Er hing mit der Hälfte seines Körpers aus dem Flugzeug: Passagier überlebt Fensterbruch in 4500 Metern Höhe
Thessaloniki/Memmingen - Für Ljubisa Karovic (62) und seine Frau Svetlana sollte es ein entspannter Rückflug aus dem Griechenland-Urlaub werden. Binnen weniger Sekunden entwickelte sich der Trip von Thessaloniki (Griechenland) nach Memmingen (Bayern) in einer Ryanair-Maschine zu einem absoluten Albtraum: Der Serbe wurde fast 4500 Meter über der Erde aus dem Flieger gesogen.
Wie Karovic dem britischen Magazin Daily Mail berichtete, sei er kurz nach dem Start auf seinem Fensterplatz 11F eingeschlafen. Trotz des erholsamen Urlaubs hätten sich der 62-Jährige sowie seine Partnerin auf die Reise nach Deutschland gefreut. Der Grund: Sein Bruder feierte 60. Geburtstag.
Während seines Nickerchens wurde Karovic durch einen gewaltigen Knall geweckt. "Ich erinnere mich nur an die Explosion". Das Geräusch habe sich "wie eine Bombe" angehört. Danach passierte alles auf einmal. Durch den plötzlichen Druckabfall wurde der Serbe aus seinem Sitz gerissen.
Sein Kopf sowie Schultern und ein Arm ragten bereits aus dem zerstörten Fenster - während die Ryanair-Maschine mit gleichbleibend hoher Geschwindigkeit weiterflog. An den Moment selbst könne sich der 62-Jährige kaum noch erinnern. Bereits wenige Sekunden nach seinem Erwachen wurde Karovic ohnmächtig.
Seine Partnerin Svetlana, die eine Reihe hinter ihm saß, erlebte den erschreckenden Moment aus nächster Nähe. Nachdem sie einen lauten Knall hörte und die Sauerstoffmasken heruntergefallen waren, ging ihr erster Blick zu Karovic. In diesem Moment hing der 62-Jährige bereits mit der Hälfte seines Körpers aus dem Flugzeug.
Ohne zu zögern, sprang Svetlana von ihrem Sitzplatz auf, um ihren Mann zur Hilfe zu eilen. Gegenüber Daily Mail erklärte seine Partnerin, sie habe "sofort nach seinem Arm und seinen Beinen gegriffen". Svetlana versuchte den 62-Jährigen zurück ins Flugzeug zu ziehen - jedoch ohne Erfolg. Erst als andere Passagiere eingriffen, konnte Schlimmeres verhindert werden.
Während des Vorfalls: Flugbegleiter sollen nicht eingegriffen haben
Nachdem der 62-Jährige wieder ins Flugzeug gezogen wurde, versuchte Svetlana das zerstörte Fenster mit einer Tasche zu verdichten. Später kam ein Koffer zum Einsatz. Durch den Luftstrom erlitt Karovic schwere Verbrennungen im Gesicht sowie an seinem rechten Arm.
Zusätzlich verletzte sich der 62-Jährige an Hals und Schulter. Rund sechs Tage verbrachte er in einem Krankenhaus, bevor er wieder nach Hause konnte. - nun muss Karovic eine Halskrause tragen. Die psychischen Folgen des verheerenden Vorfalls seien jedoch enorm.
Nachts höre er immer wieder die Explosion und könne infolgedessen kaum noch schlafen. Allein wieder in ein Flugzeug zu steigen, löse bei dem 62-Jährigen panische Angst aus. Ob er jemals wieder so reisen könne wie früher, wisse er nicht.
Besonders entsetzt sei das Paar über das Verhalten der Kabinenbesatzung sowie des Unternehmens selbst. Während das Unglücks seien die Flugbegleiter auf ihren Sitzen angeschnallt geblieben und hätten nicht eingegriffen.
Titelfoto: Fotomontage/Screenshot/Facebook/Karovic Ljubisa/Agostime/EUROPA PRESS/dpa

