Hochbrisantes Thüringenderby am Sonntag: "15.000 Zuschauer in der Regionalliga ein Brett"

Erfurt - Wenn am Sonntagnachmittag um 16 Uhr der FC Rot-Weiß Erfurt den FC Carl Zeiss Jena im Steigerwaldstadion empfängt, geht es um mehr als um die Frage nach der Nummer eins in Thüringen. Beide Klubs durchleben sportliche schwierige Zeiten.

Das jüngste Derby im Erfurter Steigerwaldstadion endete 1:1. Die RWE-Spieler konnten sich erhobenen Hauptes dennoch von ihren Fans feiern lassen.
Das jüngste Derby im Erfurter Steigerwaldstadion endete 1:1. Die RWE-Spieler konnten sich erhobenen Hauptes dennoch von ihren Fans feiern lassen.  © IMAGO / Bild13

Nur fünf Tage nach dem Verkaufsstart waren alle Tickets weg! Seit Tagen fiebert ganz Thüringen dem Klassiker zwischen Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena entgegen.

Fast 15.000 Zuschauer werden vor Ort in den Genuss kommen, das hochbrisante Duell der beiden besten Thüringer Fußballmannschaften live zu verfolgen. Oder wie es FCC-Trainer René Klingbeil vor dem Spiel beim MDR ausdrückte: "15000 Zuschauer in der Regionalliga, das ist ein Brett."

Auch der Gästebereich mit mehr als 2000 Karten ist restlos ausverkauft, sodass allen ohne Fahrkarte lediglich das Fernsehen bleibt: Der MDR berichtet live im TV ab 15.50 Uhr, ehe um 16 Uhr der Anpfiff ertönt.

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Ab dem Moment geht es wieder einmal um die Vormacht in Thüringen, vergangene Spielzeit trennten sich die Teams zweimal Unentschieden. Aber: Jena zog am letzten Spieltag in der Tabelle an Erfurt vorbei, krönte sich zum besten Rückrundenteam und wurde Zweiter.

Das kann Sonntag nicht passieren, der FCC liegt nach enttäuschendem Saison neun Punkte hinter RWE, die nach den Ergebnissen von Samstag sechs Punkte hinter dem Überraschungs-Ersten Greifswalder FC rangieren.

Mit einem Sieg wäre für die Rot-Weißen Platz drei möglich, dafür muss aber eine Leistungssteigerung her - im jüngsten Heimspiel unterlag man Meuselwitz mit 1:2. bei Abstiegskandidat Eilenburg spielte RWE nur 0:0. Danach mussten die Spieler zum Rapport mit den Ultras an den Zaun.

Für Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena geht es um die Ehre, für René Klingbeil um den Job

Gelingt Jena und Trainer René Klingbeil (42) ausgerechnet im Thüringenderby bei Erfurt der Befreiungsschlag? Carl Zeiss ist mit sechs Punkten aus acht Spielen enttäuschend in die Saison gestartet.
Gelingt Jena und Trainer René Klingbeil (42) ausgerechnet im Thüringenderby bei Erfurt der Befreiungsschlag? Carl Zeiss ist mit sechs Punkten aus acht Spielen enttäuschend in die Saison gestartet.  © Picture Point / Gabor Krieg

In Jena sieht die Lage noch bedrohlicher aus. Nicht wenige Anhänger verknüpfen sogar den Ausgang im Thüringenderby mit dem Schicksal von Zeiss-Trainer René Klingbeil, der seit Wochen in der Kritik steht.

(Noch) genießt er den Rückhalt und eine wohltuende "Ruhe" an den Kernbergen, rief vorsichtshalber vor wenigen Tagen an erster Stelle den Klassenerhalt. Die Ansprüche sind hoch, mittelfristig wollen beide Vereine in die 3. Liga. Viele sprechen im Vorfeld darum von einem "Krisen-Derby".

Während Jena sich kürzlich mit dem erfahrenen Nils Butzen verstärkte, rüstete Erfurt dieser Tag mit dem ehemaligen US-amerikanischen Nationalspieler Romain Gall (28) nach. Noch vor Kurzem hatte RWE mit Blick auf die Ansetzung an einem Sonntag von einer "finanziellen Katastrophe" gesprochen.

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Erfurt-Trainer Fabian Gerber (43) übt sich derzeit gebetsmühlenartig in Unterstatement, weiß aber genauso wie gegenüber René Klingbeil, dass nur ein Sieg zählt, um die aufgebrachten Fans ruhig zu stellen.

Vor dem Hintergrund wurden Anfang der Woche ein Dutzend Wohnungen potenzieller Gewalttäter durchsucht, die Polizei spricht "aufgrund der traditionell herrschenden Fanfeindschaft" von einem "erhöhten Konfliktpotential und Störungen".

Gastgeber Erfurt hat neben einem Anwohnerschutzkonzept zudem Hinweise für beide Fanlager veröffentlicht, damit es nicht wie im März nach dem letzten Derby zu einer Massenschlägerei kommt.

Titelfoto: Bildmontage: IMAGO / Bild13

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