Nur ein echter Heimsieg in zwei Jahren: Das ist der traurigste Regionalliga-Absteiger

Berlin - Dieses Abenteuer hatten sich alle Beteiligten anders vorgestellt: Nach zwei Saisons in der "Champions League des Ostens" steigt Hertha 03 Zehlendorf wieder ab. Die traurige Bilanz: Die "kleine Hertha" gewann in dieser Zeit nur ein Spiel auf heimischem Grund.

Das Ernst-Reuter-Sportfeld in Berlin-Zehlendorf ist traumhaft im Wald gelegen. Als Erfolgsgeschichte taugte die Spielstätte aber nicht.  © IMAGO / Matthias Koch

Vorausgegangen war ein echter Behörden-Irrsinn. Weil das Ernst-Reuter-Sportfeld über keinen separierten Gästebereich verfügte, musste gebaut werden. Doch bis Ausschreibung und Baufirma engagiert waren, strichen anderthalb Jahre ins Land.

Nach fast zwei Jahren war es geschafft: Der wohl "berühmteste Zaun Berlins" ward Anfang März dieses Jahres errichtet. 

Problem: Zu dem Zeitpunkt steckte Zehlendorf, das bis dato ins Stadion Lichterfelde ausgewichen war, so tief im Abstiegskampf, dass selbst die Aussicht auf die eigene Spielstätte keinen Schub auslösen konnte.

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Insgesamt achtmal durfte Hertha 03 diese Serie auf heimischem Geläuf spielen. Hinzu kommen zwei Partien der Vorsaison, als Zehlendorf mit Ausnahmeregelung daheim spielen durfte, weil sich keine Gästefans angekündigt hatten. 

Unterm Strich steht ein einziger Dreier im Ernst-Reuter-Sportfeld in der Regionalliga Nordost, der auch schon über ein Jahr zurückliegt – das Zehlendorfer Gastspiel mutiert zum Trauerspiel.

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Hertha 03 Zehlendorf steht nach dem Abstieg aus der Regionalliga Nordost vor dem Neuaufbau

Marco Böning (40, l.), zuletzt Interimstrainer, bleibt trotz des Abstiegs als Sportlicher Leiter.  © Picture Point / Roger Petzsche

Zugegeben: Die Trainer-Thematik hatte der Verein eleganter lösen müssen, als kurz vor dem Schicksalsspiel gegen Chemie Tilman Käpnick (33) freizustellen. Das Ergebnis (0:5) sprach Bände.

Doch so richtig heimisch fühlte sich der Klub in der Liga nie. Führten die Zehlendorfer jahrelang die Oberliga an und schafften 2024 als Heimmacht den Aufstieg, tickten die Uhren in der von großen Traditionsklubs dominierten Regionalliga anders.

Unmittelbar nach dem Aufstieg hatten sich zudem zahlreiche Leistungsträger verabschiedet. Kapitän Lenny Stein (30) wechselte zum BFC Preussen, der seinerzeit als Oberliga-Neuling mit dem großen Geld lockte.

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Albert Millgramm (21) schloss sich Magdeburgs U23 an und könnte künftig mit dem SC Paderborn Bundesliga spielen. George Didoss (21) zog es zum SV Babelsberg. Seinen neuen Arbeitgeber kann er sich nach der diesjährigen Fabelsaison aussuchen.

Serhat Polat (25) und Erfolgstrainer Robert Schröder (37) ergriffen die Gelegenheit beim Schopfe, beim Halleschen FC unter professionellen Bedingungen zu arbeiten.

Und so endet für Zehlendorf die Regionalliga nach zwei Jahren mit – Stand heute – einem echten Heimsieg und sage und schreibe drei Spielern des heutigen Kaders, der 2024 den Aufstieg bewerkstelligt hatte.

Tabelle Regionalliga Nordost

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 1. FC Lokomotive Leipzig 32 59:27 68
2 FC Carl Zeiss Jena 32 61:35 66
3 FSV Zwickau 32 49:41 61
4 Hallescher FC 32 58:34 60
5 FC Rot-Weiß Erfurt 32 63:43 58
6 VSG Altglienicke 32 48:39 49
7 Chemnitzer FC 32 51:48 47
8 BFC Preussen 32 48:53 47
9 1. FC Magdeburg II 32 53:46 46
10 FSV 63 Luckenwalde 32 35:43 42
11 Hertha BSC II 32 44:56 39
12 SV Babelsberg 03 32 60:58 38
13 BSG Chemie Leipzig 32 40:46 37
14 BFC Dynamo 32 42:48 36
15 Greifswalder FC 32 36:42 34
16 ZFC Meuselwitz 32 42:58 32
17 FC Eilenburg 32 33:60 23
18 Hertha 03 Zehlendorf 32 26:71 14

Der Meister 2026 spielt am Ende der Saison in zwei Aufstiegsspielen gegen den Meister der Regionalliga Bayern. Der Sieger steigt in die 3. Liga auf. Es steigen maximal vier Mannschaften in Abhängigkeit der Absteiger aus der 3. Liga ab.

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