CSD-Anschlag in Berlin: Die erschreckenden Parallelen zum Fall Anis Amri

Berlin - Hätte die schreckliche Tat vom CSD verhindert werden können? Es hat allen Anschein. So einfach ist es dann allerdings doch nicht. Was aber bleibt, sind viele Fragezeichen und erschreckende Parallelen zu Anis Amri (†24).

Sowohl Anis Amri (†24, l.) als auch Abdul B. (†21) gelang zunächst die Flucht.  © Bundeskriminalamt/DPA, Polizei Berlin/dpa

Vor zehn Jahren entschloss sich der Islamist Amri am 19. Dezember 2016 mit einem Lkw über den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz zu fahren. Zwölf Menschen verloren ihr Leben, Dutzende wurden verletzt, ein weiteres Opfer starb an den Spätfolgen 2021.

Amri flüchtete und wurde vier Tage später von der Polizei in Italien erschossen.

Auch ihn hatten die Behörden im Visier - sogar lange vor dem Anschlag. Da sich aber keine Hinweise auf akute Anschlagspläne ergaben, wurde die Überwachung mangels dringenden Tatverdachts eingestellt. Rund zwei Monate später führte der Tunesier den Terroranschlag durch.

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Beim CSD-Attentäter Abdul B. war es sogar so, dass er nur wenige Wochen vor der Tat noch vor Gericht stand. Er hatte zuvor versucht, sich dem IS in Syrien anzuschließen, wurde aber im Libanon verhaftet und anschließend nach Deutschland zurückgeholt.

Im Mai wurde er in Berlin wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt - auch weil er zuvor lange in U-Haft und bereits im Libanon drei Monate im Knast saß.

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Polizei observierte Abdul B. zwei Tage vor der Tat

Eine Mutter aus Polen überlebte den Terroranschlag nicht.  © Sebastian Gollnow/dpa

Die Behörden hatten ihn danach im Blick. Erst intensiver, dann nicht mehr. Eine Kamera wurde vor seinem Haus installiert, auch sein Telefon wurde überwacht. "Er war relativ wenig unterwegs und hatte einen stinknormalen Tagesablauf", erklärte LKA-Vizechef Stefan Redlich im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Am 23. Juli observierte das MEK zuletzt Abdul B. Zwei Tage später zog er den folgenschweren Anschlag durch. Statt eines Lasters nutzte er dafür einen weißen Van, den er unter seinem eigenen Namen gemietet hatte. Eine Mutter aus Polen verlor ihr Leben, 31 weitere Menschen wurden verletzt.

Auch Abdul B. gelang zunächst unerkannt die Flucht, ehe er keine 24 Stunden später in einer Kleingartenanlage in Spandau erschossen wurde.

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Wie Amri sympathisierte Abdul B., der ebenfalls als "Gefährder" eingestuft wurde, stark mit dem IS. Zwei seiner Cousins hätten sogar für die Terrororganisation gekämpft, einer sei getötet worden. Auf seinem Handy wurde zudem ein IS-Bekennervideo gefunden.

Abdul B. ist bei einem Polizeieinsatz in Spandau ums Leben gekommen.  © Julian Stähle

Polizeipräsidentin Barbara Slowik verteidigt Vorgehen der Polizei

Haben die Behörden wie bei Amri, zu dem es mehrere Untersuchungsausschüsse gab, Fehler gemacht? Hätte es alles verhindert werden können, weil sie Abdul B. schon auf dem Radar hatten? Ganz so einfach ist es dann nicht.

"Wir haben diesen Mann überhaupt nicht aus dem Blick gelassen, in keiner Weise und schon gar nicht aus Ressourcengründen", verteidigt Polizeipräsidentin Barbara Slowik (60) im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses das Vorgehen der Polizei.

Observationen hätten das Ziel, eine Datengrundlage zu schaffen und Bewegungsbilder zu erstellen und nicht Taten zu verhindern. "Selbst wenn man jemanden ganz eng begleitet, wenn der in einen Bus steigt, ist das LKA im Auto dahinter und könnte eine Tat in einem Bus nicht verhindern. Das ist also kein Allheilmittel."

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