Marathon macht unglaublich viel Spaß! Schade, dass Ihr es wahrscheinlich nicht zocken werdet

Leipzig - Oh Mann, was für ein Schlamassel! Nach neun Jahren seit dem Release von "Destiny 2" bringen die Entwickler-Legenden von Bungie endlich ein neues Spiel raus, doch statt zu begeistern, polarisiert "Marathon" derzeit wie kein anderer Titel. Die einen reden von Trend-Hascherei, die anderen sehen einen gelungenen Extraction-Shooter. Aber was steckt nun wirklich in "Marathon"? TAG24 hat es sich angeschaut.

Neun Jahre nach "Destiny 2" hat Bungie mit "Marathon" einen Extraction-Shooter rausgebracht. Allein oder mit bis zu zwei Mitstreitern erkundet Ihr darin die gefährliche Welt von Tau Ceti.
Neun Jahre nach "Destiny 2" hat Bungie mit "Marathon" einen Extraction-Shooter rausgebracht. Allein oder mit bis zu zwei Mitstreitern erkundet Ihr darin die gefährliche Welt von Tau Ceti.  © Bungie

Zugegeben, die Ausgangslage für Bungies neuesten Shooter könnte kaum schlechter sein. Das Studio gebeutelt von Entlassungswellen, der Chefentwickler wegen Fehlverhaltens gegenüber Mitarbeiterinnen rausgeworfen und die Spielerschaft des bisherigen Zugpferdes "Destiny" vergrault, weil der Fokus mehr und mehr zu "Marathon" wanderte.

Als ob all das nicht genug wäre, kam wenige Monate vor dem eigentlich geplanten Release im September 2025 auch noch ein Plagiatsstreit hinzu, weil Bungie Werke im Spiel verwendet hatte, ohne deren Künstler zu bezahlen. "Marathon" wurde verschoben und musste noch einmal auf die Werkbank. Kritik und Häme für den Fehlstart ließen nicht lange auf sich warten.

Es war bereits von einem weiteren "Concord"-Desaster die Rede und manch einer scheint sich das auch heute noch zu wünschen.

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Seit etwa einer Woche ist "Marathon" nun erhältlich und wir können die gefährliche Welt von Tau Ceti IV erkunden.

Je länger Ihr spielt, umso besser wird "Marathon"

Ihr schlüpft dabei in eine von sieben "Shells". Diese repräsentieren die verschiedenen Klassen in "Marathon". So verfügt die "Thief"-Shell zum Beispiel über einen Greifhaken, mit dem Ihr schnell die Position wechseln könnt.
Ihr schlüpft dabei in eine von sieben "Shells". Diese repräsentieren die verschiedenen Klassen in "Marathon". So verfügt die "Thief"-Shell zum Beispiel über einen Greifhaken, mit dem Ihr schnell die Position wechseln könnt.  © Bungie

Die Story ist dabei eines der Highlights des Spiels. Angelegt nach den Ereignissen der originalen "Marathon"-Trilogie, in der eine von Menschen geschaffene Kolonie auf Tau Ceti auf, sagen wir, unbekannte Weise verschwand, sollen sogenannte Runner den Planeten nun im Namen skrupelloser Organisationen nach Rohstoffen absuchen und herausfinden, was dort vorgefallen ist.

Als Runner seid Ihr dabei kein Mensch im eigentlichen Sinne, sondern von Euch existiert in der fernen Zukunft nur noch Euer Verstand, den Ihr für die Runs in eine von sieben Hüllen (Shells) hochladet.

Stirbt Eure Hülle, erlischt die Verbindung. Das Spiel liefert somit gleich eine Erklärung, warum Ihr immer wieder von vorn starten könnt.

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Ohnehin scheint Bungie Immersion und Plausibilität in "Marathon" großgeschrieben zu haben. Zwar überschüttet Euch das Spiel zunächst mit zahlreichen Menüs und Infos (einer der größten Kritikpunkte). Habt Ihr Euch jedoch einmal reingefuchst, wird das anfängliche Durcheinander zunehmend nachvollziehbar - und besser.

Schrotflinte aus dem 3D-Drucker? Das muss so!

Besonders der Look von "Marathon" ist auffällig. Waffen sehen aus wie aus dem 3D-Drucker und sollen das auch. Das mag nicht jedem gefallen, ist jedoch durchaus einzigartig.
Besonders der Look von "Marathon" ist auffällig. Waffen sehen aus wie aus dem 3D-Drucker und sollen das auch. Das mag nicht jedem gefallen, ist jedoch durchaus einzigartig.  © Bungie

Startet Ihr dann eine Runde, zeigt sich "Marathon" von seiner besten Seite. Allein oder im Dreierteam erkundet Ihr eine von bislang drei Karten und müsst es dabei sowohl mit anderen Runnern als auch Sicherheitsrobotern aufnehmen.

Bungie packt dabei all sein Können aus. Das Gameplay ist so butterweich, wie man es bereits von "Halo" und "Destiny" kennt. Die Waffen fühlen sich großartig an und haben allesamt ihre Daseinsberechtigung. Die Karten laden alle zum Erkunden ein und bieten die genau richtige Größe, um Gefechten zu entgehen oder sie eben auch aktiv zu suchen.

Ja, der Look von "Marathon" mag eigenwillig sein. Man kann jedoch nicht sagen, dass er nicht einzigartig wäre. Auch hier zeigt sich wieder, wie sehr auf die Authentizität gesetzt wurde. Häuser oder auch Waffen sehen eben aus wie aus dem Baukasten, weil sie für die Kolonie schnell aus dem 3D-Drucker geschaffen wurden, ebenso wie Eure Shells.

Fazit

Nach etwa 30 Stunden in "Marathon" bin ich der Meinung, dass Bungie hier sein handwerklich bislang bestes Spiel liefert. PvP und Gunplay beherrschten die "Halo"-Veteranen ja ohnehin. Was mich jedoch am meisten beeindruckt, ist, wie viel Wert sie auf eine immersive Welt setzen.

Schade, dass durch die schlechte Publicity viele inzwischen so abgeschreckt sind, dass sie dem Shooter gar nicht erst eine Chance geben. Klar, davon ist vieles selbst verschuldet. Es wäre jedoch schade, wenn uns allein durch Vorverurteilungen ein gelungenes Spiel verloren geht. Dafür ist "Marathon" wirklich zu gut. Ihr solltet es mal ausprobieren!

Titelfoto: Bungie

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