Umgang mit deutscher Doping-Sünderin regt Ex-Bundestrainer auf
Oberhof - Sie war eigentlich DIE Medaillenhoffnung der deutschen Skilangläuferinnen bei den Olympischen Spielen, doch im März 2025 wurde Victoria Carl (30) positiv auf das verbotene Mittel Clenbuterol getestet. Seither ist die Thüringerin gesperrt - doch noch immer weiß niemand, wie lange eigentlich noch.
Knapp zehn Monate ist der Vorfall bei den Militär-Weltmeisterschaften, als ein Arzt Carl wohl den falschen Hustensaft mit der verbotenen Substanz verschrieben hatte, inzwischen her, Klarheit über die Strafe herrscht allerdings nirgends. Ein Urteil seitens des Deutschen Sportschiedsgerichts steht noch aus.
Der ehemalige Langlauf-Bundestrainer und heutige TV-Experte Jochen Behle (65) hat dafür überhaupt kein Verständnis. Er könne "überhaupt nicht nachvollziehen", dass Carl noch immer nicht über die Dauer ihrer Sperre Bescheid wisse, sagte er dem Sport-Informations-Dienst (SID).
"Das Delikt liegt klar und deutlich vor, es gibt ja gar keine Strittigkeiten in irgendeiner Form. Es geht jetzt eigentlich nur um die Urteilsfindung und darum, wie lange sie gesperrt wird", erklärte Behle.
Carl verpasste nicht nur alle Weltcuprennen in dieser Saison und muss die Olympischen Spiele aussitzen, sondern darf auch nicht mit dem Team trainieren. Besonders mental sei das eine große Hürde, sagte der Eurosport-Experte.
"Wenn eine es hinkriegt, so lange alleine zu trainieren, dann die Vici. Die kann sich motivieren", betonte Behle: "Aber du musst auch irgendwo ein Ziel sehen. Du musst ja irgendwo einen Punkt haben, wo ich sage, ja, ab da kann ich wieder definitiv losmarschieren, und da muss man mal eine Entscheidung treffen."
Skilanglauf: Jochen Behle rechnet mit 18 Monaten Sperre für Victoria Carl
Der 65-Jährige rechnet mit einer Strafe von 18 Monaten für Carl wie im vergleichbaren Fall der Norwegerin Therese Johaug (37), die vor zehn Jahren ebenfalls nach einem ärztlich verschrieben Produkt positiv getestet worden war. Möglich sind bei Doping-Vergehen allerdings bis zu vier Jahre Sperre.
Davon geht Behle aber nicht aus, spricht davon, dass es "megahart" wäre, sollte Carl die WM 2027 verpassen.
Die 30-Jährige hatte 2022 überraschend den olympischen Team-Sprint mit Katharina Henning gewonnen, dazu kam die Silbermedaille mit der Staffel.
In den darauffolgenden Jahren gewann sie zudem zwei WM-Medaillen, stand mehrfach auf dem Weltcup-Podium und wurde 2025 Zweite im Gesamtweltcup - bis der positive Dopingtest ihre Karriere jäh unterbrach.
Titelfoto: Bildmontage: Hendrik Schmidt/dpa, PATRIK STOLLARZ / AFP

