Hertha BSC stellt sich hinter Fans und fordert Dialog mit Polizei
Berlin - Nach den Ausschreitungen im Vorfeld des Top-Spiels in der 2. Bundesliga hat Hertha BSC Stellung zu dem Vorfall bezogen und Partei für seine Fans ergriffen.
"In den vergangenen Monaten ist aus unterschiedlichen Perspektiven wiederholt der Eindruck entstanden, dass Einsatzkonzepte und polizeiliche Präsenz von Fans als zunehmend konfrontativ und [...] nicht mehr durchgängig deeskalierend wahrgenommen worden sind", teilte der Verein am Sonntag mit.
"Diese Wahrnehmung teilt auch Hertha BSC und hat entsprechende Beobachtungen wiederholt gegenüber der Polizei adressiert", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Präsidium und Geschäftsführung, die TAG24 vorliegt.
Nach Angaben der Polizei wurden bei den Zusammenstößen vor der Ostkurve zwischen Ultras und Einsatzkräften 21 Beamte und 31 Mitglieder der aktiven Fan-Szene leicht verletzt. Die Behörde nannte massive Gewalt gegen die Polizeikräfte als Auslöser.
Die Fanhilfe Hertha BSC sprach beim Kurznachrichtendienst X hingegen von massiver Polizeigewalt und "schwer verletzten Fans", die "weiterhin verschwiegen" werden. Zudem wurde postuliert, "die Berliner Polizei verbreitet in ihrer neuen Mitteilung nachweislich Falschbehauptungen".
Hertha BSC ruft zu Dialog und Deeskalation auf
Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen würden verdeutlichen, "wie wichtig eine kontinuierliche, transparente und frühzeitige Abstimmung zwischen allen Akteuren ist, um Missverständnisse und Eskalationen möglichst zu vermeiden", betonte die Vereinsseite.
Der Hauptstadtklub habe bereits vor Monaten den Wunsch nach Gesprächen mit der Polizei Berlin geäußert, die bislang aber noch nicht realisiert worden seien "und erneuert diesen Wunsch hiermit nachdrücklich". Die aktuellen Entwicklungen würden die Notwendigkeit unterstreichen, den Dialog auf eine neue Ebene zu heben.
"Nur über Dialog, gegenseitiges Verständnis und einen klaren gemeinsamen Willen zur Deeskalation kann Vertrauen nachhaltig gestärkt und ein konstruktiver Rahmen für zukünftige Spieltage geschaffen werden", bekräftigte die Vereinsführung und rief auch Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) zur Teilnahme an den Gesprächen auf.
Ziel bleibe es, Bedingungen zu schaffen, "in denen der Fußball und seine Fan-Kultur als verbindendes Erlebnis wahrgenommen und respektiert werden und alle Beteiligten ihrer Verantwortung mit Augenmaß und Respekt gerecht werden".
Abschließend verurteilte Hertha BSC ausdrücklich jede Form von Gewalt und wünschte allen Verletzten eine schnelle Genesung und gute Besserung. Das Unentschieden im Spitzenspiel gegen Schalke 04 geriet aufgrund der Vorkommnisse in den Hintergrund.
Titelfoto: Andreas Gora/dpa, Bernd von Jutrczenka/dpa (Bildmontage)

