Dynamo-Erlösung, Aue-Warten, GFC-Auftaktpleite beim BAK!

Deutschland - Die Erleichterung war spürbar! Dynamo Dresden hat erstmals seit Dezember 2021 wieder gewonnen und einen völlig verdienten 2:0-Sieg beim Halleschen FC gefeiert, der Aufwind für die kommenden Spiele in der 3. Liga geben sollte.

Christian Conteh (22) war gegen den HFC der Dynamo-Matchwinner.
Christian Conteh (22) war gegen den HFC der Dynamo-Matchwinner.  © picture point/Sven Sonntag

Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können, schließlich steht für die SGD eine Englische Woche an. Bereits am Mittwoch (19 Uhr) empfangen die Schwarz-Gelben den SC Verl, der beim 2:2 gegen den SV Waldhof Mannheim nachwies, dass man ihn nicht unterschätzen darf.

Gegen den Aufstiegskandidaten zeigte der vermeintlich sichere Absteiger, dass er trotz des Aderlasses in dieser Transferperiode noch immer in dieser Spielklasse mithalten kann und bereitete den Gästen mit hohem sowie aggressivem Pressing immer wieder Probleme.

Trotzdem hat Dynamo natürlich die Favoritenrolle inne und müsste die Begegnung alleine schon aufgrund der deutlich höheren individuellen Klasse und der lautstarken Fans im Rudolf-Harbig-Stadion für sich entscheiden.

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Doch die Dresdner brauchen auch gegen Verl eine konzentrierte Leistung, denn der SC spielt mutig nach vorne, verfügt über eine junge, hungrige und gut ausgebildete Mannschaft, der es allerdings an Erfahrung mangelt und die sich auch deshalb einige Schnitzer in der Defensive leistet.

Denn ganz ausbalanciert ist das Spiel des SCV noch nicht. Das könnten gerade Dribbelkünstler wie Dennis Borkowski (20) und Christian Conteh (22) für sich nutzen und die Sturmbrecher Manuel Schäffler (33) und/oder Stefan Kutschke (33) in Szene setzen, die der gegnerischen Defensive einige Probleme bereiten könnten.

TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl beschäftigt sich in seiner wöchentlichen Kolumne dieses Mal unter anderem mit der sportlichen Lage beim FC Erzgebirge Aue und bei Dynamo Dresden.
TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl beschäftigt sich in seiner wöchentlichen Kolumne dieses Mal unter anderem mit der sportlichen Lage beim FC Erzgebirge Aue und bei Dynamo Dresden.  © PICTURE POINT/Sven Sonntag/Hendrik Schmidt/dpa/ZB

FC Erzgebirge Aue muss nun beim SV Waldhof Mannheim antreten

Stotterstart: Der FC Erzgebirge Aue wartet auch nach dem dritten Pflichtspiel der neuen Saison noch auf den ersten Sieg.
Stotterstart: Der FC Erzgebirge Aue wartet auch nach dem dritten Pflichtspiel der neuen Saison noch auf den ersten Sieg.  © picture point/Sven Sonntag

Wieder nur ein Unentschieden! Der FC Erzgebirge Aue hat auch im zweiten Drittliga-Spiel der noch jungen Saison eine Führung nicht über die Zeit bringen können.

Nach dem 1:1 beim SC Freiburg II hieß es auch gegen den deutlich stärker einzuschätzenden VfL Osnabrück nur 1:1, obwohl die Veilchen beide Male vorne lagen.

Doch so richtig eingespielt wirkt der FCE gerade in der Offensive noch nicht. Schließlich ist mit Dmitri Nazarov (32), Elias Huth (25), Marvin Stefaniak (27), Paul-Philipp Besong (21), Lenn Jastremski (21), Boris Tashchy (29), Jann George (29), Tim Danhof (25) und Ivan Knezevic (29) deutlich mehr möglich, als nur zwei Tore in drei Pflichtspielen.

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Trainer Timo Rost (43) muss hier bald seine optimale Formation finden, damit Aue nicht mehr so oft wechseln muss und die Automatismen langsam greifen. Schließlich warten in der Englischen Woche mit dem exzellent besetzten SV Waldhof (Mittwoch,19 Uhr) und dem soliden Team vom SV Wehen Wiesbaden (Sonntag, 14 Uhr) gleich zwei gute Gegner auf die Veilchen.

Die sollten so langsam in die Spur finden, was in Mannheim allerdings alles andere als leicht wird ...

Regionalliga-Nordost-Highlight zwischen dem Berliner Athletik Klub 07 und dem Greifswalder FC

Tom Weilandt (30) ist der Königstransfer des Greifswalder FC. Gegen den BAK deutete der Kapitän seiner Mannschaft seine Stärken – Technik, enge Ballführung, großartiges Spielverständnis, Übersicht, Passgenauigkeit – an, konnte sie aber noch nicht entscheidend auf den Platz bringen.
Tom Weilandt (30) ist der Königstransfer des Greifswalder FC. Gegen den BAK deutete der Kapitän seiner Mannschaft seine Stärken – Technik, enge Ballführung, großartiges Spielverständnis, Übersicht, Passgenauigkeit – an, konnte sie aber noch nicht entscheidend auf den Platz bringen.  © Stefan Bröhl
Der aufmerksame und vielbeschäftigte BAK-Rechtsverteidiger Michael Olczyk (v.-r.) klärt hier vor GFC-Kapitän Tom Weilandt (30, v.-l.).
Der aufmerksame und vielbeschäftigte BAK-Rechtsverteidiger Michael Olczyk (v.-r.) klärt hier vor GFC-Kapitän Tom Weilandt (30, v.-l.).  © Stefan Bröhl
GFC-Trainer Danny König (47, l.) Teamchef Roland Kroos (62, M.) und Assistenzcoach Velimir Jovanovic (34) mussten zum Auftakt eine 0:2-Niederlage beim BAK hinnehmen.
GFC-Trainer Danny König (47, l.) Teamchef Roland Kroos (62, M.) und Assistenzcoach Velimir Jovanovic (34) mussten zum Auftakt eine 0:2-Niederlage beim BAK hinnehmen.  © Stefan Bröhl

Ein spannendes Spiel stieg am Sonntag auch im Poststadion in Berlin-Moabit. Der Greifswalder FC war nach dem Aufstieg in die Regionalliga Nordost beim Berliner Athletik Klub 07 zu Gast. Dabei ist der GFC kein gewöhnlicher Neuling, sondern hat sich kräftig verstärkt.

Grund genug, mich erstmals als Fotograf für ein Fußballspiel zu akkreditieren, was angenehm unkompliziert möglich war. Auch vor Ort lief alles reibungslos ab.

Einmal den Presseausweis vorgezeigt, das gelbe Bändchen ums Handgelenk angelegt, dazu die Aufstellung in die Hand gedrückt bekommen und schon ging es bei bestem Fußballwetter raus ans Spielfeld.

Leider fehlten beim BAK mit dem ehemaligen jamaikanischen Nationalstürmer Michael Seaton (26), den japanischen Zugängen Rintaro Yajima (29), Shinji Yamada (28) und vor allem allen Innenverteidigern um den verletzten Shawn Kauter (26), Oliver Oschkenat (28), Julian Klahr (21) sowie Tim Seifert (20) einige Stützen.

Beim GFC waren hingegen Guido Kocer (33), Robert Müller (35) und Artis Lazdins (36) nicht am Start. Trotzdem ging der Aufsteiger leicht favorisiert ins Rennen. Immerhin spielte in der Offensive der wohl namhafteste Neuzugang aller Regionalligisten im Nordosten: Der 175-malige Zweitliga-Spieler Tom Weilandt (30) führte die Ostseestädter als Kapitän aufs Feld. Er bildete auf der linken Seite ein gutes Pärchen mit dem einst großen Dortmunder Talent Jannik Bandowski (28), doch die fehlende Spielpraxis war Weilandt phasenweise anzumerken.

Gute Chancen wie diesen Flugkopfball von Fatlind Memaj (23, v.-r.) ließ der GFC allesamt aus.
Gute Chancen wie diesen Flugkopfball von Fatlind Memaj (23, v.-r.) ließ der GFC allesamt aus.  © Stefan Bröhl
Ben Meyer (23, v.), jüngerer Bruder von HFC-Coach Andre (37, nicht im Foto) und RB-U19-Trainer Daniel (42, nicht im Foto), führte den BAK gegen den GFC als Kapitän aufs Feld und trat auch die Ecken – mit mäßigem Erfolg. Nach dem dritten schwachen Versuch schimpfte er lautstark mit sich selbst: "Was sind denn das für Bälle, ey?!" Er wird die fehlende Präzision seiner Standards nach dem Sieg sicher verschmerzen können.
Ben Meyer (23, v.), jüngerer Bruder von HFC-Coach Andre (37, nicht im Foto) und RB-U19-Trainer Daniel (42, nicht im Foto), führte den BAK gegen den GFC als Kapitän aufs Feld und trat auch die Ecken – mit mäßigem Erfolg. Nach dem dritten schwachen Versuch schimpfte er lautstark mit sich selbst: "Was sind denn das für Bälle, ey?!" Er wird die fehlende Präzision seiner Standards nach dem Sieg sicher verschmerzen können.  © Stefan Bröhl

Berliner Athletik Klub 07 überrascht den Greifswalder FC mit Reife und Klasse

Matti Kamenz (29, 2.v.l. und r.) kam vom FSV Zwickau zum GFC und hat sich den Stammplatz zwischen den Pfosten erkämpft. Er zeigte einige Paraden, spielte gut mit dem Fuß mit und fing immer wieder Hereingaben ab. Bei den Gegentreffern war er machtlos.
Matti Kamenz (29, 2.v.l. und r.) kam vom FSV Zwickau zum GFC und hat sich den Stammplatz zwischen den Pfosten erkämpft. Er zeigte einige Paraden, spielte gut mit dem Fuß mit und fing immer wieder Hereingaben ab. Bei den Gegentreffern war er machtlos.  © Stefan Bröhl

Auf der anderen Seite stürmte Daniel Eidtner (22), im Angriffszentrum war Abu Bakarr Kargbo (29) gesetzt, der ausgerechnet vom BAK nach Greifswald gewechselt war. Im Tor stand der vom FSV Zwickau verpflichtete Matti Kamenz (29). Viel Klasse für einen Aufsteiger.

Das deutete er immer wieder an, aber eben nicht konstant, was auch daran gelegen haben dürfte, dass die Athleten ihren Gegner nach dem Umbruch im Sommer überraschten.

Denn die Innenverteidigung bildeten der frühere Magdeburger Offensivwirbler Tarek Chahed (26) und der sonstige Linksverteidiger bzw. linke Mittelfeldmann Kwabe Schulz (23), die einen richtig guten Job machten, exzellent harmonierten und Kargbo bis auf ganz seltene Ausnahmen komplett aus dem Spiel nahmen.

Zwar hatte der frühere deutsche U17-Europameister einige Chancen, ließ diese aber aus, weshalb er von seinem neuen Coach Danny König (47) und Teamchef Roland Kroos (62), Vater von Toni (32) und Felix (31), in der 74. Minute ausgewechselt wurde. Ein glückloser Auftritt des langjährigen Regionalliga-Torjägers.

Das galt bis auf seltene Ausnahmen allerdings auch für seine Teamkollegen. Zwar blitzten ihre Qualitäten teilweise auf, doch sie konnten den BAK nur gegen Ende der ersten sowie zu Beginn der zweiten Halbzeit richtig unter Druck setzen und sich gute Chancen erspielen. Davon abgesehen agierte die weitgehend junge Athleten-Truppe erstaunlich reif und abgezockt.

Der frühere deutsche U17-Europameister und spätere Nationalstürmer von Sierra Leone, Abu Bakarr Kargbo (29, 2.v.r. und v.-r.), wechselte im Sommer vom BAK zum GFC, weshalb seine Rückkehr mit Spannung erwartet wurde. Er wurde an alter Wirkungsstätte fast durchweg aus dem Spiel genommen, hatte aber – wie fast immer – seine Chancen, die er jedoch alle ausließ. Dementsprechend enttäuscht verließ er den Platz bei seiner Auswechslung (r.).
Der frühere deutsche U17-Europameister und spätere Nationalstürmer von Sierra Leone, Abu Bakarr Kargbo (29, 2.v.r. und v.-r.), wechselte im Sommer vom BAK zum GFC, weshalb seine Rückkehr mit Spannung erwartet wurde. Er wurde an alter Wirkungsstätte fast durchweg aus dem Spiel genommen, hatte aber – wie fast immer – seine Chancen, die er jedoch alle ausließ. Dementsprechend enttäuscht verließ er den Platz bei seiner Auswechslung (r.).  © Stefan Bröhl
Pascal Schmedemann (22, v.) konnte es nicht fassen! Er hatte per Kopf für Abu Bakarr Kargbo (29, am Boden liegend, r.) quergelegt, doch der Angreifer brachte die Kugel aus Nahdistanz nicht im Kasten unter.
Pascal Schmedemann (22, v.) konnte es nicht fassen! Er hatte per Kopf für Abu Bakarr Kargbo (29, am Boden liegend, r.) quergelegt, doch der Angreifer brachte die Kugel aus Nahdistanz nicht im Kasten unter.  © Stefan Bröhl

Benjamin Duda coacht Roland Kroos und Danny König mit Abwehr-Schachzug aus

BAK-Trainer Benjamin Duda (34, v.) hat den GFC mit seiner taktischen Marschroute auch ein wenig ausgecoacht.
BAK-Trainer Benjamin Duda (34, v.) hat den GFC mit seiner taktischen Marschroute auch ein wenig ausgecoacht.  © Stefan Bröhl

Die Hausherren standen vor 627 Fans kompakt, ließen den Ball auch mal entspannt durch die eigenen Reihen laufen und erspielten sich dank ihrer Geschwindigkeit immer wieder gute Möglichkeiten.

Eine davon nutzte der überragende Joel Richter (23). Der frühere deutsche Junioren-Nationalspieler tauchte frei vor Kamenz auf, der aus seinem Tor gerannt kam, vom sehr guten Techniker aber überlupft wurde - 1:0 für den BAK (35. Minute).

Im zweiten Abschnitt setzte die Heimelf dann noch einen drauf. Patrick Sussek flankte butterweich von rechts in die Mitte und fand am ersten Pfosten den kurz zuvor eingewechselten Jamal Rogero (19). Der aus der U19 der Athleten hochgezogene Angreifer köpfte für Kamenz unhaltbar aus Nahdistanz zum 2:0 ein (68.).

Anschließend kamen die Gastgeber zu weiteren Möglichkeiten, weil die GFC-Defensive um die Neuzugänge Pascal Schmedemann (22), Aleksandar Bilbija (24) sowie den früheren Dresdner Jugendspieler Rudolf Sanin (22) nicht immer sattelfest wirkte. Hier fehlte erkennbar ein erfahrener Leader.

Zwar konnten die Athleten ihre weiteren Gelegenheiten nicht nutzen, doch der Schachzug von Coach Benjamin Duda (34), Chahed und Schulz zentral verteidigen zu lassen, ging voll auf. Beide waren zweikampfstark, passsicher und ließen nicht erkennen, dass sie überhaupt nicht auf ihren angestammten Positionen agierten. In dieser Form dürfte der Moabiter Verein noch vielen anderen Gegnern gefährlich werden.

Kwabe Schulz (23, v.) und Tarek Chahed (26, 2.v.r.) sind beides keine gelernten Innenverteidiger, harmonierten als Abwehrduo aber sehr gut.
Kwabe Schulz (23, v.) und Tarek Chahed (26, 2.v.r.) sind beides keine gelernten Innenverteidiger, harmonierten als Abwehrduo aber sehr gut.  © Stefan Bröhl
Joel Richter (23, v.-l.) würde einigen Drittligisten gut zu Gesicht stehen. Der Unterschiedsspieler des BAK erzielte das 1:0 auf großartige Weise. Obwohl GFC-Linksverteidiger Jannik Bandowski (28, v.-r.) einst für Borussia Dortmund im Champions-League-Kader von Jürgen Klopp (55, nicht im Foto) stand und Zweitliga-Erfahrung mitbringt, hatte er mit dem ehemaligen deutschen U19-Nationalspieler teilweise extreme Probleme.
Joel Richter (23, v.-l.) würde einigen Drittligisten gut zu Gesicht stehen. Der Unterschiedsspieler des BAK erzielte das 1:0 auf großartige Weise. Obwohl GFC-Linksverteidiger Jannik Bandowski (28, v.-r.) einst für Borussia Dortmund im Champions-League-Kader von Jürgen Klopp (55, nicht im Foto) stand und Zweitliga-Erfahrung mitbringt, hatte er mit dem ehemaligen deutschen U19-Nationalspieler teilweise extreme Probleme.  © Stefan Bröhl

Der GFC muss die letztlich verdiente Niederlage hingegen abschütteln, daraus lernen, in den nächsten Partien klüger agieren, sich als Mannschaft weiter finden und die individuelle Klasse besser auf den Platz bringen. Dann ist auch für Greifwald einiges möglich, denn das Team enttäuschte in Berlin keinesfalls, traf aber auf einen starken Konkurrenten, bei dem man auswärts zum Auftakt wahrlich mal verlieren kann.

Titelfoto: PICTURE POINT/Sven Sonntag/Hendrik Schmidt/dpa/ZB

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