Zwischen Tragik und Hoffnung: So hielten uns die Leipziger Löwen 2020 auf Trab

Leipzig - Vor genau einem Jahr begann das wilde Treiben im Leipziger Löwengehege: Am 26. und 27. Dezember 2019 vergrößerte sich die Familie von Kigali und Majo um fünf flauschige Babys. Ihr Elternglück währte allerdings nicht lange - denn innerhalb eines Jahres kann leider viel passieren.

Am 26. und 27. Dezember 2019 geboren: Die fünf Weihnachtswunder im Zoo Leipzig.
Am 26. und 27. Dezember 2019 geboren: Die fünf Weihnachtswunder im Zoo Leipzig.  © Zoo Leipzig

Die Geburt, die am zweiten Weihnachtsfeiertag ihren Lauf nahm, wurde von den Tierpflegern mit viel Vorsicht und Sorge beobachtet. Denn Kigali wurde nicht zum ersten Mal Mutter.

Bereits wenige Monate zuvor hatte die Löwin zwei Jungtiere geboren, eines verstarb bei der Geburt. Zunächst sah alles gut aus, dann wendete sich das Blatt: Kigali tötete ihre Kinder bei der Fellpflege und fraß sie komplett auf (TAG24 berichtete). Ein Schock für den Zoo.

Nach dem traurigen Vorfall wurde spekuliert, ob Kigali mit ihrer Rolle als neue Mutter überfordert gewesen war. Oder vielleicht waren die Babys unbemerkt erkrankt und von der Löwin von ihrem Leid erlöst worden? Man weiß es bis heute nicht.

Aufgrund dieses schockierenden Vorfalls behielten die Tierpfleger die Löwen-Babystube nach Weihnachten ganz genau im Blick. Und zunächst schienen sich die fünf Kitten prächtig zu entwickeln, ihre Mutter umsorgte sie wie aus dem Lehrbuch.

Doch auch diesmal sollte das Familienglück eine tragische Wendung nehmen.

Frühling: Kigalis zweiter Angriff

Majo hatte bis zu dem Tod zweier Jungtiere keinen Kontakt zu seinen Kindern - das sollte sich im März grundlegend ändern.
Majo hatte bis zu dem Tod zweier Jungtiere keinen Kontakt zu seinen Kindern - das sollte sich im März grundlegend ändern.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Etwa zwei Monate lebten Kigali und ihre fünf zuckersüßen Sprösslinge im Zoo Seite an Seite, die Babys hatten sich inzwischen zu wahren Besuchermagneten gemausert.

Am 9. März erfolgte eine routinemäßige Impfung der Jungtiere - und plötzlich reagierte Kigali aggressiv. Dann ging alles ganz schnell: Die Löwin verletzte eines ihrer Kinder tödlich. Noch in der selben Nacht tötete sie ein weiteres Jungtier (TAG24 berichtete).

Wieder konnte man sich das Verhalten der Löwen-Mutter nicht erklären. Wieso rastete sie plötzlich aus? Vorsichtshalber trennte das Zoo-Personal Kigali von ihren Kindern, um diese sollte sich ab sofort Papa Majo kümmern. Der hatte seine Sprösslinge bisher nur aus einem anderen Gehege heraus beobachten können.

PETA sah die Schuld für den Tod der Löwen-Kinder beim Zoo selbst: "Die Herausnahme einzelner Tiere aus sozialen Strukturen sowie unnatürliche und viel zu kleine Gehege verursachen häufig schwere Verhaltensstörungen bei Großkatzen in Gefangenschaft." Die Tierrechtsorganisation appellierte an den Tierpark, die Löwenzucht einzustellen. Die Leipziger Mitarbeiter gehen davon aus, dass Kigalis Verhalten zum Teil die Konsequenz ihrer vorherigen Haltung in einem französischen Zoo ist.

Von nun an kümmerte sich also der schüchterne Majo um die verbliebenen drei Jungtiere. Na, ob das gut geht?

Sommer und Herbst: Majo glänzt als alleinerziehender Papa

Majo und seine Kids Hanna, Elsa und Mateo machen ein gutes Team!
Majo und seine Kids Hanna, Elsa und Mateo machen ein gutes Team!  © Zoo Leipzig

In den Monaten nach der räumlichen Trennung zwischen Kigali und ihren Babys entspannte sich die Lage in Leipzig langsam wieder.

Majo zeigte sich in seiner Rolle als alleinerziehender Vater der drei Raufbolde anfangs etwas überfordert und schien das Trio erstmal nur zu tolerieren.

Doch nach einer Eingewöhnungsphase hatten sich die Vier endlich eingespielt: So tollte Majo schon bald mit seinen Kindern übers Löwengehege, putzte sie und erzog sie von Babys zu Teenagern.

Seine neue Aufgabe schien ihm richtig gut zu tun: "Majo hat sein Verhalten völlig geändert. Er ist nicht mehr nur der Schattenkater, der dir immer nur ausgewichen ist, zeigt auch an, dass er der Chef der Anlage ist", erzählte Tierpfleger Jörg Gräser.

Kigali durfte sich leider nicht zu ihrer Familie gesellen, da sie immer wieder "aggressive Aussetzer" habe, bei denen sie gereizt auf den Anblick ihrer Kinder reagierte.

Im Juni stand dann die Taufe des Trios an, für die Zoo-Fans Namensvorschläge einsenden konnten. Am Ende wurde der einzige Junge Mateo getauft, während seine Schwestern die Namen Elsa und Hanna bekamen.

Und so wuchsen Mateo, Elsa und Hanna in der Obhut von Majo weiter heran. Doch die Zeichen stehen auf Abschied.

Winter: Löwen-Trio kehrt Elternhaus den Rücken

Majo und Kigali sind nun endlich wieder vereint.
Majo und Kigali sind nun endlich wieder vereint.  © Zoo Leipzig

Im Leipziger Zoo stand schon früh fest, dass man Kigali noch eine Chance auf eine glückliche junge Familie geben sollte.

Ein wichtiger Grund dafür sei vor allem ihre und Majos seltene Abstammung: Die jeweiligen Eltern beider Löwen wurden in freier Wildbahn geboren - was das Pärchen und ihre Gene in Deutschland zu wahren Unikaten macht. Die meisten Löwen in Zoos entstehen nämlich durch die dortige Zucht.

"Das ist natürlich extrem wertvoll für eine Zoo-Population, die schon viele viele Jahrzehnte in der eigenen Suppe kocht", so Tierpfleger Jens Hirmer über Kigalis und Majos besondere Abstammung und die Hoffnung auf erneuten Nachwuchs. "Wir würden's gern nochmal versuchen. Mit allen Risiken, aber eben auch mit allen positiven Seiten".

Währenddessen saß das junge Löwen-Trio bereits auf gepackten Koffern: Viele Zoos sollen sich um die Geschwister gerissen haben, eben auch wegen ihren seltenen Genen.

Eine permanentes Rudel aus Kigali und Majo sowie den drei Jungtieren wäre in den Augen des Leipziger Zoos zu risikoreich gewesen - vor allem angesichts Kigalis unberechenbarer Natur.

Schließlich war die Entscheidung gefallen: Mateo, Elsa und Hanna traten ihre gemeinsame Reise nach Berlin an. Währenddessen wurden ihre Eltern in Leipzig endlich wieder vereint.

Es war ein aufregendes Jahr mit vielen Höhen und Tiefen für die Löwen-Familie. TAG24 wünscht sowohl den drei Rabauken in Berlin als auch dem wieder vereinten Liebespaar in Leipzig ein tolles Jahr 2021!

Titelfoto: Bildmontage Zoo Leipzig

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