Skandal-Film des Jahres in Deutschland verboten? Das steckt wirklich dahinter

Los Angeles/Berlin - Wenn Uwe Boll (61), Armie Hammer (39) und Elon Musk (55) bei einem Film allesamt ihre Finger im Spiel haben, dann scheint ein Skandal vorprogrammiert. Als sich Stimmen laut machten, der Action-Thriller "Citizen Vigilante" wäre aufgrund seiner politischen Gesinnung in Deutschland verboten, war der Aufschrei perfekt. Der Wahrheit entspricht das allerdings nicht.

Das Plakat zum Skandal-Film "Citizen Vigilante"  © Quiver Distribution

Uwe Boll wird in den USA wegen seiner zahlreichen, oftmals rassistischen Trash-Filme gerne als "schlechtester Regisseur der Welt" betitelt. Für seinen neusten Streifen tat sich der Deutsche ausgerechnet mit Armie Hammer zusammen.

Die Karriere des Schauspielers schien nach Vergewaltigungsvorwürfen vorüber. Hammer bestritt diese stets vehement. Schlussendlich wurden die Ermittlungen aufgrund mangelnder Beweise eingestellt. Was dennoch in Erinnerung blieb waren Textnachrichten, in denen er "Ich bin zu 100 Prozent Kannibale. Ich will dich essen. Scheiße. Das ist so gruselig zuzugeben", zu einer Ex geschrieben haben soll.

Sein Comeback-Film erhielt von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft kürzlich kein FSK-Kennzeichen und damit hierzulande keine Altersfreigabe. Der Film sei in Deutschland verboten, hieß es schnell in Schwurbel-Kreisen.

Kino & Film News Fans hatten die Hoffnung schon verloren: Kult-Comedy kriegt doch noch einen dritten Teil!

In "Citizen Vigilante" spielt Hammer den Selbstjustiz-Killer Sanders, der äußerst brutale Rache an kriminellen Migranten nimmt. Im Film erklärt sein Charakter, dass die Öffentlichkeit eine Übernahme durch die "Woke Linke" und islamistische Extremisten nicht akzeptieren werde.

Boll und Trump-Kumpel Musk taten nach der FSK-Entscheidung so, als sei der Thriller in Deutschland de facto verboten. Letzterer lud ihn sogar für einige Tage auf X hoch, wo ein Millionenpublikum ihn umsonst ansehen konnte.

Anzeige
Elon Musk (55) machte X kurzerhand zur Streamingplattform.  © picture alliance / AP Photo/Mark Schiefelbein | Mark Schiefelbein
Mit "Citizen Vigilante" wollte Armie Hammer (39) seine Karriere wieder ins Rollen bringen. Ob das eine gute Idee war?  © Jordan Strauss/Invision/AP/dpa | Jordan Strauss

"Citizen Vigilante" von Uwe Boll wird von Rechten gefeiert und von Kritikern zerrissen

Uwe Boll (61) wird in den USA gerne als "schlechtester Regisseur aller Zeiten" betitelt.  © dpa/Bolu Filmproduktions- und Verleih GmbH

Tatsächlich dürfen Filme ohne eine Freigabe der FSK einem minderjährigen Publikum in Deutschland nicht gezeigt und - sollte eine "schwere Jugendgefährdung" festgestellt worden sein - nicht mehr öffentlich beworben werden.

Kommerziell hat das Konsequenzen, Kinos zeigen solche Filme in der Regel nicht. Verboten ist "Citizen Vigilante" aber trotzdem nicht - und erfreut sich durch den Wirbel nun wahrscheinlich sogar über mehr Aufmerksamkeit, als ihm eigentlich zuteilgeworden wäre.

"In Europa schrecken die Leute derzeit davor zurück, solch einen harten Politikfilm zu machen, aber ich habe immer versucht, Politik in Genrefilme zu schmuggeln", sagte Boll im Gespräch mit The Telegraph. "Das ist kein Dokumentarfilm, es ist ein Thriller und ich hoffe, dass die Zuschauer darauf reagieren."

Kino & Film News "Backrooms": Der Internet-Mythos hinter dem gruseligen Kinohit

Während "Citizen Vigilante" in rechten Kreisen nun regelrecht gefeiert wird, sprechen die Einschätzungen der wenigen Kritiker, die sich mit dem Film auseinandergesetzt haben, eine andere Sprache: "Der Film ist so erstaunlich schlecht, dass man fast das Gefühl hat, als würde Autor, Regisseur und Produzent Uwe Boll absichtlich seinen Star Armie Hammer sabotieren, dessen angestrebtes Comeback durch dieses Projekt nur gefährdet werden kann", heißt es beispielsweise bei Brachenportal Variety.

Mehr zum Thema Kino & Film News: