Union Berlin verurteilt Hass-Kommentare gegen Eta: "Einfach nur peinlich"
Berlin - Seit Samstag kurz vor Mitternacht ist Marie-Louise Eta (34) die neue Cheftrainerin von Union Berlin - wohlgemerkt bei den Herren, in der höchsten deutschen Spielklasse.
Dass diese Entscheidung für Gesprächsstoff sorgen würde, war abzusehen, mit welchem Hass und welcher Häme dabei teilweise zu Werke gegangen wurde, hat aber selbst die Verantwortlichen bei den Eisernen negativ überrascht.
So fand Horst Heldt (56) auch deutliche und passende Worte für die Hetze im Internet: "Das ist einfach nur peinlich", betonte er in einer Medienrunde am Montag, in der er auch noch einmal ausführlich auf die Gründe für die Entlassung von Steffen Baumgart (54) einging.
"Ich finde es wahnsinnig, dass wir uns damit auseinandersetzen müssen, in der heutigen Zeit uns rechtfertigen müssen", stellte der Manager klar, denn "wir reden hier von einer hochkompetenten Führungspersönlichkeit", lobte er Eta für ihre bisherige Arbeit im Verein.
"Sie können sicher sein, dass alle hier bei Union Berlin zu 100 Prozent hinter dieser Entscheidung stehen und mit voller Kraft dazu beitragen werden, dass das zu keiner Diskussion zukünftig mehr führt", bekräftigte der 56-Jährige, der sich nach eigener Aussage weigere, diese Hass-Kommentare überhaupt durchzulesen.
Marie-Louise Eta lässt Hass im Internet nicht an sich heran
Christian Arbeit (52) zeigte sich regelrecht erstaunt: "Vielleicht unterschätzt man das heutzutage dann auch, ich bin ehrlicherweise schon überrascht über die Rückwärtsgewandtheit vieler Kommentare", monierte der FCU-Pressechef.
Im Verein sei es für alle ganz selbstverständlich, dass Frauen Führungspositionen bekleiden. Von daher sei dieses Verhalten "unterirdisch und da muss man sich streckenweise schämen".
Auf sich sitzen lassen wollten die Verantwortlichen diesen Hass aber nicht. "Wir haben uns auch ein bisschen in die Social-Media-Schlacht hineingestürzt. Unser Kommunikationsteam macht einen sehr guten Job und hält den Leuten auch ein bisschen den Spiegel vor", merkte Arbeit an.
Und wie geht die Betroffene selbst damit um? "Marie-Louise Eta hat damit einen ganz pragmatischen Umgang", stellte der 52-Jährige fest. Sie sei sich bewusst, dass es eine spezielle Situation ist, aber "für sie steht aber Fußball im Vordergrund. Sie will mit der Mannschaft arbeiten, sie will auf dem Platz stehen, insofern lässt sie das gar nicht so sehr an sich heran."
Am Dienstag hat die gebürtige Dresdnerin ihre erste Einheit mit der Mannschaft absolviert und den Spielern klare Ansagen gemacht. Beim Training wurde sie nicht nur von Union-Boss Dirk Zingler (61), sondern auch von mehr als 40 - zum Teil internationalen - Medienvertretern beobachtet.
Titelfoto: Matthias Koch/dpa (Bildmontage)

