RTL-Legende Frauke Ludowig über Gil Ofarim: "Ich dachte, ich kenne ihn"
Köln/Leipzig - "Ich dachte, ich kenne ihn. Aber nach all dem, was war: Wer ist er wirklich?" Eine Frage, die sich Frauke Ludowig (62) in einem Interview mit Gil Ofarim (43) stellt, der aus unerklärlichen Gründen weiterhin der Auffassung ist, nichts zu seiner Fake-Story um den Davidstern sagen zu dürfen. Er behauptet: "Ich halte mich nicht für einen schlechten Menschen, bin aber Weißgott nicht perfekt."
"Ich bitte um Verständnis, dass ich weiterleben möchte" ist einer der prägenden Sätze der 50-minütigen Doku. Auch der von ihm bewusst zu Unrecht beschuldigte Hotelmitarbeiter Markus W. möchte das. Doch er kann schlecht abschließen, wenn Ofarim weiter Zweifel sät, sich selbst als Opfer darstellt und auch diesmal nicht sagen kann: "Ja, ich habe riesengroße Sch**ße gebaut, ich weiß nicht, was in mich gefahren ist und ich bereue es zutiefst." Nichts davon findet statt.
Warum also soll man einem Menschen, der seine Reichweite genutzt hat, um eine fremde Person zu Unrecht Judenfeindlichkeit zu unterstellen, eine zweite Chance geben, will die nach einem operativen Eingriff mit Augenklappe auftretende Ludowig wissen. "Ich kann nicht mehr machen, als es mir zu wünschen. Die Entscheidung liegt bei der Öffentlichkeit."
Die habe ihn durch Kommentare und persönliche Nachrichten den Eindruck vermittelt, dass man einen Schlussstrich unter die Leipzig-Geschichte ziehen wolle. "Das ist die eine Hälfte, es gibt aber noch die andere", kontert die Moderation. Und den Schlussstrich ziehen kann sowieso nur er selbst.
Aber statt in die Verantwortung zu gehen, glaubhafte Reue zu zeigen und seine nicht für möglich gehaltene Lüge auch als solche zu bezeichnen, drückt er diese Verantwortung also an alle anderen ab. Wieder in einer devoten, kleinlauten Opferrolle, in der er sich wohlzufühlen scheint.
Wieder nimmt sich Gil Ofarim aus der Verantwortung
"Ich kann die Menschen nicht davon überzeugen, wenn sie nicht wollen. Egal, was ich tun würde, die würden dabei bleiben." Eine Unterstellung, die bereits Sonja Zietlow (57) bei der Wiedersehens-Show geäußert hatte und sich klar hinter den Musiker positionierte.
"Es wird nichts ändern, wenn ich mich bei jedem Bürger dieses Landes entschuldige", drückt er erneut die Verantwortung ab. Entweder versteht er die Erwartung wirklich nicht oder er verdrängt sie. Denn Ofarim soll sich nur bei einem Menschen aufrichtig und glaubhaft entschuldigen. Und das ist Markus W. Die von einem Blatt Papier abgelesenen Zeilen reichen da einfach nicht.
Gil Ofarim könne sich nicht selbst beschreiben, äußert er in dem am vergangenen Donnerstag aufgezeichneten Gespräch. Er lässt vor Worten lieber Taten sprechen. Nur die rücken ihn - vorsichtig ausgedrückt - nicht ins beste Licht. Er sei in erster Linie "ein Papa, der beruflich Musiker, Schauspieler, Synchronsprecher ist und gelegentlich in TV-Shows auftritt".
"Ganz ehrlich wie du und ich" sei er. Vermutlich möchten sich aber nur die Wenigsten auf eine Stufe mit ihm stellen.
Davidstern-Skandal um Gil Ofarim: "Man hätte es anders lösen können"
"Bist du danach aufgewacht und hast dich gefragt: Was bin ich eigentlich für ein Idiot?", will Ludowig zum Leipzig-Skandal wissen. "Bei mir war das anders. Man hätte es anders lösen können: Das Video nicht posten. Ich hätte das gleich vor Ort mit meinem Management, was an dem Abend leider nicht dabei war ... Alles wäre nicht so weit gegangen, wären sie dabei gewesen."
Die Selbstvorwürfe und -zweifel würden "nichts bringen", habe er bei einer stationären Therapie gelernt, in der er auch vom Alkohol loskam, den er während des eingestellten Prozesses in rauen Mengen konsumiert habe. Am Ende der Prozesstage konnte er es "kaum erwarten, ins Hotelzimmer zu gehen und den Tag mit Alkohol zu beenden".
Bei null anfangen würde Gil Ofarim gern. Dafür hätte er aber auch das bereits um die Hälfte verringerte Schmerzensgeld an W. in Höhe von 20.000 Euro bezahlen müssen. Hatte er bis zu seiner Dschungelcamp-Teilnahme aber nicht. Und habe ohnehin bis Ende 2026 dafür Zeit.
Er hoffe, dass sein Umgang mit Menschen eher zeigt, wer er wirklich ist. Denn mit seiner Ruhe und dem konfliktscheuen Verhalten hatte er es zum Dschungelcamp-Gewinn geschafft. Nicht mit der längst überfälligen und ernstgemeinten Einsicht.
Und auch das noch: Ofarim stellt sich als Opfer von Internet-Mobbing hin, hat sich selbst aber erst in diese Position gebracht, indem er einen Fremden aufs Übelste diffamiert, dessen berufliches Standbein zerstört und für Auswirkung in dessen Privatleben gesorgt hatte. Doch nicht er ist der Böse, die anderen sind es offenbar. Wie so oft in seinen Äußerungen.
Titelfoto: Bildmontage: RTL

