Die Mortal Shell Enhanced Edition im Test: Was kann das Soulslike auf Next-Gen?

Leipzig - Immer, wenn eine neue Konsolengeneration an den Start geht, bekommen viele Last-Gen-Titel mit einem Update noch einmal eine Frischzellenkur spendiert. Das kleine Soulslike Mortal Shell von Entwickler Cold Symmetry bildet dabei mit der sogenannten Enhanced Edition keine Ausnahme. Ob sich der Ausflug in die düstere Fantasy-Welt aber tatsächlich auch auf Next-Gen lohnt, erfahrt Ihr im Test.

Ohne Hülle ist man den Widersachern fast wehrlos ausgesetzt. Ein weiterer Treffer genügt und man darf den Levelabschnitt nochmal von vorn starten.
Ohne Hülle ist man den Widersachern fast wehrlos ausgesetzt. Ein weiterer Treffer genügt und man darf den Levelabschnitt nochmal von vorn starten.  © Cold Symmetry/Playstack

Hachja, Mortal Shell hatte bei mir im vergangenen Jahr wahrlich keinen leichten Stand. Unmittelbar, nachdem ich Nioh 2 und Demon's Souls beendet hatte, stand das kleine Soulslike quasi im Schatten seiner Vorbilder auf meiner Liste.

Dafür stellte es sich auf den ersten Blick aber ziemlich gut an. Der Clou, dass der Protagonist wahlweise in eine von vier Hüllen wechseln kann, die unterschiedliche Fähigkeiten liefern, hat mich direkt abgeholt und brachte einen neuen Ansatz in das Soulslike-Genre.

Einmal gestorben, hat man die Möglichkeit, in die Hülle zurückzukehren und sich sozusagen mit einem zweiten Leben erneut den zahlreichen Widersachern zu stellen, bevor endgültig die Lichter ausgehen.

Auch das Item-System brachte Frische ins Genre: Bevor man gefundene Nahrung oder andere Verbrauchsgüter nicht wenigstens einmal benutzt hat, wird nicht ersichtlich, welchen Effekt sie überhaupt erzielen.

Manche Gegenstände wechselten sogar nach mehrmaliger Benutzung ihren Effekt: Ein Pilz, der nach erstmaligem Verzehr noch vergiftete, schützte in der Folge beispielsweise vor einer toxischen Wirkung. Das regte dazu an, gefundene Sachen tatsächlich auch zu benutzen und nicht wie in anderen Vertretern des Genres, teilweise im Inventar vergammeln zu lassen.

Die Geschichte wird soulslike-typisch kryptisch erzählt, hatte aber, gepaart mit der dunklen Fantasywelt und dem Design des Spiels einen gewissen Charme. Die Grundvoraussetzung für einen soliden Ableger waren also gegeben, oder?

Der Vergleich als Genickbruch

Die wenigen Bosskämpfe stellen wie so oft die Highlights des Spiels dar. Gerade aber die Eredrim-Hülle ist absolut überpowert.
Die wenigen Bosskämpfe stellen wie so oft die Highlights des Spiels dar. Gerade aber die Eredrim-Hülle ist absolut überpowert.  © Cold Symmetry/Playstack

Was dem Spiel in meinen Augen am meisten wehtut, ist der unweigerliche Vergleich mit seinen großen Vorbildern.

Nimmt man sich zum Beispiel die Kämpfe zur Brust, wirken diese im Gegensatz zu einem Nioh sperrig und ungelenk. Schläge lassen sich parieren, ausweichen geht per Rolle und mit dem sogenannten Verhärten-Feature wird der Spieler für kurze Zeit unverwundbar.

Dennoch fehlt es an Variabilität. Zauber, Wurfwaffen oder ähnliches sind Fehlanzeige. Die Charakterentwicklung der einzelnen Hüllen ist ebenfalls stark limitiert, sodass manche Fähigkeiten sich als relativ zwecklos darstellen. Auch das hat man in einem Sekiro oder Bloodborne schon viel besser gesehen.

Die gelobte Fantasywelt ist auf den zweiten Blick zudem ziemlich leer und trist. Gerade im zentralen Sumpfgebiet kann man sich öfter mal verlaufen, weil viele Stellen exakt gleich aussehen und Mortal Shell leider kaum einen Grund bietet, einzelne Nischen genauer zu untersuchen. Nimmt man als Vergleich das kürzlich erschiene Demon's Souls Remake, kann sich Cold Symmetrys Vertreter nur neidisch in die Ecke stellen.

Mehr noch: Schlauchartige Rohrpassagen, die als Verbindungsstücke zwischen einzelnen Abschnitten dienen, treiben die Geduld mancher Spieler zur Weißglut, sodass es besonders in den Anfangsstunden schwer fallen dürfte, dranzubleiben.

Gelungener Sprung auf Next-Gen

Im Sumpfgebiet begegnet Ihr immer wieder den gleichen stumpfsinnigen Gegnern. Irgendwann rennt man genervt einfach an ihnen vorbei.
Im Sumpfgebiet begegnet Ihr immer wieder den gleichen stumpfsinnigen Gegnern. Irgendwann rennt man genervt einfach an ihnen vorbei.  © Cold Symmetry/Playstack

Auf den neuen Konsolen hat sich daran nicht viel geändert. Sofort fällt allerdings auf, dass an der Grafik ordentlich gedreht wurde.

Kanten wurden geglättet, die Farben wirken natürlicher und auch die Framerate profitiert von der neuen Leistungspower.

Zudem wurde das immersive Feedback des DualSense-Controllers der PS5 perfekt ins Spielerlebnis integriert. Bei Attacken oder dem Wandel in die Verhärten-Form fühlen sich ausgeteilte beziehungsweise eingesteckte Schläge extrem gut in der Hand an. Ein Feature, von dem das Spiel wirklich profitiert.

Noch ein Pluspunkt: Wer Mortal Shell bereits auf PS4 oder Xbox One besitzt, kann kostenlos auf die Enhanced Edition upgraden. Ansonsten wird für Neueinsteiger der Launch-Preis von 30 Euro für den Titel fällig.

Zudem soll bald noch eine physische Deluxe-Edition auf den Markt kommen, die ein 140-seitiges Artbook mit nie gezeigter Concept Art und Illustrationen beinhalten soll. Dafür sind dann allerdings auch 40 Euro fällig.

Fazit zu Mortal Shell: Enhanced Edition

Mortal Shell ist definitiv kein schlechtes Spiel und bringt mit dem Hüllen-Feature eine frische Komponente in das Genre. Die Enhanced Edition auf Next-Gen bietet neben besserer Grafik auf der Playstation 5 auch noch die optimale Einbindung des DualSense-Controllers, die das Spielerlebnis in meinen Augen deutlich verbessert.

Trotzdem hat Mortal Shell bei mir einen sehr schweren Stand. Die Vergleiche mit seinen großen Genre-Vorbildern verliert das Spiel allesamt. Gerade die Spielwelt mit seinem mystischen Fantasy-Setting bietet viel Potenzial, verschenkt dieses aber durch Eintönigkeit und teils erschreckender Leere. Auch die wenig dynamischen Kämpfe mit ihren begrenzten Möglichkeiten haben mich irgendwann so sehr genervt, dass ich an den meisten Gegnern nur noch vorbeigerannt bin.

Man hat als erfahrener Spieler des Genres einfach immer das Gefühl, alles schon einmal in besser gesehen zu haben. Dieser Umstand bricht dem Spiel in meinen Augen am Ende das Genick. Wer allerdings einen nicht allzu schweren Einstieg in einen Soulslike-Vertreter sucht, der kann mit dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis des Spiels ruhig mal einen Blick wagen.

Titelfoto: Cold Symmetry/Playstack

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