Kommentar zum DFB-Kader: Entscheidung für Neuer ist mir nicht geheuer

Frankfurt am Main - Mit 26 Profis geht Julian Nagelsmann das Abenteuer Fußball-WM 2026 an. Im Tor wartet der Bundestrainer mit einer Überraschung auf. Der 2024 zurückgetretene Keeper Manuel Neuer (40) hütet den Kasten. Diese Rolle rückwärts zeigt, woran es der deutschen Nationalelf mangelt. Ein Kommentar.

Julian Nagelsmann (38) nimmt Manuel Neuer eher aufgrund von Verdiensten und seiner Persönlichkeit mit.  © Federico Gambarini/dpa

"Ja, plane ich", antwortete der 38-Jährige, ob er Neuer als Nummer eins zum Turnier mitnehme.

Seine Entscheidung begründete der Nationalcoach in erster Linie mit Verdiensten und Persönlichkeit Neuers.

"Er hat Titel, er hat eine Aura, er hat einen extrem großen Namen", zählte Nagelsmann Neuers Vorzüge auf. "Er hat etwas, das ihn umgibt, aufgrund der Erfolge, was der Mannschaft hilft", so der Coach weiter.

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Neuers Leistungen als Bewertungsmaßstab nannte Nagelsmann nicht und das ist auch kein Wunder.

Der Keeper mag noch zu den besten drei Torhütern Deutschlands gehören, ist aber unbestritten von seiner Weltmeisterform zwölf Jahre und viele Längen entfernt.

Beim Kicker-Notendurchschnitt liegt Baumann (3,07) vor Neuer (3,18). In der Liga unterliefen dem Altmeister teilweise gravierende Fehler wie gegen Union Berlin oder den 1. FC Köln. Zwar überzeugte Neuer in der Champions League gegen Real Madrid im Hinspiel, patzte aber bei zwei Treffern der Königlichen im Rückspiel.

Gegen PSG waren im Hinspiel alle fünf Pariser Schüsse drin, ehe Neuer im Rückspiel einige gute Paraden zeigte, dabei aber auch meistens von seinen Reflexen profitierte, anstatt unhaltbare Bälle rauszufischen.

Und auch WM-Erfahrung lässt sich schlecht für den Torwart-Oldie ins Feld führen. Denn 2022 sah Neuer bei gleich mehreren Gegentreffern schlecht aus, hatte eine Aktie am 2:0 für Japan und irrlichterte gegen Costa Rica im Strafraum umher.

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Neuer kommt mit zur WM, weil es Nationalmannschaft an Führungsfiguren mangelt

Manuel Neuer (40) wurde als Nummer eins für die WM nominiert. Hält die Wade und kann er die hohen Erwartungen an ihn erfüllen?  © Federico Gambarini/dpa

Wieso der Bundestrainer ihn dann mitnimmt?

"Jeder weiß, welche Aura den Manu umgibt", zählt Nagelsmann auf Neuers unerschütterliches Selbstbewusstsein.

Der Altstar-Torhüter ist praktisch der einzige Spieler im Kader, der momentan das Flair eines Superstars verströmt. Jamal Musiala befindet sich nach Verletzungspause noch nicht in Normalform.

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Florian Wirtz fremdelte beim FC Liverpool in der Premier League. Joshua Kimmich (31) ist in der Nationalmannschaft gesetzt, wirkt jedoch oft so, als würde er sich zu viel Druck machen.

Somit soll Neuer das Team anführen. Dass ausgerechnet ein 40-Jähriger die Chefrolle übernehmen soll, zeigt, wie sehr es Deutschland an Führungsfiguren mangelt.

Das letzte Mal, als ein DFB-Anführer den Zenit überschritten hatte, endete das bei der EM 2000 im Falle vom 39-jährigen Lothar Matthäus mit einem katastrophalen deutschen Ausscheiden.

TAG24-Redakteur Martin Gaitzsch hat Zweifel, dass die Nominierung von Manuel Neuer die richtige ist.  © Eric Münch

Ob Oliver Baumann, für den die Nominierung laut Nagelsmann ein "Schlag" gewesen sein soll, Neuer gleichwertig ersetzen kann, wenn dieser verletzt ausfällt, steht zudem auf einem völlig anderen Blatt Papier.

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