40 Grad, Moshpits und Gänsehaut: Kraftklub trotzt Hitzewelle

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Dresden - Die ersten dumpfen Bässe dröhnen bereits aus dem Rudolf-Harbig-Stadion. Trotzdem kommen noch immer Fans zum Konzert der Chemnitzer Band Kraftklub. Wasserflaschen in der einen, Fächer in der anderen Hand. Bei angekündigten Temperaturen von bis zu 40 Grad wollen sich viele erst kurz vor Konzertbeginn ins Dresdner Getümmel stürzen.

Selina (24, l.) und Leona (24) wollten sich Kraftklub trotz Hitze nicht entgehen lassen. Entsprechend waren die beiden jungen Frauen mit Fächer und dicker Ladung Sonnencreme vorbereitet.
Selina (24, l.) und Leona (24) wollten sich Kraftklub trotz Hitze nicht entgehen lassen. Entsprechend waren die beiden jungen Frauen mit Fächer und dicker Ladung Sonnencreme vorbereitet.  © Norbert Neumann

"Wir haben Wasser und Handtücher mit und haben uns eingecremt", erzählen Selina (24) und Leona (24), die bewusst erst später kommen. Auch Vivi (26) und Marko (26) lassen sich Zeit. Etwa "zehn Minuten, eine Viertelstunde" seien sie gerade erst da.

Annelie (21), Pauline (16) und ihre Freunde aus Cottbus, Finsterwalde und Berlin setzen ebenfalls auf Wasserflaschen und Handventilatoren. Die Vorfreude ist riesig – die Sorge vor der Hitze allerdings auch.

Nicht ohne Grund. Noch in den Tagen vor dem Konzert hatten viele Fans in den sozialen Netzwerken über eine Absage oder Verschiebung diskutiert. Hunderte Tickets wurden kurzfristig im Internet zum Verkauf angeboten.

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Veranstalter "Landstreicher" reagierte darauf mit einem erweiterten Hitzeschutzkonzept.

Annelie (21, l.) und Pauline (16) reisten mit ihren Freunden aus Cottbus, Finsterwalde und Berlin nach Dresden, um Kraftklub sehen zu können.
Annelie (21, l.) und Pauline (16) reisten mit ihren Freunden aus Cottbus, Finsterwalde und Berlin nach Dresden, um Kraftklub sehen zu können.  © Norbert Neumann
Offensichtlich konnte die Hitze den vielen Fans im Stadion nichts anhaben. Sie feierten einfach drauflos.
Offensichtlich konnte die Hitze den vielen Fans im Stadion nichts anhaben. Sie feierten einfach drauflos.  © Robert Michael/dpa

Kraftklub stürmt mit lautem Knall und Konfetti auf die Bühne

Auch für die Dresdner Feuerwehrleute Hannes Meisner (27, l.) und seinen Kollegen Jannik Reichelt (28) war das Konzert eine schweißtreibende Angelegenheit.
Auch für die Dresdner Feuerwehrleute Hannes Meisner (27, l.) und seinen Kollegen Jannik Reichelt (28) war das Konzert eine schweißtreibende Angelegenheit.  © Norbert Neumann

Auch für die Feuerwehr wurde der Abend zur Belastungsprobe. "Unsere Einsatzklamotten sind ziemlich dicht, um uns ja auch bei Brand vor der Wärme zu schützen. Dementsprechend schwitzt man unter der Klamotte dann doch sehr stark", sagt Hannes Meißner (27).

Sein Kollege Jannik Reichelt (28) hätte das Konzert eigentlich privat besucht. "Ich hatte auch schon ein Ticket." Statt vor der Bühne zu stehen, schiebt er Dienst.

Während Rapper Yung Pepp (18) den Abend eröffnet und anschließend die Chemnitzer Band Blond um die Schwestern von Kraftklub-Frontmann Felix Kummer (37) das Publikum auf Betriebstemperatur bringt, füllt sich das Stadion immer weiter. Viele Plätze, die zunächst noch frei wirkten, sind pünktlich zum Hauptact besetzt.

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Dann wird es 20.50 Uhr. Ein Knall. Konfetti schießt in den Abendhimmel. Felix Kummer, Karl Schumann (37), Till Kummer (35), Steffen Israel (Steffen Thiede, 40) und Max Marschk (38) stürmen mit "Marlboro Mann" auf die Bühne. Und plötzlich spricht niemand mehr über die Hitze.

Kraftklub-Frontmann Felix Kummer bringt Stadion zum Beben

Kraftklub-Frontmann Felix Kummer (37) brachte das Harbig-Stadion zum Glühen, ...
Kraftklub-Frontmann Felix Kummer (37) brachte das Harbig-Stadion zum Glühen, ...  © Robert Michael/dpa

Wo eben noch Fans im Innenraum saßen, um Kräfte zu sparen, entstehen Moshpits. Tausende springen, tanzen und singen jede Zeile mit. Egal ob Klassiker oder neue Songs – das Publikum zeigt sich vom ersten bis zum letzten Lied absolut textsicher.

Felix Kummer führt locker und mit viel Witz durch den Abend. Erst scherzt er darüber, dass die Band bei "nur" 40 Grad vorsichtshalber mit Jacken auf die Bühne gekommen sei. Wenig später leiht er sich kurzerhand den riesigen Sombrero eines Fans aus und spaziert grinsend damit über die Bühne.

Immer wieder lässt er Zehntausende Zuschauer ihre Fächer in die Höhe halten und schließlich synchron nach links und rechts wedeln. Von den Tribünen sieht es aus, als würde das gesamte Stadion im Takt schwingen. Zwischendurch sorgt sogar eine Schneekanone für eine willkommene Abkühlung.

Der wohl emotionalste Moment folgt bei "Schief in jedem Chor". Über 30.000 Handylichter verwandeln das Rudolf-Harbig-Stadion in ein riesiges Lichtermeer. Die Band wirkt sichtlich bewegt und bedankt sich immer wieder bei ihren Fans.

... hatte für seine Fans aber auch eine willkommene Abkühlung mit auf der Bühne.
... hatte für seine Fans aber auch eine willkommene Abkühlung mit auf der Bühne.  © Robert Michael/dpa

Hitzeschlacht wird zu rauschender Sommerparty in Dresden

Bei den Temperaturen kam jeder Tropfen Wasser gerade recht.
Bei den Temperaturen kam jeder Tropfen Wasser gerade recht.  © Robert Michael/dpa

Trotz der Rekordtemperaturen muss das Konzert kein einziges Mal unterbrochen werden.

An den Trinkwasserstationen herrscht zwar Dauerbetrieb, das Hitzeschutzkonzept geht jedoch auf. Irgendwann kleben Shirts, Arme und Bierbecher gleichermaßen – gestört hat das längst niemanden mehr.

Nach "Songs für Liam" regnet ein letztes Mal Konfetti vom Himmel. Wenig später strömen Tausende erschöpft, durchgeschwitzt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht aus dem Stadion.

Was am Nachmittag noch wie eine Hitzeschlacht wirkte, endete als rauschende Sommerparty.

Über 40 Grad wurden angekündigt – in Erinnerung bleiben dürfte den meisten Fans aber etwas ganz anderes: ein Kraftklub-Heimspiel, das Dresden trotz Rekordhitze zum Beben brachte.

Titelfoto: Montage: Norbert Neumann (2), Robert Michael/dpa (3)

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