstadt gänzlich in die Abstiegszone abzurutschen.

Dort hat die Konkurrenz neue Kraft und vor allem Punkte getankt: Oldenburg gewann unter Neu-Trainer Fuat Kilic (49) zwei von drei Partien, Bayreuth landete einen Überraschungscoup in Dresden, Halle ist in sieben Spielen unter Sreto Ristic (47) unbesiegt und Zwickau schlug am Sonntag eben Ingolstadt mit 2:0.

Der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt für den FCI nur noch sieben Zähler. Und: Erfahrungsgemäß sind in der 3. Liga etwa 45 Punkte vonnöten, um nicht abzusteigen. Ergo müsste Ingolstadt Minimum dreimal gewinnen.

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Kaum vorstellbar, wenn das Team weiter so auftritt. Denn Capretti zeigte schon bei Dynamo, dass er Abstiegskampf nicht kann. Er gilt als Konzepttrainer mit einer "offensiv ausgerichteten Spielweise" (O-Ton Ex-Ingolstadt Sportchef Metzelder). Nicht unbedingt das, was im Abstiegskampf an erster Stelle steht.

Wie lange guckt sich Ingolstadts Geschäftsführer Sport, Dietmar Beiersdorfer (59, l., früher Hamburger SV), den Niedergang noch an?
Wie lange guckt sich Ingolstadts Geschäftsführer Sport, Dietmar Beiersdorfer (59, l., früher Hamburger SV), den Niedergang noch an?  © Picture Point / Roger Petzsche

Kämpfen, kratzen, beißen, das geht der Ingolstädter Mannschaft ab. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb man in den Schlussminuten aus Zwickau nicht wenigstens das torlose Remis mitnahm. Ein weiterer Beweis: Die Gegentorflut. Kassierte man in den 17 Spielen bis zur Winterpause nur 14 Gegentreffer, sind es in 2023 schon deren 30 Stück!

Wie das enden kann, musste Dynamo Dresden in der letzten Spielzeit schmerzlich erfahren. Vielleicht sollte Dietmar Beiersdorfer mal bei seinem Kollegen Ralf Becker (52) nachfragen.

Titelfoto: Bildmontage: Picture Point / Roger Petzsche

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