München - Am Mittwochabend spielten "Die Toten Hosen" das erste von zwei München-Konzerten vor 19.000 Fans auf dem Hans-Jochen-Vogel-Platz. Seit Donnerstag ist Frontmann "Campino" (Andreas Frege, 64) auch im Playboy zu sehen. Keine Panik, nicht wie auf dem "Reich & Sexy"-Album, sondern durchaus bekleidet. Wie in den Songs geht es auch in dem Interview um Politik und Gesellschaft.
Vor allem stört es des 64-Jährigen, dass die Politiker zunehmend mit Unehrlichkeit zu glänzen scheinen. Ähnlich schätzt er auch die öffentlichen Diskussionen über die jüngsten Krisen in Deutschland ein.
Und das beschränkt er nicht nur auf die Politik: Auch die Bürger selbst würden sich eine Scheinwelt schaffen, um die Wahrheit besser ausblenden zu können.
"Mir kommt es so vor, als würden wir erwarten, dass die Krisen der Welt gefälligst nur im Fernsehen stattfinden und wir keine Konsequenzen zu tragen haben", so der Düsseldorfer Punkrock-Sänger in der deutschen Ausgabe des aktuellen Playboys. "Dann schalten wir die Nachrichten aus und wollen, dass das Leben normal weitergeht, wundern uns aber, dass an der Tankstelle die Preise hochgehen."
Dann schwenkt er doch auf die Regierenden um und kritisiert, dass denen nichts Besseres als eine Spritpreiserleichterung einfallen würde.
Campino: Bei den vielen Krisen ist man oft "zum Zuschauen verdammt"
Er würde sich wünschen, dass sie ehrlich wären und den Menschen klarmachen würden, "dass wir ein Teil der Weltgemeinschaft sind, die gerade viele große Probleme hat."
Und auch, dass man dabei oft "zum Zuschauen verdammt" sei. Die Preise steigen durch die verschiedenen Krisenherde weltweit an.
Entsprechend müsste man so ehrlich zu sich selbst sein und einsehen, dass man von aktuellen Wohlstandsvorstellungen abrücken müsse.
Doch er teilt nicht nur aus, wie der aktuelle Song "Kein Blatt zwischen uns" zeigt. "Es kommt wohl kein goldener Reiter / Wir helfen uns selbst aus der Not / Und falls wir das jetzt nicht erreichen / Dann hab'n wir es trotzdem versucht", heißt es in dem Lied.
Dieser zelebriert die positiven und selbstlosen Aspekte der Gesellschaft und soll ein Versuch sein "Dank und Respekt" für alle Menschen zu zeigen, die versuchen, die Welt ein bisschen besser zu gestalten. Egal ob man sich bei "der Freiwilligen Feuerwehr oder bei 'Omas gegen rechts'" engagiert, sagt Campino in der deutschen Ausgabe des aktuellen Playboys weiter.
Diese ist ab sofort digital und als Print an den Kiosken erhältlich. Cover-Star ist Simone Ballack (50). Die "Hosen" sind derzeit auf Abschieds-Tour mit ihrem letzten Studioalbum "Trink aus! Wir müssen gehen".