Bloß kein Déjà-vu! In Cottbus steht jetzt alles auf dem Prüfstand
Cottbus - "Irgendwann als Trainer bist du auch verbraucht, wenn du immer wieder was erzählst, und es passiert nichts. Das war ein Gedanke von mir, dass ich der Mannschaft einen neuen Impuls gebe, damit die wieder an was glauben können und müssen", erklärte jüngst Ulm-Trainer Pavel Dotchev (60) in Cottbus die neue Systematik und Aufstellung. Selbige Situation gilt für Energie-Coach Pele Wollitz (60).
Nach dem Einzug ins Pokalfinale und zwei freien Tagen startet am Dienstag die Vorbereitung auf die Aufgabe beim TSV Havelse (Ostersamstag, 14 Uhr).
Und mit ihr eine Bewährungsprobe für Team und Trainer. Denn trotz des 5:0-Pokalerfolgs steht in Cottbus alles auf dem Prüfstand!
Zum Beispiel, ob das Team auch ohne Kapitän Axel Borgmann und Topspieler Tolcay Cigerci (beide 31) funktionieren kann. Im Pokal gegen den Sechstligisten Blankenfelde-Mahlow bestand die Mannschaft ohne ihre beiden Anführer die – zugegeben nicht allzu schwere – Probe.
Jetzt gilt es, auch in der Liga gegen Havelse den Turnaround zu schaffen.
Dafür wird Wollitz nach drei sieglosen Spielen keinen Stein auf dem anderen lassen, sonst droht die Restrunde zum Déjà-vu der Vorsaison zu werden.
Energie Cottbus erwägt Systemwechsel, Pele Wollitz gibt Schlüsselspielern eine Pause
Zum Beispiel ist alles andere als klar, ob Tolcay Cigerci in der Liga zurück in die Startelf rotiert. Nach dem Krampf-Auftritt gegen Ulm hatte Wollitz harte Entscheidungen und Personalkonsequenzen angekündigt.
Die könnte Cigerci zu spüren bekommen. Denn Jannis Boziaris (22), der im Pokal auf der Zehn aufdribbelte, konnte wie auch Ted Tattermusch (24) gegen den Sechstligisten Eigenwerbung betreiben.
Auch die festgefahrene Spielstruktur könnte gewechselt werden. Schon im Pokal testete Wollitz das 4-1-3-2 mit Raute, das Energie durch den Mittelteil der Saison trug.
Wollitz mottete das Offensiv-System zum Rückrundenstart nach Forderungen aus dem Umfeld und auch aus den Medien ein – verordnete seinem Team stattdessen einen defensiveren, kontrollierten Ansatz.
Die Folge: Energie ließ kaum Chancen des Gegners zu und kassierte auch weniger Gegentore, doch der Offensivmotor stotterte in der Rückrunde gewaltig (nur 13 Törchen in elf Spielen).
Erik Engelhardt trifft mit Sturmpartner an seiner Seite wieder
Sowohl die Schlussphase gegen Ulm als auch das Spiel gegen Blankenfelde-Mahlow zeigten: Goalgetter Erik Engelhardt (27) tut sich in der Spitze mit einem Sturmpartner bedeutend leichter, weil sich die Verteidiger nicht nur auf ihn konzentrieren.
Außerdem signalisierte die Verwaltungstaktik speziell in den Spitzenspielen gegen Verl und Rostock daheim dem Team: Wir fürchten uns vor der Konkurrenz!
Dabei machte Cottbus in der Hinrunde stark, dass es in der Liga gegen ausnahmslos jeden Gegner mutig agierte – und so auf Platz eins stürmte. Die neue Herangehensweise nahm dem Team offenbar Selbstverständnis und Leichtigkeit.
Symptomatisch: Selbst die Arbeitsbereitschaft stimmte zuletzt in der Liga nicht. Wollitz nach Ulm: "Was mich nach wie vor ärgert, ist, dass es nach einem unfassbaren Spiel in Stuttgart drei solche Spiele sind. Das ist für mich nicht erklärbar."
In der Schlussphase der Saison gilt es, sich wieder auf eigene Stärken und die Intuition zu besinnen, damit ein Déjà-vu der Vorsaison ausbleibt. Wollitz nach dem Einzug ins Pokalfinale: "Ab Dienstag läuft der Countdown 2. Bundesliga."
Titelfoto: IMAGO / Matthias Koch

