Coronavirus: Virus-Experten und Ärzte sehen Fan-Rückkehr in Fußballstadien problematisch

Deutschland/Welt - Nachdem die Infektionszahlen in Zusammenhang mit einer Erkrankung am neuartigen Coronavirus lange Zeit rückläufig waren, steigen sie nun wieder schneller an. Schutzmaßnahmen wurden deshalb in der jüngsten Vergangenheit nur verhalten gelockert. Nun steht eine erneute Verschärfung im Raum.

Menschen gehen mit ihren Rollkoffern durch die Stadt Palma. Urlauber, die aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren, können sich nach ihrer Rückkehr kostenlos auf das Virus testen lassen.
Menschen gehen mit ihren Rollkoffern durch die Stadt Palma. Urlauber, die aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren, können sich nach ihrer Rückkehr kostenlos auf das Virus testen lassen.  © Clara Margais/dpa

Zumindest Abstand halten und Maske tragen wird wohl deshalb noch für einige Zeit auf der Tagesordnung stehen.

In Deutschland wurden mittlerweile 216.903 Infektionen bestätigt. 9201 Corona-Patienten starben an der Infektion, 196.550 gelten mittlerweile als genesen (Stand 9. August, 8.05 Uhr).

Die USA haben weltweit die meisten Fälle registriert: Über 4,99 Millionen Infizierte und 162.425 Tote wurden bereits erfasst (Stand 9. August, 8.05 Uhr).

Weltweit gibt es insgesamt mehr als 19,63 Millionen bestätigte Infektionen und 726.786 Todesfälle (Stand 9. August, 8.05 Uhr).

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Update, 9. August, 4.25 Uhr: Virus-Experte zu Fan-Rückkehr: Herbst und Winter werden problematisch

Virus-Experte Helmut Fickenscher warnt bei einer möglichen Rückkehr von Zuschauern in die Stadien der Fußball-Bundesliga während der Corona-Pandemie vor Problemen in den kälteren Jahreszeiten. "Im Herbst und Winter ist zu erwarten, dass sich die epidemische Lage verschärft", sagte der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel der Deutschen Presse-Agentur.

"Gleichzeitig wird es schwer sein, zwischen Infektionen mit dem Coronavirus und den herkömmlichen Erkältungen und dann ab Januar der Grippe zu unterscheiden", fügte der Mediziner hinzu. Das werde spannend. "Und das wird es schwieriger machen, über entsprechende Lockerungen im Sportbereich zu entscheiden."

Grundsätzlich hält er eine begrenzte Rückkehr von Fans zu den Spielen für möglich. "Bei zehn Prozent der Zuschauer habe ich aber den Verdacht, dass man das auch gleich lassen könnte», sagte Fickenscher. Vielleicht sei das andererseits auch ein Anfang. "Und auf Basis dieses Anfangs kann man Erfahrungen sammeln. Wenn es da keine Komplikationen gibt, hat man vielleicht auch bessere Argumente, einen Schritt weiterzugehen."

Seit mehreren Monaten dürfen wegen der Corona-Pandemie keine Fans in die Stadien. Die DFL-Mitgliederversammlung hatte am Dienstag mehrheitlich - aber nicht einstimmig - für den Fall der Fan-Rückkehr ein Alkoholverbot sowie die Streichung der Stehplätze bis zum 31. Oktober beschlossen. Bis zum Jahresende sollen zudem keine Gästetickets verteilt werden und Maßnahmen getroffen werden, die eine Nachverfolgung von Infektionsketten möglich macht.

Update, 9. August, 4.03 Uhr: Ärzteverband: Fan-Jubel mit zwei Metern Abstand nicht realistisch

Der Ärzteverband Marburger Bund hat Bedenken gegen eine Teilzulassung von Zuschauern bei Spielen der Fußball-Bundesliga auch mit Corona-Schutzauflagen. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie Fußballfans mit zwei Metern Abstand ein Tor ihrer Mannschaft bejubeln", sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. Das sei einfach nicht sehr realistisch.

"Wenn Fans im Stadion sind, dann wollen sie auch zusammen sein und gemeinsam feiern, was ja menschlich nachvollziehbar ist", erläuterte die Ärztin und Hygienespezialistin. "Insofern bin ich da eher kritisch."

Die Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) hatte mehrheitlich - aber nicht einstimmig - ein Konzept für den Fall einer Fan-Rückkehr beschlossen. Dazu gehören ein Alkoholverbot sowie die Streichung der Stehplätze bis 31. Oktober. Bis zum Jahresende sollen zudem keine Gästetickets verteilt werden und Maßnahmen getroffen werden, die eine Nachverfolgung von Infektionsketten möglich machen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Pläne begrüßt, pocht aber auf passgenaue Lösungen für jedes Stadion. Die Gesundheitsminister der Länder wollen an diesem Montag weiter über die geplanten DFL-Maßnahmen beraten. In der Bundesliga und 2. Liga soll am dritten September-Wochenende wieder gespielt werden.

Update, 9. August, 1.30 Uhr: Linken-Chefin skeptisch bei höheren Strafen gegen Corona-Verstöße

Linken-Chefin Katja Kipping hat sich kritisch dazu geäußert, Corona-Vorschriften mit Härte durchzusetzen. "Ich sehe mit einer gewissen Sorge, dass jetzt unglaublich viel diskutiert wird über Repression und höhere Strafen", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag).

Stattdessen solle die Politik die vielen unterstützen, die sich verantwortlich verhalten wollten. "Wir sollten zum Beispiel erst einmal Masken-Automaten an Bahnhaltestellen aufstellen, bevor wir diejenigen bestrafen, die keine tragen."

Ähnlich sieht Kipping das bei den Demonstranten gegen die Corona-Politik: "Im übrigen sehnt sich diese krude Coronaverharmloser-Szene doch richtig danach, in so einen Corona-Rebellen-Status zu kommen und für das Nichtzahlen von Bußgeldern ins Gefängnis zu gehen. So scharf ich diese Demonstranten verurteile - wir werden das nicht über Repression lösen."

Katja Kipping (Linke), Parteivorsitzende.
Katja Kipping (Linke), Parteivorsitzende.  © Wolfgang Kumm/dpa

Update, 9. August, 1.02 Uhr: Altmaier: Zielgenauere Maßnahmen statt Rundumschläge gegen Corona

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat angesichts von steigenden Corona-Infektionszahlen eine Überprüfung der bisherigen Maßnahmen gefordert. "Wir müssen einen zweiten Lockdown mit aller Macht verhindern. Deshalb brauchen wir zielgenauere Maßnahmen und Korrekturen statt flächendeckender Rundumschläge", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag). 

"Nach einem halben Jahr Erfahrung mit dem Virus brauchen wir eine medizinische Einordnung dessen, was falsch gelaufen ist und geändert werden muss."

Der Anstieg der Neuinfektionen auf deutlich über 1000 pro Tag sei alarmierend. "Wir müssen diesen Trend abflachen und umkehren, denn es geht um die Gesundheit aller, die Rückkehr der Kinder in die Schulen und den Aufschwung unserer Wirtschaft", so Altmaier.

Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie.
Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie.  © Michael Kappeler/dpa

Update, 9. August, 0.02 Uhr: Entwicklungshilfeminister Müller kritisiert EU-Kommission

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller hat die Corona-Strategie und Außenpolitik der Europäischen Kommission mit Blick auf die Lage in Afrika und Nahost scharf kritisiert. 

"Wo ist das europäische Pandemie- und Recovery-Programm für unsere unmittelbare Nachbarschaft in Afrika oder Nahost? Fast 2000 Milliarden Euro hat Brüssel beschlossen – davon geht aber kein einziger zusätzlicher Eurocent in die Bekämpfung der Corona-Krise in Entwicklungsländern", sagte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag". Er frage sich daher, "ob überhaupt verstanden wurde, dass diese Pandemie nur weltweit oder gar nicht besiegt werden kann".

Nach Müllers Ansicht brauche die EU "dringend einen Afrikakommissar mit echten Kompetenzen und Zuständigkeiten". Zudem sollte Brüssel institutionell und finanziell umsteuern. "Der aktuelle Haushaltsansatz von weniger als zehn Prozent für Außen-und Entwicklungspolitik muss erhöht werden", sagte Müller.

Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wartet auf den Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wartet auf den Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.  © Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Update, 8. August, 23.20 Uhr: Trump ordnet Teile des Konjunkturpakets ohne Parlamentsbeteiligung an

Nach dem Scheitern von Verhandlungen zu einem neuen Konjunkturpaket im US-Kongress hat Präsident Donald Trump Verfügungen unterzeichnet, um mehrere Maßnahmen auch ohne eine Zustimmung des Parlaments durchzusetzen. 

Arbeitslose sollen demnach bis zum Jahresende zusätzlich jeweils 400 Dollar pro Woche erhalten, bestimmte Zwangsräumungen sollen zeitweise verboten werden und eine Sozialversicherungsabgabe soll ausgesetzt werden, wie Trump am Samstag in seinem Golfclub im Bundesstaat New Jersey erklärte.

Es gehe darum, dass Familien angesichts der Corona-Pandemie, die nicht ihre Schuld sei, wieder mehr Geld zur Verfügung hätten, sagte Trump vor Journalisten. Zudem versprach er weitere Steuersenkungen für den Fall, dass er die Wahl am 3. November gewinnen sollte. Trump zeigte sich auch zuversichtlich, dass seine Verfügungen trotz wahrscheinlich bevorstehender Klagen umgesetzt werden könnten. "Sie werden nicht gewinnen", sagte er in Bezug auf mögliche Klagen.

Nach Meinung von Kritikern stehen Teile seiner Verfügungen auf dünnem Eis, denn alle Maßnahmen, die neue Finanzmittel erfordern, bedürfen der Zustimmung des US-Kongresses. Dort wären Trumps Republikaner aber auf einen Kompromiss mit den Demokraten angewiesen. Die Verhandlungen der beiden Parteien waren am Freitag aber vorerst gescheitert.

Trump will das Problem nun umgehen, indem er einfach bestehende Mittel umwidmet, zum Teil aus vorigen Konjunkturpaketen. "Wir haben viel Geld, das noch nicht ausgegeben wurde", sagte Trump. Ein Viertel der nötigen Mittel für das zusätzliche Arbeitslosengeldes soll allerdings aus den Kassen der Bundesstaaten kommen, wie Trump erklärte. Die Staaten dürften dagegen Sturm laufen, zumal sie infolge der Pandemie bereits deutlich geringere Einnahmen verkraften müssen.

US-Präsident Donald Trump hält im Trump National Golf Club eine unterzeichnete Verfügung in der Hand.
US-Präsident Donald Trump hält im Trump National Golf Club eine unterzeichnete Verfügung in der Hand.  © Susan Walsh/AP/dpa

Update, 8. August, 22.25 Uhr: Erneut mehr als 1000 Neuinfektionen in Deutschland

Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland liegt den dritten Tag in Folge über der Schwelle von 1000 neuen Fällen. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 1122 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet.

Update, 8. August, 21.20 Uhr: MTV Video Music Awards: Wegen Corona Outdoor-Auftritte statt Halle

Wegen der Corona-Pandemie soll die Ende August geplante Verleihung der MTV Video Music Awards im Freien statt in einer Halle stattfinden. Es werde mehrere Outdoor-Auftritte in verschiedenen Teilen von New York entweder ohne Live-Publikum oder nur mit begrenzten Zuschauerzahlen geben, zitierte die US-Zeitschrift "People" am Samstag aus einer Mitteilung der Veranstalter.

Ursprünglich sollte die Gala am 30. August im New Yorker Barclays Center stattfinden. Doch nach Beratungen mit den Gesundheitsbehörden sehe man nun von einem Event in einer geschlossenen Halle ab, hieß es in der Mitteilung. Der Sender MTV will die von Schauspielerin Keke Palmer moderierte Show live ausstrahlen.

Ariana Grande und Lady Gaga gehen mit je neun Nominierungen als Top-Favoritinnen ins Rennen um die MTV Video Music Awards. Billie Eilish und The Weeknd haben je sechs Gewinnchancen. Alle vier Spitzenanwärter sind in der Top-Sparte "Video des Jahres" vertreten. Zudem konkurrieren dort Eminem, Future und Taylor Swift.

Die Preise des US-Musiksenders MTV werden seit 1984 verliehen. Fans können online für ihre Favoriten stimmen. Als Trophäe gibt es einen "Moonman", einen kleinen Astronauten auf dem Mond, der eine MTV-Fahne in der Hand hält.

Ariana Grande (r) und Lady Gaga gehen mit je neun Nominierungen als Top-Favoritinnen ins Rennen um die MTV Video Music Awards.
Ariana Grande (r) und Lady Gaga gehen mit je neun Nominierungen als Top-Favoritinnen ins Rennen um die MTV Video Music Awards.  © Greg Allen/Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Update, 8. August, 20.50 Uhr: Fußballweltmeister Thomas Berthold tritt bei "Querdenken"-Demo auf

Fußballweltmeister Thomas Berthold ist am Samstag bei einer Demonstration von Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart als Redner aufgetreten. Der "Bild am Sonntag" sagte der frühere Nationalspieler: "Ich mache mich weder mit Verschwörungstheoretikern noch mit Rechtspopulisten gemein, habe nur meine Meinung über die Maßnahmen der Regierung gesagt."

Die Teilnehmer der Kundgebung forderten ein Ende der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, mit denen die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus reduziert werden sollen. Die Veranstalter von "Queerdenken 711" sprachen von 5000 Teilnehmern, die Polizei zählte mehrere Hundert.

Der 55 Jahre alte Berthold spielte in seiner aktiven Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart. Als Verteidiger absolvierte er 62 Länderspiele, 1990 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister in Italien. Nach seiner Laufbahn war Berthold unter anderem für mehrere Fernsehsender und Zeitschriften als Experte tätig.

Thomas Berthold, ehemaliger deutscher Nationalspieler, steht in der Veltins Arena in Gelsenkirchen. (Archivbild)
Thomas Berthold, ehemaliger deutscher Nationalspieler, steht in der Veltins Arena in Gelsenkirchen. (Archivbild)  © Friso Gentsch/dpa

Update, 8. August, 20.12 Uhr: Paris führt Maskenpflicht im Freien ein

Im Kampf gegen das Coronavirus führt nun auch die Millionenmetropole Paris eine Maskenpflicht im Freien ein. Betroffen seien besonders stark frequentierte Bereiche wie die Seineufer oder Einkaufsstraßen in mehreren Stadtbezirken, teilte das Polizeipräsidium am Samstagabend mit. Die Vorschrift gilt von diesem Montag (08.00 Uhr) an.

Experten warnen schon seit vergangenem Monat vor einer zweiten Welle der Corona-Pandemie in Frankreich. Das Land ist mit rund 30.000 Toten stark von der Epidemie betroffen. In mehreren Städten des Landes müssen in bestimmten Bereichen bereits Masken getragen werden, beispielsweise in Nizza oder in Lille.

Eigentlich sind in Frankreich Masken nur in geschlossenen Räumen mit Publikumsverkehr Pflicht. Das sind zum Beispiel Geschäfte, Restaurants und Behörden. Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen die Menschen eine Corona-Schutzmaske tragen.

Touristen stehen im Jardin du Carrousel vor der Pyramide des Louvre-Museums.
Touristen stehen im Jardin du Carrousel vor der Pyramide des Louvre-Museums.  © Christian Böhmer/dpa

Update, 8. August, 18.49 Uhr: Neue Panne: Britische Behörde ruft 740.000 Coronavirus-Tests zurück

Die britische Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte hat den Rückruf Hunderttausender Coronavirus-Test-Sets veranlasst. Wie die Regierung in London am Samstag bestätigte, handelt es sich um bis zu 741.000 Tests der Firma Randox. Diese seien möglicherweise nicht sicher für den Gebrauch, hieß es zur Begründung.

Randox hatte im März einen Auftrag in Höhe von 133 Millionen Pfund von der britischen Regierung erhalten, unter anderem für die Bereitstellung von Coronavirus-Tests. Dem "Guardian" zufolge erfolgte die Vergabe ohne Ausschreibung. Gerechtfertigt wurde das durch die hohe Dringlichkeit, die Testkapazitäten des Landes rasch zu erhöhen. Pikant ist jedoch, dass ein führender Abgeordneter der regierenden Konservativen, Owen Paterson, als Berater für die Firma tätig ist. Paterson erhält dem Register für Nebeneinkünfte des britischen Parlaments zufolge dafür jährlich 100.000 Pfund (umgerechnet rund 110.000 Euro).

Der Vorgang reiht sich in eine ganze Kette von Pannen und zweifelhaften Deals beim Umgang mit der Coronavirus-Pandemie ein. Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass 50 Millionen Schutzmasken, die vom Gesundheitsministerium in London gekauft wurden, für den Gebrauch im Nationalen Gesundheitsdienst ungeeignet sind.

Auch hier soll es der Nichtregierungsorganisation Good Law Project zufolge keine Ausschreibung gegeben haben. Eingefädelt worden sein soll der Deal durch einen Regierungsberater, der auch für die beauftragte Firma tätig ist. Nach Schätzung des Good Law Project wurden für die Masken zwischen 156 und 177 Millionen Pfund (umgerechnet rund 173 bis 196 Millionen Euro) ausgegeben.

Dicht gedrängt verbringen zahlreiche Besucher ihre Freizeit am Strand in Großbritannien. Dabei hatte das Land stark mit dem Coronavirus zu kämpfen.
Dicht gedrängt verbringen zahlreiche Besucher ihre Freizeit am Strand in Großbritannien. Dabei hatte das Land stark mit dem Coronavirus zu kämpfen.  © Yui Mok/PA Wire/dpa

Update, 8. August, 18.11 Uhr: US-Experten fordern erneut strikte Ausgangsbeschränkungen

Ein renommierter Epidemiologe und ein führender Vertreter der US-Notenbank fordern im Kampf gegen die Corona-Pandemie die erneute Verhängung strikter Ausgangsbeschränkungen. Bis es eine Impfung gebe, werde es ohne einen neuen Lockdown Millionen weitere Coronavirus-Infektionen und zahlreiche Todesfälle geben, aber keine nachhaltige Erholung der Wirtschaft, warnten der Epidemiologe Michael Osterholm und der Chef des Büros der Notenbank in Minneapolis, Neel Kashkari, in einem Gastbeitrag in der "New York Times".

"Es gibt keinen Zielkonflikt zwischen der Gesundheit und der Wirtschaft", schrieben sie. "Beide verlangen es, das Virus aggressiv unter Kontrolle zu bringen." Die Geschichte werde hart über Amerika urteilen, wenn die aktuelle Chance, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, nicht ergriffen werde, schrieben sie in dem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Gastbeitrag. Sie schlagen die Verhängung von Ausgangsbeschränkungen in den Bundesstaaten für jeweils sechs Wochen vor, um die Zahl der Neuinfektionen von derzeit 50.000 bis 60.000 pro Tag mindestens auf wenige Tausend pro Tag zu reduzieren.

US-Präsident Donald Trump und viele Gouverneure lehnen erneute einschneidende Beschränkungen des öffentlichen Lebens entschieden ab, weil diese der Wirtschaft schaden. Nach Ansicht vieler Gesundheitsexperten wurden die ursprünglichen Beschränkungen, die ab Ende März verhängt worden waren, zu schnell wieder aufgehoben.

Anders als in europäischen und asiatischen Staaten wurde die Pandemie in den USA nie weitgehend unter Kontrolle gebracht. Die USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern hatten im Schnitt nie weniger als 20.000 Neuinfektionen am Tag. Inzwischen sind im es Schnitt rund 60.000.

Mit Blick auf die bevorstehende kalte Jahreszeit und die Wiedereröffnung von Schulen und Universitäten warnten Osterholm und Kashkari vor einer weiteren Zuspitzung. "In den nächsten sechs Monaten könnte das, was wir bisher erlebt haben, nur wie das Aufwärmen für eine größere Katastrophe erscheinen", schrieben sie.

In den USA gibt es bislang Daten der Universität Johns Hopkins zufolge fast fünf Millionen bekannte Corona-Infektionen und rund 161.000 damit zusammenhängende Todesfälle.

Menschen stehen Schlange vor einer Lebensmittelausgabe für Bedürftige im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Seit Mitte März haben in den USA bereits Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit.
Menschen stehen Schlange vor einer Lebensmittelausgabe für Bedürftige im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Seit Mitte März haben in den USA bereits Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit.  © Michael Nagle/XinHua/dpa

Update, 8. August, 16.57 Uhr: Dänischer Schlachthof schließt nach Corona-Ausbruch für eine Woche

Nach einem Corona-Ausbruch mit Dutzenden infizierten Mitarbeitern wird ein Schlachtbetrieb in Dänemark vorübergehend geschlossen. Nachdem weitere 22 Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden seien, werde der Betrieb in Ringsted ab Montag zunächst für eine Woche geschlossen, teilte der Fleischverarbeiter Danish Crown am Samstag mit. Damit solle versucht werden, die Infektionsketten innerhalb des Personals zu durchbrechen.

Mittlerweile sind damit fast 150 Mitarbeiter von Danish Crown in Ringsted positiv auf das Coronavirus getestet worden. Danish Crown war vor knapp zwei Wochen über einen ersten Corona-Fall unter den rund 850 Mitarbeitern in Ringsted informiert worden. In dem dortigen Betrieb werden wöchentlich normalerweise rund 35.000 Schweine geschlachtet, was aber in Folge des Ausbruchs bereits deutlich zurückgefahren wurde.