Wie Hertha-Star Leistner die Krawalle erlebte: "Dachte am Anfang, das ist die Polizei"
Berlin - Hertha BSC nutzt die vielleicht allerletzte Mini-Chance, doch nochmal im Aufstiegsrennen mitzumischen, gewinnt mit zehn Mann bei Dynamo Dresden mit 1:0. Über das Spiel redet im Anschluss aber keiner mehr. Zu schwer wiegen die Krawalle.
"Was da im ersten Durchgang passiert ist, hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen", sagte Toni Leistner (35) bei RTL Nitro. "Ich möchte nicht bewerten, was da schiefgelaufen ist. Das sollen die Verantwortlichen machen."
Was der gebürtige Dresdner meint: In der 19. Minute unterbrach Schiedsrichter Sven Jablonski (35) zum zweiten Mal die Partie - schickte beide Mannschaften sofort in die Kabine. Hertha-Fans waren in den Innenraum gelangt, daraufhin stürmten auch etwa 60 Dresdner Fans in Richtung Gästeblock. Beide Fanlager beschossen sich mit Pyro, ehe die Polizei die Anhänger zurück in den Block drängte.
"Ich habe gar nicht so viel mitbekommen. Ich habe es nur laut knallen gehört und dann ein paar schwarz Vermummte rüberrennen sehen. Ich dachte am Anfang, das ist die Polizei, weil sie schwarz angezogen waren", beschrieb Leistner, wie er den Platzsturm wahrgenommen hat.
Erst nach 20 Minuten konnte weitergespielt werden. "Als Sportler ist man so in seinem Tunnel, auf einmal hat es überall geknallt. Es gab Rauch und Nebel, die Atmosphäre war insgesamt schon krass. Plötzlich lief irgendwer über den Platz und dann mussten wir auch schon rein", sagte Fabian Reese (28).
Nach Dresden-Eklat: DFB kündigt Ermittlungsverfahren an
Ob die später im K-Block abgefackelte Fahne des Förderkreises Ostkurve der Auslöser der Fan-Ausschreitungen war oder von wem welche Provokationen ausgingen: unklar. Fakt ist aber: Das wird noch ein Nachspiel haben. Der DFB-Kontrollausschuss wird ermitteln - gegen beide Vereine.
Schon unmittelbar im Zuge der Ereignisse verurteilten sowohl Hertha als auch Dynamo Dresden die Vorkommnisse: "Das entspricht nicht meinem Wertegerüst. Sobald Gewalt im Spiel ist, sobald man auf andere Menschen mit Pyrotechnik schießt, hört es bei mir einfach auf. Ich möchte da überhaupt kein Verständnis in irgendeiner Art und Weise aufbringen", fand Hertha-Boss Peter Görlich (59) deutliche Worte.
Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa, David Inderlied/dpa
