München - Er gehört zu den bekanntesten TV-Satirikern und Medienexperten Deutschlands: Oliver Kalkofe (60) ist seit Jahrzehnten tief im Sumpf der Sender unterwegs. Und er hat den Eindruck: Es wird immer schlimmer.
Im Interview mit dem Playboy attestiert er der deutschen Unterhaltungslandschaft und den Akteuren darin eine alles andere als positive Entwicklung.
Angefangen mit dem sich ständig wiederholenden Mythos, dass man heute ja nichts mehr sagen dürfe. Was nicht selten zur Primetime lauthals gesagt wird.
"Das ist völliger Unsinn", sagt der 60-Jährige im aktuellen Interview des Männermagazins.
"Der Einfluss von Politik oder Kirche auf die Medien war in den 70er- und 80er-Jahren wesentlich stärker – und das ganz offen. Bestimmte Dinge durften tatsächlich nicht gesagt werden. Heute hat man eher Angst vor einem sogenannten Shitstorm oder vor Kritik."
Daher würden sich viele Institutionen und Medien vorsichtshalber im Voraus schon selbst beschränken.
Doch es gibt durchaus Bereiche, in denen es heute schlimmer sei als früher. Stichwort Reality-Formate. Hier sei das Fernsehen "noch wesentlich schlimmer, als ich es mir damals in meinen kühnsten Albträumen hätte vorstellen können", so der Kritiker.
TV zeigt heutzutage vor allem "hauptberuflich talentfreie Menschen"
Früher war es immerhin eine Leistung, im TV zu sein. "Plötzlich kamen sehr viele hauptberuflich talentfreie Menschen ins Fernsehen und wetteiferten darum, wer sich am lautesten und asozialsten verhält, wer am meisten Haut zeigt oder einfach nur am blödesten ist. (...) Jeder Zuschauer soll sich überlegen fühlen und über die armen Idioten lachen können, das ist purer Zynismus und hat mit dem Fernsehen, mit dem ich aufgewachsen bin, nichts mehr zu tun."
In dem Playboy-Interview spricht der Podcaster außerdem über den "immens überteuerten Raab-Kauf mit Fünf-Jahres-Fußfessel" von RTL und Sender-Entscheider, die das "Publikum grundsätzlich für viel dümmer als sich selbst" halten.
Zudem gibt er eine Prognose zu der "Wetten, dass..?"-Sendung mit Bill und Tom Kaulitz (36) ab. Er zeigt sich dabei zwar nach eigenen Worten skeptisch, werde sich die Show aber ansehen. Immerhin neigt er dabei dazu, ein gewisses Wohlwollen bestehen zu lassen: "So ein ikonisches Erbe zu übernehmen, ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Ich sage daher nur: Lasst die Jungen mal machen!"
Oliver Kalkofe ist dieses Jahr auf Lesetour mit seinem neuesten Buch "Nie war Früher schöner als Jetzt". Die aktuelle Playboy-Ausgabe ist bereits im Handel.
Unter anderem mit "Sporty Spice" Melanie C., dem scheidenden "Goodbye Deutschland!"-Stammgast Nicole Töpperwien als Coverstar und 1990er-Weltmeister Pierre Littbarski im Interview.