Boris Becker spricht Klartext über Knastzeit: "Du dachtest, dass Du im Irrenhaus bist"

München - Boris Becker (55) erzählte am Dienstagabend zwei Stunden lang über seine Zeit im Gefängnis, Bedrohungen, Mithäftlinge und über seine Rückkehr nach Deutschland. Im "SAT.1 Spezial. Boris Becker" stand er Moderator Steven Gätjen (50) Rede und Antwort.

Boris Becker (55) hat im Gefängnis abgenommen. Er wirkt kantiger, die Haare sind länger und er wirkt vor allem geerdet!
Boris Becker (55) hat im Gefängnis abgenommen. Er wirkt kantiger, die Haare sind länger und er wirkt vor allem geerdet!  © SAT.1/Nadine Rupp

Becker schockierte vor allem mit den Erzählungen aus seinem Gefängnisaufenthalt.

So wurde er in die Kategorie "high risk" eingestuft, dazu zählen neben Kinderschändern und Mördern auch Personen, wie er, die besonders geschützt werden müssen, da Angriffe vermutet wurden.

Nach seiner Verlegung ins Huntercombe-Gefängnis im Westen Londons wollte ein Häftling ihn sogar umbringen. Bereits im Wandsworth-Gefängnis wurde er von Straftätern bedroht.

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Zudem sprach Becker davon, dass er "zum ersten Mal das starke Gefühl von Hunger" gehabt habe. Der 55-Jährige nahm mehrere Kilo ab.

Was Becker sonst noch erzählte, könnt Ihr in unserem Liveticker nachlesen.

22.30 Uhr: Boris Becker bestellte Sushi als erstes Gericht in Freiheit - Leben in Deutschland kann er sich nicht vorstellen

Am Donnerstag ist die Tennislegende drinnen geblieben und hat sich "Sushi und Sashimi mit einer Miso-Suppe" bestellt. Becker erzählt, dass es ihm "wirklich nicht gut ging".

Die Tennislegende schaut aber zielstrebig in die Zukunft. "Ich bin ein freier Mann. Ich habe mir seit 2012 Geld geliehen, das ist jetzt vorbei. Ich will noch 25 gute Jahre vor mir haben, hoffentlich mit meiner großen Liebe Lillian. Ich glaube nicht, dass ich in Deutschland leben werde, weil ich meine Privatsphäre schützen will. Ich glaube, das geht hier nicht. Vielleicht wird es Miami oder Dubai, aber ich kann dir noch nicht sagen, wohin es mich zieht", erklärt Becker.

Zum Ende hat der 55-Jährige noch ein paar emotionale Worte für seine Freundin Lillian. "Sie ist eine kluge und intelligente Frau und ich höre ihr gut zu. Ich werde nichts über unser Privatleben oder unsere Pläne sagen. Ich hoffe, es ist für immer und ewig."

Gätjen stellt die letzte Frage: "Wo siehst du dich mit 65 und 75?"

"Umringt von meinen Kindern. Ich bin ein Familienmensch", Becker weint erneut und bittet um kurze Zeit.

"Der Grund warum ich alles tue, alles, was mich motiviert, sind meine Kinder", sagt Becker und klärt gleichzeitig auf, was er trinkt: Es ist Apfelsaft.

"Ich bin ein besserer Mensch als vorher", schließt Boris Becker das Interview ab. Danach ist Schluss und das zweistündige Gespräch ist beendet.

22.15 Uhr: Boris Becker landete heimlich in Stuttgart!

Boris Becker spricht jetzt über seine Entlassung aus dem Gefängnis in London.

"Am 12. Dezember bekam ich grünes Licht, dass ich am 15. Dezember früh das Gefängnis mit einer Privatmaschine nach Deutschland verlassen dürfe. 7.15 Uhr saß ich angezogen auf meinem Bett, mit einer kleinen Tasche und dann haben sie mich abgeholt. Dann gab es nochmal einen Ganzkörperscan", erzählt er.

Becker möchte bescheidener leben, wollte sich "ein eigenes Ticket kaufen" für einen Linienflug nach Deutschland. Irgendwann war es ihm allerdings zu viel Öffentlichkeit und er fragte für eine Privatmaschine an. "Ein Freund von mir hat mir das angeboten", sagt er. Bezahlt hat er den Flieger aber nicht - "Ich kann das nicht", gesteht er offen und ehrlich ein.

Die Tennislegende erzählt, dass er bewusst in "Stuttgart landen wollte und nicht in Frankfurt". Er wollte keine Öffentlichkeit, sondern Privatsphäre. "Es war kein Mensch am Flughafen. Die Polizei hatte meinen Pass untersucht und gesagt: 'Willkommen zurück'."

Becker erzählt, dass er ein Auto organisiert habe und durch ein "befreundetes Ehepaar, in einer fremden Wohnung in der Nähe von Heidelberg bleiben konnte". Dort habe er dann auch sein erstes Bier in Freiheit getrunken. Es war "das beste Bier meines Lebens".

22.09 Uhr: Klausel im Vertrag ermöglicht, dass die Becker-Mama weiterhin im Elternhaus in Leimen wohnt

"Zum Glück habe ich vor über 10 Jahren eine Klausel in den Vertrag gemacht, wo sie lebenslanges Wohnrecht hat. Das Haus hat jemand gekauft, es gehört nicht ihr und nicht mir, aber sie darf bis zum Ende ihres Lebens darin wohnen", erklärt Boris Becker.

Er sieht als großes Problem für seinen finanziellen Niedergang, dass "Sportler denken, dass sie nach ihrer Karriere genauso weiterleben und mit dem gleichen Luxus." "Aber man verdient nicht mehr das Gleiche. Dann kommen Steuernachzahlungen, Scheidungen und Unterhalt und irgendwann hast du nichts mehr", sagt Becker.

Er gesteht sich selbst ein, in Zukunft bedachter mit Geld umzugehen. "Ich kann nur das ausgeben, was ich verdiene. Ich muss deutlich vorsichtiger mit Beratern und Freunden sein. Ich werde keine Verträge mehr unterschreiben, die ich nicht von A-Z gelesen habe. Ich habe seit 2017 ein ganz neues Umfeld, Menschen, die mich schätzen und keine Öffentlichkeit brauchen", nimmt sich Becker für die nächsten Jahre vor.

22.02 Uhr: Nach der Pause spricht Boris Becker über seine Geldprobleme

Gätjen fragt: "Du hast viel Geld verdient, Werbedeals abgeschlossen. Hast du jemals gewusst, wie viel Geld du hast und wie viel du ausgibst?"

"Nein, ich wusste nicht, wie viel Geld ich habe und ausgebe", gesteht Becker. Er spricht von seiner Intention, wie er anfing Tennis zu spielen. "Geld war noch nie meine Motivation. Ich habe mit 17 meine erste Million verdient, habe aber teils vergessen, mein Preisgeld abzuholen. Geld hat mich nie interessiert und war nie die Motivation, das zu tun, was ich tue. Mich interessiert der Erfolg", erzählt Becker.

Es war allerdings nur so lange uninteressant, "bis ich es nicht mehr hatte".

"Bis 2017 habe ich alle Rechnungen bezahlen können. Bis es eine Auseinandersetzung mit einer englischen Privatbank um 3,5 Millionen Euro gab. Sie riefen 25 Prozent Zinsen auf, die wollte ich allerdings nicht zahlen. Die Bank hat vor Gericht Recht bekommen", erklärt Becker, wie er in die Insolvenz kam. "Eine Richterin hatte mich für insolvent erklärt und das Insolvenzverfahren eröffnet. Dann kam der Insolvenzverwalter, vor dem man die Hosen runterlassen muss", beschreibt Becker die Situationen rund um seine finanziellen Missstände.

Becker spricht von den Dingen, die er während der Insolvenz verloren hat. Darunter befinden sich unter anderem "die Finca auf Mallorca im Wert von zehn Millionen Euro, meine Wohnung in Chelsea für 2,5 Millionen Pfund (5 Millionen Euro), mein Elternhaus in Leimen, wo meine Mutter immer noch wohnt".

21.50 Uhr: In Huntercombe wurde Boris Becker zur Vaterfigur im Gefängnis - "Vielleicht habe ich das gebraucht"

Nach drei Monaten wurde Becker in Huntercombe in einen anderen Flügel verlegt, weil er unterrichtet habe.

"Ich war dann wie eine Vaterfigur im Gefängnis, aber sie haben nicht dem Tennisspieler Boris Becker zugehört, sondern dem Menschen", erzählt Becker über die "schlimmste Zeit seines Lebens". Die Mithäftlinge waren genauso alt wie seine Kinder, aber "vielleicht habe ich das gebraucht", sagt Becker.

"Ich habe über Jahre Fehler gemacht und hatte falsche Freunde. Ich habe mich treiben lassen, habe nicht gut genug organisiert. Der Gefängnisaufenthalt hat mich zurückgeholt", gesteht sich die einstige Tennislegende selbst ein und will "diesen Weg nicht mehr verlassen und mir treu bleiben".

Vor der Pause schließt er mit den Worten ab: "Ich glaube das Gefängnis war gut für mich."

Nach der Werbung spricht der Ex-Häftling dann über seinen ersten Tag in Freiheit.

21.47 Uhr: "Die Nächte im ersten Gefängnis waren ein Gräuel"

"Du dachtest nach drei, vier Tagen, dass Du im Irrenhaus bist", erzählt Becker von den Nächten im Gefängnis. Er erzählt von "Flehen der anderen Häftlingen" und das Austauschen von Schimpfwörtern zwischen den Häftlingen. Becker spricht von einem sehr schlimmen verbalen Umgang zwischen den Häftlingen in Wandsworth. "Das sind Beleidigungen, die kannst du dir nicht ausdenken", sagt er zu Moderator Gätjen.

21.40 Uhr: Boris Becker wollte keinen Besuch von seinem jüngsten Sohn - Verhältnis zu Sharlely schwierig

"Ich bin sehr stolz auf meine vier Kinder. Ich habe mit allen gesprochen. Leider zu wenig mit meinem Kleinen (Amadeus, 12)", sagte Becker über seine Kids.

Allerdings wollte er nicht, dass er ihn besucht. "Ich wollte nicht, dass er mich besucht. Ich wollte nicht, dass er dieser Situation ausgesetzt wird und von einem Wärter vor mir weggerissen wird", begründet Becker seine Entscheidung.

Der Aufenthalt im Gefängnis hat aber besonders die Bindung zu seiner Tochter Anna Ermakova gestärkt. "Ich habe noch nie so oft und regelmäßig mit ihr gesprochen wie im Gefängnis", erzählt Becker.

Er gesteht ebenfalls ein schwieriges Verhältnis zur Mutter von Amadeus zu haben. "Lilly hat mich gebeten, sie so nicht mehr zu nennen. Das war ja ein Name, den ich ihr gegeben habe, den die Medien aufgenommen habe. Deswegen spreche ich sie mit ihrem richtigen Namen 'Sharlely' an. Ich bin aber nicht der Typ der negativ über eine Ex-Beziehung oder Frau spricht. Ich möchte ihr nichts Böses wünschen", versucht Becker die Situation diplomatisch zu lösen. Zwischen den Sätzen spürt man aber, dass es wohl zwischen beiden nicht mehr wirklich harmoniert.

"Privat würde ich zu Hause einige Dinge sagen, aber das gehört sich hier nicht", sagt der 55-Jährige.

21.35 Uhr: "Emotionales Highlight des Monats, wenn sie kam"

Weiter geht's! Becker spricht von den Besuchen seiner Freundin Lillian. Es war für ihn ein "emotionales Highlight des Monats".

Auf seine Partnerin wurde er sogar von anderen Mithäftlingen angesprochen: "Wie hast Du das hinbekommen, so eine hübsche Frau zu Hause zu haben."

Besonders schlimm waren für ihn die Abschiede. "Man möchte zusammen nach Hause gehen und zum Italiener gehen, eine Pasta essen und Weißwein trinken, aber dann gehst du zurück und denkst dir: Scheiße. Das war immer ein brutaler Moment", beschreibt Becker. Dass seine Lillian die Liebe zu ihm verliert, habe er aber nie geglaubt.

"Wir haben jeden Tag mindestens einmal telefoniert und haben uns über das Telefon geholfen. Es gab auch Momente, wo ich sie übers Telefon emotional halten musste. Wir haben das gemeinsam als Paar überstanden", sagt Becker. Seine Freundin Lillian sitzt übrigens im Publikum.

21.23 Uhr: "Michael Stich hat mir einen dreiseitigen Brief geschrieben" - Becker weint!

Er wollte auf keinen Fall auffallen, aber bekam jeden Tag dutzende Briefe. "Ich habe so viele Briefe von Freunden und Fans bekommen. Ich habe sie alle gelesen, aufgehoben und will sie jetzt über Weihnachten alle beantworten", erzählt Becker.

Gätjen hakt nach: "Hat dir jemand geschrieben, von dem du es nicht erwartet hast?"

"Ja, Michael Stich (ehemaliger Rivale) hat mir einen dreiseitigen Brief geschrieben. Mit lieben Worten, das habe ich so nicht erwartet", Becker stockt wieder ab und ringt mit den Tränen. Ein sehr emotionaler Moment für die Tennislegende!

Auch ehemalige Kollegen haben ihm geschrieben. Darunter: Davis-Cup-Kollegen Patrick Kühnen und Eric Jelen, sowie Barbara Ritter und Matthias Stach von Eurosport. "Das hat mir die Kraft gegeben", sagt Becker.

Danach ist erneute Werbeunterbrechung. In der Vorschau wird gezeigt, wie der 55-Jährige über seine Familie und die Zeit danach spricht.

21.18 Uhr: Wann hatte er den ersten Kontakt zu seiner Mutter?

Becker erzählt, wie er mit einem Priester am Muttertag seine Mutter anrief. "Wir haben fünf Minuten gesprochen. Ich habe sie beruhigt, dass sie sich keine Sorgen machen soll - das war natürlich gelogen, es war gefährlich. Das war aber ein wichtiger Anruf, sie hat meine Stimme gehört und daran gemerkt 'Dem geht's ganz gut'", erzählt Becker vom Gespräch mit seiner Mama.

Als kompliziert beschreibt Becker auch seinen Geburtstag, den er im Gefängnis verbrachte. "Es war schwierig, ich dachte nie, dass ich mal einen Geburtstag im Gefängnis verbringen würde", sagt er.

Besonders waren aber auch seine Mithäftlinge: "Ich bekam drei verschiedene Kuchen. So viel habe ich nicht mal in Freiheit bekommen", sagt er und spricht von einem enormen Zusammenhalt im Gefängnis, was er so "in der freien Wildbahn noch nie erlebt habe".

Titelfoto: SAT.1/Nadine Rupp

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