WM-Vorfreude futsch! DFB-Coach Flick nimmt Ungarn-Pleite auf seine Kappe

Leipzig - Muss man sich knapp zwei Monate vor Start der Weltmeisterschaft 2022 Sorgen um die deutsche Nationalmannschaft machen? Die erste Niederlage der Amtszeit von Bundestrainer Hansi Flick (57) hat die Stimmung getrübt und deutlich offenbart, dass es noch viel Luft nach oben gibt.

Hansi Flick (57, M.) konnte über weite Strecken nicht mit der Vorstellung seiner Mannschaft zufrieden sein.
Hansi Flick (57, M.) konnte über weite Strecken nicht mit der Vorstellung seiner Mannschaft zufrieden sein.  © Federico Gambarini/dpa

Die knappe 0:1-Pleite gegen Ungarn am Freitagabend bedeutete nicht nur das Aus in der Nations League, sondern stürzte die DFB-Elf auch in die erste Mini-Krise unter dem 57-jährigen Übungsleiter.

Nur ein Sieg aus den letzten sechs Partien, dazu der erste Misserfolg im 14. Spiel - und das zum womöglich ungünstigsten Zeitpunkt der gut einjährigen Regentschaft des Nationaltrainers.

Besonders die ersten 45 Minuten waren ein Offenbarungseid. "Die erste Halbzeit war mit Sicherheit die schlechteste in den 14 Länderspielen. Wenig Mut, wenig Vertrauen, wenig Dynamik, wenig Intensität - viele Fehler", zählte Flick am Samstag die Defizite auf.

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Den Grund dafür suchte der Coach bei sich selbst. Die Aufstellung habe nicht funktioniert. "Deswegen muss ich einen Teil des Ganzen auf meine Kappe nehmen."

Für den verletzten Lukas Klostermann (26) stand verglichen zum 5:2-Triumph gegen Italien im Juni Serge Gnabry (27) in der Anfangsformation, Jonas Hofmann übernahm stattdessen die Rolle des Rechtsverteidigers in der Viererkette, agierte aber wie David Raum (24) auf der linken Seite eher als sehr offensiv ausgerichteter Schienenspieler.

Dadurch öffneten sich große Räume in der deutschen Hintermannschaft, die Ungarn eiskalt ausnutzte.

"Insgesamt sehr langsam, sehr behäbig, kaum flexibel"

Zum Haare raufen! Thomas Müller (33, r.) und seine Kollegen fanden gegen Ungarn nicht die richtigen Mittel.
Zum Haare raufen! Thomas Müller (33, r.) und seine Kollegen fanden gegen Ungarn nicht die richtigen Mittel.  © Federico Gambarini/dpa

Trotz der im Nachhinein wohl zu mutigen Ausrichtung lief auch im Spiel nach vorn nicht viel zusammen. Gnabry, Thomas Müller (33) und Leroy Sané (26) übertrugen die aktuellen Probleme des FC Bayern München ins Nationalteam und taten sich gegen tief stehende und beherzt in jeden Zweikampf gehende Gäste schwer.

"Insgesamt sehr langsam, sehr behäbig, kaum flexibel und viele 50:50-Duelle einfach abgegeben", räumte Mittelfeld-Leader Ilkay Gündogan (31) nach dem Match ein. "Wir stehen relativ argumentlos da", pflichtete Müller bei.

Das muss sich allerdings schleunigst ändern, denn bereits in der Gruppenphase der Winter-WM wird die DFB-Elf mit Japan und Costa Rica auf zwei ähnlich eingestellte Mannschaften treffen. Für die kommenden Gegner war der erste Durchgang ein hervorragender Anschauungsunterricht.

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Zumal Ungarn zwar die Gruppe drei der Nations-League-A dominiert und sich gegen Italien den Platz an der Sonne sichern kann, die Qualifikation für die Weltmeisterschaft jedoch verpasste.

Umso wichtiger wird nun die Generalprobe am Montag (20.45 Uhr) im Wembley bei A-Liga-Absteiger England. Auf dem Papier geht es in der Begegnung um nichts mehr, aber für Deutschland ist es die letzte Chance, vor dem Aufbruch nach Katar Selbstvertrauen zu sammeln.

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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