Coronavirus in NRW: Sieben-Tage-Inzidenz in Solingen schießt durch die Decke

Köln – Nach monatelangem Corona-Lockdown gibt es Pläne zur weiteren Pandemie-Bekämpfung. Wir geben einen Überblick auf die aktuelle Corona-Entwicklung in NRW.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag einen Wert von 17,1 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. (Symbolbild)
Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag einen Wert von 17,1 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. (Symbolbild)  © Oliver Berg/dpa

Die Corona-Neuinfektionsrate klettert weiter nach oben. Auch am Sonntag verzeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) wieder einen Anstieg der Inzidenz - auf nunmehr 17,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Am Vortag hatte der Wert 16,8 betragen.

Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit hat mit 64,7 weiterhin Solingen. Wegen der rasant steigenden Zahlen legt die Klingenstadt innerhalb weniger Tage einen Durchmarsch durch alle vier Warnstufen der nordrhein-westfälischen Coronaschutzverordnung hin. Am Montag wird sie laut einer Übersicht des Landesgesundheitsministeriums als erste Kommune in NRW wieder die höchste Stufe 3 (Sieben-Tage-Inzidenz ab 50) erreichen.

Damit gelten wieder strenge Einschränkungen: Treffen im öffentlichen Raum sind ohne Begrenzung nur noch für Angehörige aus zwei Haushalten erlaubt. In der Außengastronomie herrscht Test- und Platzpflicht. Im Einzelhandel, der nicht zur Grundversorgung zählt, gibt es eine Reduzierung der Kundenbegrenzung auf eine Person pro 20 Quadratmeter.

Coronavirus in Berlin: Inzidenz steigt nach kurzer Pause wieder
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Ab Montag gilt auch wieder eine Landesinzidenzstufe 1 (Sieben-Tage-Inzidenz von über 10 bis 35). Damit gelten in zahlreichen Bereichen strengere Regeln bei Maskenpflicht, Abständen und Zusammentreffen; auch in Kreisen und kreisfreien Städten, die lokal in der Inzidenzstufe 0 liegen. In zahlreichen Städten und Kreisen Nordrhein-Westfalens gilt vor Ort bereits Stufe 1, weitere sind an der Schwelle.

Düsseldorf wird voraussichtlich am Dienstag Stufe 2 (über 35 bis 50) erreichen. Die Landeshauptstadt lag am Sonntag mit 39,9 auf Platz zwei der NRW-Höchstwerte, gefolgt von Köln (31,8). Stufe 2 greift am übernächsten Tag nachdem die 35er-Marke drei Tage infolge überschritten wurde. Dann gilt beispielsweise wieder Test- und Platzpflicht in der Innengastronomie. Weit entfernt davon ist der Kreis Unna, der mit 4,8 die niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz in NRW auswies.

Weiterhin liegt NRW über der bundesweiten Inzidenz, die am Sonntag 13,8 erreichte. Bundes- wie landesweit steigt die Neuinfektionsrate seit etwa zweieinhalb Wochen kontinuierlich an. Die Gesundheitsämter in NRW meldeten dem RKI binnen eines Tages 456 von bundesweit 1387 Corona-Neuinfektionen sowie zwei von bundesweit vier neuen Todesfällen.

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Update, 23. Juli, 14.13 Uhr: Urteil: Keine nachträgliche Gewährung von Urlaub nach Quarantäne

Wer wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in Quarantäne musste, hat laut Gerichtsurteil keinen Anspruch auf eine Nachgewährung von Urlaubstagen. Das entschied das Arbeitsgericht Bonn, wie es am Freitag mitteilte.

Geklagt hatte eine Arbeitnehmerin, der Urlaub vom 30. November bis 12. Dezember 2020 genehmigt worden war, die aber auf Behörden-Anordnung vom 27. November bis 7. Dezember wegen ihrer Infektion in Quarantäne musste.

Eine Krankschreibung lag für diese Tage nicht vor. Die Frau verlangte von ihrem Arbeitgeber eine nachträgliche Gewährung von fünf Urlaubstagen - und scheiterte damit vor Gericht.

Update, 23. Juli, 12.45 Uhr: Corona-Jahr 2020 - Mehr Tote als in Vorjahren, eine Altersgruppe sticht heraus!

Insgesamt starben 2020 in NRW 214.313 Menschen. Der Zuwachs geht vor allem auf einen Anstieg der Gestorbenen-Zahlen in der Altersgruppe ab 80 zurück. (Symbolbild)
Insgesamt starben 2020 in NRW 214.313 Menschen. Der Zuwachs geht vor allem auf einen Anstieg der Gestorbenen-Zahlen in der Altersgruppe ab 80 zurück. (Symbolbild)  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Im Pandemie-Jahr 2020 sind in Nordrhein-Westfalen mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der drei Jahre zuvor.

Insgesamt starben 2020 in NRW 214.313 Personen, wie das Statistikamt IT.NRW am Freitag berichtete. Der Zuwachs lag bei 3,3 Prozent - in den Jahren 2017 bis 2019 waren es im Durchschnitt 207.487 Sterbefälle.

Die Zunahme gehe vor allem auf einen Anstieg der Gestorbenen-Zahlen in der Altersgruppe ab 80 Jahre zurück. Im Jahresverlauf sei es zu Schwankungen gekommen.

Corona in Baden-Württemberg: 7-Tage-Inzidenz steigt weiter
Coronavirus Corona in Baden-Württemberg: 7-Tage-Inzidenz steigt weiter

Der höchste prozentuale Anstieg entfiel laut Statistik auf den Dezember - mit 21,7 Prozent mehr Todesfällen als im Durchschnitt der Dezembermonate 2017 bis 2019.

Es sei unwahrscheinlich, dass das Ansteigen nicht coronabedingt sei, sagte ein Sprecher des Landesamtes.

Update, 23. Juli, 11.41 Uhr: Schnelltest adé? Gesundheitsminister prüft Impfaktionen in Berufsschulen

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (64, CDU) prüft nun auch Impfaktionen in Berufsschulen. "Minister Laumann findet die Idee, Impfungen an Berufsschulen anzubieten, die von Über-16-jährigen besucht werden, durchaus sinnvoll", sagte ein Ministeriumssprecher der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Freitag).

Gesundheits- und Schulministerium befänden sich bereits in Gesprächen. Für Gymnasien und Gesamtschulen seien solche Aktionen nicht geplant.

Update, 23. Juli, 6.58 Uhr: Neue Coronaschutz-Verordnungen für NRW geplant!

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (64, CDU) hat angesichts der steigenden Zahl von Corona-Infektionen eine Verschärfung der Schutzmaßnahmen angekündigt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liege bei 14,4 (Donnerstag) mit steigender Tendenz.

"Ab Montag gilt daher vermutlich für das Land wieder die Inzidenzstufe 1 mit ersten zusätzlichen Schutzmaßnahmen", sagte Laumann dem Kölner Stadt-Anzeiger. Während es in der Inzidenzstufe Null keine Kontaktbeschränkungen gibt, treten in der Stufe 1 erste Vorsichtsmaßnahmen in Kraft.

Update, 22. Juli, 15.09 Uhr: Düsseldorf vor Inzidenzstufe 2 - Faktor Hochwasser ungewiss

Die Stadt Düsseldorf führt steigende Corona-Zahlen vor allem auf Reiserückkehrer zurück und ruft dazu auf, sich weiterhin regelmäßig testen zu lassen. "Ein deutlicher Anteil der Neuinfizierten hat eine Reiseanamnese. Sie haben sich also kürzlich im Ausland aufgehalten und sind im Anschluss erkrankt", sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung am Donnerstag. Ein weiterer bedeutsamer Anteil sei auf Infektionen innerhalb eines Haushalts zurückzuführen. Ob es auch infolge des Hochwassers zu Neuinfektionen komme, sei noch unklar.

Sollte dies einen Einfluss auf die Fallzahlen haben, werde sich das frühestens in den nächsten Tagen zeigen. In Düsseldorf hätten nur wenige vom Hochwasser betroffene Menschen vom Angebot einer Betreuungsstelle in einer Schule Gebrauch gemacht. Die Entwicklung werde beobachtet, hieß es. In der Landeshauptstadt lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut am Donnerstag bei 34,6 und damit kurz vor der wichtigen Schwelle von 35. Dies ist deutlich höher als der NRW-Wert von 14,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche.

Bei einem stabilen Inzidenzwert von mehr als 10 an acht Tagen hintereinander gelten wieder schärfere Einschränkungen der Inzidenzstufe 1. Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 35 drei Tage lang überschreiten, würde Düsseldorf am darauffolgenden Tag der Inzidenzstufe 2 zugeordnet - mit Maßnahmen wie Test- und Platzpflicht in der Innengastronomie.

Update, 22. Juli, 13.59 Uhr: Impfung jetzt grundsätzlich auch für Kinder ab Zwölf

In den nordrhein-westfälischen Impfzentren können sich jetzt auch Zwölf- bis 15-Jährige grundsätzlich den Piks zum Schutz gegen das Coronavirus verabreichen lassen.

Voraussetzung: Im Zentrum müssen Kinderärzte die Jugendlichen beziehungsweise ihre Sorgeberechtigten gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) beraten.

Das teilte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium am Donnerstag in Düsseldorf mit. "Die Einwilligung zur Impfung hat durch alle sorgeberechtigten Personen zu erfolgen."

Update, 22. Juli, 12.47 Uhr: Öffentlicher Nahverkehr noch immer unter Niveau von vor Corona

Die Beförderungszahlen im Öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen liegen weiterhin deutlich unter den Werten von vor der Corona-Pandemie. So wurden im ersten Quartal 2021 rund 407 Millionen Fahrgäste befördert, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag mitteilte.

Das ist ein Minus von 24,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im ersten Quartal 2019 wurden sogar 28,1 Prozent mehr Fahrgäste transportiert. Laut Mitteilung legten die Kunden insgesamt rund drei Milliarden Kilometer zurück. Das ist ein Rückgang von 17,1 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2020 (2019: minus 21,3 Prozent).

Beim Blick auf die einzelnen Anbieter aber gibt es Unterschiede. So gab es mit 27,1 Millionen Beförderungen beim Bahnverkehr im ersten Quartal ein Plus von 41,0 Prozent im Vergleich zu 2020. Im Nahverkehr mit Straßenbahnen gab es ein Minus von 32,1 Prozent (123,3 Millionen Personen) und bei Bussen von 24,9 Prozent (271,3 Millionen).

Bei der vierteljährlichen Erhebung werden Unternehmen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen berücksichtigt, die mindestens 250.000 Fahrgäste pro Jahr registrieren. Dabei werden auf einzelnen Strecken auch Gäste gezählt, die außerhalb von NRW unterwegs sind.

Update, 22. Juli, 12.39 Uhr: Hochwasser und Corona: Solingen klettert zwei Inzidenzstufen hoch

Der Solinger Ortsteil Unterburg wurde von den Wassermassen schwer beschädigt. Der Ort bleibt bis auf weiteres gesperrt.
Der Solinger Ortsteil Unterburg wurde von den Wassermassen schwer beschädigt. Der Ort bleibt bis auf weiteres gesperrt.  © David Inderlied/dpa

Wegen steigender Corona-Neuinfektionsraten gelten von diesem Freitag an in den Kreisen Düren und Minden-Lübbecke sowie in Solingen wieder schärfere coronabedingte Einschränkungen. Alle drei rutschen wieder von der Inzidenzstufe null in die Stufe 1. Das geht aus einer Übersicht des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums hervor.

Nach der Coronaschutzverordnung greift Stufe 1 am übernächsten Tag, nachdem eine Stadt oder ein Kreis an acht aufeinanderfolgenden Tagen mehr als zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hatte. In Stufe 1 gelten wieder strengere Regeln bei Maskenpflicht, Abständen und Zusammentreffen.

Die Solinger Stadtverwaltung geht davon aus, dass ihre Kommune - nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag mit einer Inzidenz von 54,0 "Spitzenreiter" in NRW - am Sonntag sogar direkt in Stufe 2 steigt. Der Übergang von Stufe 1 auf 2 greift am übernächsten Tag, nachdem eine Stadt oder ein Kreis an drei aufeinanderfolgenden Tagen den Grenzwert von 35 überschreitet. In der Innengastronomie gilt dann beispielsweise wieder Test- und Platzpflicht. Der nicht zur Grundversorgung gehörende Einzelhandel unterliegt wieder Personenbeschränkungen.

Das Solinger Gesundheitsamt befürchtet, dass es durch Rettungs- und Aufräumarbeiten infolge des Hochwassers zu weiteren Corona-Infektionen gekommen ist oder noch kommen kann. "Die Corona-Regeln sind in einer solchen Ausnahmesituation nachvollziehbar zeitweise schwierig einzuhalten", hatte die Stadtverwaltung bereits am Mittwoch erklärt.

Auch landesweit klettert die Zahl der Neuinfektionen weiter. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Donnerstag bei 14,4 - nach 13,8 am Mittwoch. Die Neuinfektionsrate ist seit dem 9. Juli stetig gestiegen. Innerhalb eines Tages wurden 559 neue Covid-19-Fälle bekannt; sechs Menschen starben.

Solingen überschritt als erste Stadt in NRW wieder die 50er Marke. In Düsseldorf lag die Inzidenz am Donnerstag bei 34,6, in Köln bei 24,6, im Kreis Minden-Lübbecke bei 23,8 und im Kreis Düren bei 13,6. Am niedrigsten war der Wert demnach im Kreis Soest mit 3,6.

Update, 21. Juli, 15.06 Uhr: Fast 50 Prozent der NRW-Bevölkerung vollständig geimpft

In Nordrhein-Westfalen ist inzwischen fast jeder Zweite vollständig gegen das Coronavirus geimpft. In NRW sind 63,5 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens einmal und 49,8 Prozent vollständig geimpft, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts vom Mittwoch (Stand 09.35 Uhr) hervorgeht.

Pro 100 Einwohner habe das bevölkerungsreichste Bundesland 110,2 Impfdosen verabreicht. Bis Montag seien 121,8 Impfdosen pro 100 Einwohner geliefert worden.

Update, 21. Juli, 13.16 Uhr: In Solingen steigen Corona-Zahlen, Flutkatastrophe als Risiko

In Solingen steigen nach den Überflutungen die Corona-Zahlen wieder an, weil Helfer sich bei Aufräumarbeiten nur schwer an die Schutzregeln halten können.
In Solingen steigen nach den Überflutungen die Corona-Zahlen wieder an, weil Helfer sich bei Aufräumarbeiten nur schwer an die Schutzregeln halten können.  © David Inderlied/dpa

In Solingen mit deutlich steigenden Corona-Neuinfektionen wird befürchtet, dass mit der Flutkatastrophe weitere Ansteckungen einhergehen. "Im Rahmen der Rettungs- und der Aufräumarbeiten in den vergangenen Tagen konnten die Corona-Regeln nicht mehr eingehalten werden", hieß es am Mittwoch.

Alle Anwohner und Helfer könnten sich zusätzlich von einem mobilen Team im Stadtteil Unterburg testen lassen. Nach der Unwetterkatastrophe war in mehreren Bundesländern Sorge über erhöhte Corona-Risiken geäußert worden, weil sich Menschen bei Hilfsaktionen oder in Notunterkünften anstecken könnten.

Für Solingen hatte das Robert Koch-Institut die NRW-weit höchste Sieben-Tage-Inzidenz von 45,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche gemeldet.

Inwieweit die Zahlen nach den Überflutungen nun womöglich weiter ansteigen, ist ungewiss. Helfer tragen keinen Mundschutz, weil schwere Aufräumarbeiten damit kaum zu leisten sind.

Beim Ausräumen von Kellern und Wohnungen kommen sich die Menschen unweigerlich nahe. Zudem könnten Evakuierungen eine Rolle spielen. In Solingen seien rund 700 Menschen in Sicherheit gebracht worden, etwa 200 Betroffene habe die Stadt in Notunterkünften und Hotels einquartiert. Die meisten hätten diese wieder verlassen.

Sicher ist nach Angaben der Stadt aber bereits, "dass wir ab Freitag wieder in die Inzidenzstufe 1 eingestuft werden, ab Sonntag in Stufe 2".