Chemie Leipzigs Tor-Zauberer ehrlich: "Was hatte ich noch nicht in meiner Karriere? Fans!"
Leipzig - Im Sommer wechselte Chemie Leipzigs Torjäger Stanley Ratifo (31) zum Halleschen FC und hinterließ bei den Grün-Weißen eine Lücke, die keiner so schnell schließen konnte. Die Treffer beim Regionalligisten fehlten. Dank Philipp Kühn (23) ist der Torhunger bei den Sachsen aber zurück. Im Interview mit TAG24 erzählt der Stürmer unter anderem, wie es überhaupt dazu gekommen ist.
Denn zu Beginn der Saison stand Kühn noch beim Ligakonkurrenten BFC Preussen unter Vertrag und machte dort noch vier Spiele, unter anderem gegen Chemies nächsten Gegner Erzgebirge Aue.
"Ich hab mich im Sommer eigentlich dazu entschieden, ein Jahr noch bei Preussen zu spielen, dann wäre ja auch mein Vertrag ausgelaufen. Dann war ich ein paar Wochen in der Vorbereitung raus und wie der Sport halt ist, passieren dann auch vielleicht Entscheidungen, die man nicht ganz versteht", berichtet der Spieler.
Der 23-Jährige hatte dann auch das Gefühl, seine Wertschätzung nicht zu bekommen, die er in den Monaten zuvor eigentlich gespürt hatte.
"Dann hatte ich auch einen Fehlschuss in Aue, wir hatten dann dort nicht gepunktet. Da staute sich das Gefühl auch weiter an. Und ja, genau dann war Chemie da. Für mich war die Entscheidung dann relativ einfach. Ich hab mir die Frage gestellt: 'Was hattest du noch nicht in deiner Karriere? Fans! So ein richtig volles Stadion hinter dir.'"
Jetzt ist das anders. Der Alfred-Kunze-Sportpark ist mit 4999 Zuschauern in der Regel zumindest in den Heimbereichen ausgelastet. Beim Auswärtsspiel am vergangenen Mittwochabend bei Tasmania Berlin (5:2) waren 900 Chemiker dabei, vor denen sich Kühn dann auch entsprechend für seine Tore feiern lassen konnte.
Bleibt Philipp Kühn auch im kommenden Jahr bei der BSG Chemie Leipzig?
Apropos Tore: Die sehen beim Angreifer nicht selten spektakulär aus. Gegen den FSV Zwickau (2:2) machte er kurz vor Schluss im Fallen per Kopf den wichtigen Ausgleich. Bei Tasmania packte Kühn im zweiten Durchgang den Fallrückzieher aus, der die Weichen für Chemie auf Sieg stellte.
"Das ist oft einfach Instinkt. Auch als Stürmer richtig zu stehen. Man denkt da nicht so viel drüber nach, man macht es einfach. Lieber Kopf ausschalten und los geht es", so Kühn.
Insgesamt hilft es natürlich, wenn der Bock einmal umgestoßen wurde. Nach dem ersten Treffer, wo der Knoten geplatzt ist, sind die nächsten Tore vielleicht einfacher zu erzielen. Gerade, wenn man auf den schwierigen Start der Chemiker zurückblickt.
Geht es übrigens nach dem Stürmer, sollen noch viele weitere Tore für Grün-Weiß folgen. Sein Vertrag läuft in der Theorie im nächsten Sommer aus. Die Option auf eine Verlängerung gibt es aber.
Kühn: "Ich fühle mich hier pudelwohl. Für mich zählt dieses Jahr die BSG Chemie. Die Mannschaft entwickelt sich stetig weiter, das ist, denke ich, auch ein wichtiger Punkt, für alle Spieler. Ich bin recht entspannt beim Vertrag. Ich bin jetzt schon so viel herumgekommen mit 23 Jahren. Es wäre für mich auch schön, irgendwo mal länger zu bleiben."
Titelfoto: Picture Point / Gabor Krieg

