DSC nach Horror-Reise in Dresden angekommen! Waibl: "Mädels haben es überragend angenommen!"

München/Dresden - Wie viel Pech kann eine Sportmannschaft eigentlich haben? Die Rückreise der Volleyballerinnen des Dresdner SC vom CEV-Cup-Spiel in Italien entwickelte sich zum Horror-Trip.

Der DSC gestrandet am Münchner Flughafen: Selbst Jennifer Janiska (28), die jahrelang mit dem Nationalteam um die Welt reiste, hat das noch nicht erlebt.
Der DSC gestrandet am Münchner Flughafen: Selbst Jennifer Janiska (28), die jahrelang mit dem Nationalteam um die Welt reiste, hat das noch nicht erlebt.  © Screenshot/Instagram/lnda_bck/jjaniska_6

Als sich das Team von Trainer Alexander Waibl (54) am Mittwochabend nach hartem Kampf mit 1:3 bei Busto Arsizio geschlagen geben musste, ahnte noch keiner, dass es für den Reisetross noch viel dicker kommen würde.

Denn knapp 24 Stunden nach Spielende strandete die Mannschaft auf dem Münchner Flughafen. Unglaublich: Die Frauen, Staff und Trainerteam mussten die gesamte Nacht auf dem Airport schlafen!

"Ich habe schon vieles erlebt, aber so eine Situation ist sehr speziell. Die Mädels haben es aber überragend angenommen. Wir müssen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen", meinte Waibl am Freitag auf der Busfahrt nach Hause.

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Wie kam es zum Reisechaos? Am Donnerstagvormittag posteten die Spielerinnen noch gut gelaunt Weihnachtsfotos vom Flughafen Mailand-Malpensa auf Instagram. Wenige Stunden später war ihnen das Lachen vergangen. Denn der Flug LH1855 nach München, durchgeführt von Air Dolomiti, hob mit sagenhaften viereinhalb Stunden Verspätung in Italien ab.

Grund: Schneefall. Die Mannschaft verpasste den Anschlussflug nach Dresden. Mit viel Mühe konnte das Team auf die letzte Lufthansa-Maschine am Abend umgebucht werden. Flug LH2130 hätte um 23.15 Uhr in Klotzsche aufsetzen sollen.

Dresdner SC auf der Rückreise aus Italien: Ein Bus holte das Team am Freitagmorgen ab

Schon am Mittwoch startete das Chaos am Münchner Flughafen aufgrund des Wetters.
Schon am Mittwoch startete das Chaos am Münchner Flughafen aufgrund des Wetters.  © IMAGO / Smith

Doch die Wetterbedingungen wurden immer schlechter, zum Schneefall gesellte sich nun auch noch Eisregen. Gegen 22.30 Uhr war klar: Der DSC ist in München gestrandet, der letzte Flieger in die Heimat gestrichen.

Da alle bis zuletzt darauf gehofft hatten, doch noch fliegen zu können, waren am Ende natürlich alle Hotels ausgebucht. Tausende gestrandete Passagiere hatten sich bereits eine Bleibe für die Nacht gesucht, denn seit Stunden herrschte eine Absagenflut an innerdeutschen Flügen.

Auch für Freitag wurden viele Verbindungen innerhalb des Landes bereits gestrichen, auch die nach Berlin, Leipzig oder eben Dresden. Weitere Flüge waren ausgebucht. Also kontaktiere der Klub Sponsor IdealTours, der kurz vor Mitternacht tatsächlich nach einem fahrfähigen Mitarbeiter suchte und fündig wurde. So schickte das Unternehmen einen Bus los, um Kapitänin Jennifer Janiska (28) und Co. am Flughafen abzuholen.

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Ihren Humor haben sie alle trotzdem nicht verloren. Angreiferin Agnes Pallag (29) legte sich auf die Armlehne der Rolltreppe, Waibl verteilte Kissen und Decken sowie Wasser an alle. Manche wollten schlafen, die anderen lasen oder wollten am Handy sein.

DSC steht ohne Gepäck da und muss nach Mini-Zwischenstopp nach Schwerin

Trainer Alexander Waibl (54) kann nur hoffen, dass alle Spielerinnen nach den Strapazen und dem Spiel in Schwerin am Samstagabend wieder gesund im Bus sitzen.
Trainer Alexander Waibl (54) kann nur hoffen, dass alle Spielerinnen nach den Strapazen und dem Spiel in Schwerin am Samstagabend wieder gesund im Bus sitzen.  © Lutz Hentschel

Großes Problem: Bereits am Samstag um 18 Uhr muss die Mannschaft zum Top-Duell beim SSC Palmberg Schwerin auf dem Parkett stehen. Die Statuten lassen keine Verlegung des Spiels zu, da der DSC nach den Regularien noch genug Anreisezeit hat. Zudem wird die Partie live auf Sport1 im Free-TV übertragen.

Um 6.15 Uhr am Freitagmorgen saß die Mannschaft geschlossen im Bus. Doch auch die Heimfahrt läuft nicht reibungslos. Aufgrund eines Unfalls auf der A72 bei Hof stand das Team eine Stunde im Stau, musste dann aufgrund der Lenkzeiten des Busfahrers eine Pause einlegen.

Gegen 13.30 Uhr traf das Team an der Margon Arena ein, 15.15 Uhr geht es weiter nach Schwerin. Dort wird die Ankunft dann gegen 22 Uhr erwartet. Zuvor fahren alle kurz nach Hause zum Sachen wechseln.

Denn noch mehr Pech kann man nicht haben: Das Gepäck konnte das Team in München nicht abholen, weil es bis Dresden durchgecheckt ist und irgendwann am späten Freitag oder Samstag dann in der sächsischen Landeshauptstadt ankommt. Wenn überhaupt, denn das Gepäcksystem in München ist völlig überlastet.

Tolle Geste: Scout Christian Knospe aus Lüneburg hilft dem DSC in Schwerin

Darunter befindet sich nicht nur wichtiges Scoutingmaterial, sondern sind auch Utensilien der Physioabteilung, Stretchingbänder und natürlich persönliche Dinge verpackt.

Auch die Spielkleidung der Mannschaft steckt in den Taschen, da diese nur auf der Hinreise im Handgepäck mitgeführt werden muss. Somit fehlen auch Schuhe und Knieschoner, doch davon haben die Spielerinnen weitere Modelle. Allerdings mangelt es an offizieller Kleidung wie Trainingsanzügen.

Tolle Unterstützung erhält der DSC von einem gebürtigen Leipziger. Christian Knospe (32) ist Scout bei Männer-Bundesligist SVG Lüneburg. Er wird nach Schwerin reisen, Technik zur Verfügung stellen und aufbauen. Er ist im Damen-Volleyball kein Unbekannter, scoutete schon in diversen Nachwuchsteam des Deutschen Volleyball-Verbandes. Und er half beim Supercup 2020 in Dresden ausgerechnet Schwerin, als sich deren Scout den Arm gebrochen hatte. Der SSC gewann den Titel damals durch einen klaren 3:0-Sieg über den DSC.

Sportlich hat diese Partie am Samstag unter diesen Umständen überhaupt keinen Wert mehr. Das Wichtigste ist, dass sich keine Spielerin bei diesen Strapazen am Ende noch verletzt. "Es geht nur über Kampf und Willen. Morgen ist ein neuer Tag und wir werden sehen, wie viel Kraft noch übrig sein wird", so der Coach vor der Reise nach Schwerin.

Originalmeldung vom 16.12.2022, 0.20 Uhr, aktualisiert am 16.12.2022 um 14.40 Uhr.

Titelfoto: Bildmontage: IMAGO/Smith; Lutz Hentschel; Screenshot/Instagram/lnda_bck

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