Drama um Buckelwal "Timmy": Hätte sein Tod so verhindert werden können?
Insel Poel/Anholt - Nach dem Tod von Buckelwal "Timmy" sind weiter viele Fragen offen. Klar scheint mittlerweile, dass der Transport in der Barge für den Ozeanriesen eine einzige Tortur gewesen sein muss – geht es nach Unternehmer Thomas Stelzl (60), hätte die Odyssee so niemals stattfinden dürfen.
Der Österreicher, der seinerseits Anfang April ein letztlich nicht beachtetes Konzept zur Rettung des Tieres bei Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium eingereicht hatte, übte gegenüber TAG24 nicht nur deutliche Kritik an Minister Till Backhaus (67, SPD), sondern auch an dem Vorgehen der privaten Rettungsinitiative.
Zwar sei das Engagement der beiden Initiatoren und Geldgeber Walter Gunz (79) und Karin Walter-Mommert (62) "großartig" und "beispielhaft" gewesen, die technische und organisatorische Umsetzung bezeichnete der 60-Jährige jedoch als "Katastrophe".
Demnach sei von Anfang an klar gewesen, dass die Barge für den Transport des Wals und insbesondere die Fahrt auf dem offenen Meer "vollkommen ungeeignet" sei. Das Konzept hätte "niemals genehmigt" werden dürfen, merkte der langjährige Firmenpartner von Formel-1-Legende Niki Lauda (†70) an.
Diese Befürchtungen, die sich letztlich bewahrheitet hätten, habe Stelzl auch frühzeitig an Initiator Gunz kommuniziert – verbunden mit einem Alternativvorschlag, der "Timmy" laut seiner Aussage viel Leid erspart hätte.
Alternativkonzept sah vor, "Timmy" auf einem Schiff zu transportieren
Der Ansatz sah demnach vor, den Wal mit einem Kran schonend aus der Barge herauszuheben und auf ein spezielles Transportschiff, die "EDT PROTEA", umzuladen. Das Kransystem des Schiffes sei für eine Last von bis zu 50 Tonnen ausgelegt, weshalb "Timmy" problemlos hätte gehoben werden können.
Teil des Konzeptes sei zudem die Installation eines 18 mal 5 Meter großen Pools auf dem Deck des Schiffes gewesen. In diesem Pool hätte der Wal die weitere Reise in die Nordsee oder den Atlantik laut Stelzl ohne Verletzungsrisiko antreten können. Darüber hinaus wäre eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch die Initiative möglich gewesen.
Initiator Gunz habe auch zugestimmt, dass der Wal irgendwo im Skagerak vom Schleppverband an die "EDT PROTEA" übergeben werde, allerdings habe sich die Lieferung des zwingend benötigten Walgeschirrs, in dem "Timmy" angehoben worden wäre, durch den Feiertag am 1. Mai derart verzögert, dass die Idee letztlich doch verworfen worden sei.
So kam es, dass der Ozeanriese weiter in der Barge transportiert wurde, ehe er am 2. Mai unter weiterhin fragwürdigen Umständen in der Nordsee freigelassen wurde. Am 15. Mai strandete er schließlich tot vor der Insel Anholt.
Titelfoto: TST/2026
