Berlin - Das neue Berlin-Musical "Wir sind am Leben" taucht ein in das chaotische, hoffnungsvolle Jahr 1990 - eine Zeit, die auch das Leben von Peter Plate (58) und Ulf Leo Sommer (55) radikal veränderte. Im TAG24-Interview berichten die Musical-Macher, warum dieses Werk ihr persönlichstes ist.
Die Handlung spielt genau 1990, im Jahr der Wiedervereinigung - jenem Jahr, in dem auch Peter Plate und Ulf Leo Sommer nach Berlin-Friedrichshain kommen und sich dem Rhythmus einer pulsierenden Stadt hingeben, die sich in jedem Augenblick neu zu erfinden scheint.
"Ich kam aus Braunschweig, hatte mein Studium aufgegeben, und wir haben uns 1990 kennengelernt. Berlin war komplett im Umbruch: Wohnungen standen leer, Möbel lagen auf der Straße, jede Nacht machte ein neuer Club auf. Man hatte das Gefühl, man kann noch etwas mitgestalten", erinnert sich Plate.
Sommer, aus der DDR kommend und gerade noch bei der NVA gewesen, fügt hinzu: "Mit 19 war das das perfekte Alter. Für mich stand über allem Freiheit und Hoffnung. Ich war einfach froh, dass die Mauer gefallen ist. Man dachte wirklich: Jetzt setzen sich die Regeln neu zusammen."
In "Wir sind am Leben" - ihrem ersten komplett nach eigener Grundidee entwickelten Musical - lassen Plate und Sommer ihre persönlichen Erinnerungen an Freiheit, Verlust und Aufbruch in ihre liebevoll entwickelten Figuren einfließen. Wie zum Beispiel die Geschwister Nina (Celina Dos Santos) und Mario (Markus Spagl), die aus Wittenberg in die Hauptstadt kommen, gefolgt von Mutter Rosie, die gerade ihren Friseurladen verloren hat.
"Wir schreiben nicht direkt über uns, aber viel von uns, unseren Freunden und unseren Gefühlen steckt drin. Und man trägt Verantwortung - man darf diese Figuren nicht verraten", betont Plate.
"Wir sind am Leben": Trailer auf Instagram
Peter Plate und Ulf Leo Sommer über Berlin in den 1990ern
In den Songs mischen sich Euphorie, Sehnsucht und Bittersüßes - etwa wenn Bruno (Jörn-Felix Alt) der Welt nach seiner HIV-Diagnose ein trotziges "Ich werd' nicht weinen" entgegenhält und verzweifelt sein kleines Stück vom Glück einfordert.
"Es wurde gefeiert - und gleichzeitig gestorben. Gerade in Berlin war es die Hochzeit von HIV und AIDS. Viele Freunde und Bekannte sind gestorben. Es war nicht nur toll, es war auch brutal", beschreibt Sommer diese Zeit.
Plate betont: "Uns war wichtig, diesen Menschen ein Denkmal zu setzen. Sie haben Berlin zu dem gemacht, was es war: eine liberale, offene Stadt."
Die Idee zu "Wir sind am Leben" existierte bereits seit 2009, jetzt kommt das Musical auf die Bühne. "Weil jetzt der richtige Moment ist. Gerade in diesen dunkleren Zeiten blicke ich zurück auf dieses Grundgefühl von Freiheit und Hoffnung. Ich hätte nie gedacht, dass Rechte von queeren Menschen wieder in Gefahr geraten könnten", sagt Sommer.
Plate ergänzt: "Wir wollen Hoffnung machen - gerade jungen Menschen. Dinge können sich schnell ändern."
"Wir sind am Leben - Das Berlin-Musical" feiert seine Uraufführung am 21. März 2026. Der Vorverkauf läuft bereits. Einen musikalischen Vorgeschmack gibt es hier mit der Single "Kupferrot".