Schreckmoment für deutschen Biathlon-Star: Plötzlich ist seine Waffe weg
Tallinn (Estland) - Da ist ihm ordentlich der Schreck in die Glieder gefahren: Deutschlands Biathlon-Star Justus Strelow (29) war auf dem Weg zum Weltcup nach Otepää, als plötzlich seine Waffe und auch die gesamte Kleidung weg waren.
Dabei begann der Montagmorgen für den Hermsdorfer ganz normal. Der Bronzemedaillen-Gewinner in der Mixed-Staffel bei den Olympischen Winterspielen hatte sich schon 3.45 Uhr auf den Weg nach München gemacht. Von dort aus sollte er über Kopenhagen nach Tallinn fliegen, später noch drei Stunden mit dem Bus nach Otepää reisen.
Alles verlief reibungslos, doch am Gepäckband in Estland kam das böse Erwachen: Sporttasche und Gewehr waren weg! "Am Gepäckband musste ich feststellen, dass meine Sporttasche den Anschlussflug verpasst hatte. Und noch viel gravierender: Am Sperrgepäckschalter des Flughafens konnte ich auch meinen Waffenkoffer nicht in Empfang nehmen. Dieser war ebenfalls in Kopenhagen stecken geblieben", schrieb Justus Strelow in seiner Kolumne bei Sport.de.
Da seine Waffe aus Sicherheitsgründen nicht nachgeliefert werden durfte, musste der Biathlet unerwartet eine Nacht in Tallinn bleiben.
Biathlon: Justus Strelow joggt sich in Tallinn den Frust aus den Knochen
Um den ganzen Stress zu verarbeiten, ging der Deutsche kurzerhand auf Shoppingtour in einem nahe gelegenen Einkaufszentrum und stattete sich mit einem Jogging-Outfit aus.
Anschließend betrieb er Sightseeing der anderen Art und lief sich eine Stunde lang den Frust quer durch die estnische Hauptstadt aus den Beinen. Am Dienstag konnte er dann seine Waffe und auch seine Sachen in Empfang nehmen, machte sich auf die Reise nach Otepää.
Dass er beim vorletzten Weltcup der Saison überhaupt schon antreten kann, überraschte Justus Strelow selbst, denn auf einer heimischen Fahrradtour war er unglücklich gestützt und hatte sich den kleinen Finger gebrochen.
"Die Wettkämpfe der Kollegen am Fernseher verfolgen zu müssen, war eine eingehende Erfahrung: Eilt man während der Saison von Rennen zu Rennen, ist man im eigenen Tun verhaftet. Als TV-Sportler aber wurde mir in meiner Zwangspause am Wochenende erst wieder bewusst, wie sehr ich für das Leben als Athlet brenne. Wie sehr ich es liebe, Biathlon-Rennen zu bestreiten", blickt er auf seine Couch-Pause zurück.
Bereits am heutigen Donnerstag geht der gebürtige Sachse mit der Startnummer 40 ins Sprint-Rennen. Die Vorbereitung und das Handicap des Fingers sind keine idealen Voraussetzungen, dennoch strebt der 29-Jährige nach einem guten Ergebnis.
Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa
