Hamburg - Als Taylor Swift 2024 in ihrem Song "The Tortured Poets Department" sang, Charlie Puth "should be a bigger artist", sorgte das für Schlagzeilen. Zwei Jahre später scheint der Sänger und Songwriter mit absolutem Gehör genau das geschafft zu haben: Mit seiner "Whatever's Clever! World Tour" ist er aktuell auf der bislang größten Tour seiner Karriere unterwegs. Für zwei Konzerte macht der 34-jährige US-Amerikaner auch in Deutschland Halt. Den Auftakt feierte er am Sonntagabend beim Stadtpark Open Air in Hamburg.
In der Hansestadt sei er – zumindest glaube er das – noch nie gewesen, höchstens einmal für eine Radio-Promo, erzählte Puth, der aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus kam.
"Es ist so wunderschön hier. Schaut euch nur an, wo ihr lebt. Ich glaube, das ist eine der schönsten Venues, die wir bisher gespielt haben. Wo hat man schon Gras vor der Bühne?", sagte der Sänger schon während der ersten Songs "Beat Yourself Up" und "How Long".
Überhaupt schien Puth nicht nur auf der Bühne mitten im Park, sondern auch allgemein auf deutschem Boden eine gute Zeit zu haben.
"Die Menschen sind so nett, die Luft so klar, der Kaffee so gut – und ich wurde heute fast von einem Fahrrad angefahren", erzählte er mit einem breiten Grinsen, trotz des Beinahe-Unfalls.
Auch die Akustik im "Grünen Wohnzimmer", wie die Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark auch genannt wird, hob der Musiker hervor: "Ich liebe Orte, die gut klingen."
Kein Wunder: Musik ist für den 34-Jährigen weit mehr als nur ein Beruf. Das wurde den ganzen Abend deutlich. Immer wieder verlor sich Puth in kleinen Jam-Sessions, überließ seinen Bandkollegen die Bühne und zeigte sich völlig ohne Starallüren: bodenständig, nahbar und mit einer ansteckenden Begeisterung.
Dabei hätte er allen Grund zum Abheben und das nicht nur wegen seines unbestrittenen Talents. In den vergangenen zehn Jahren verkaufte Puth fast 50 Millionen Tonträger, sammelte acht Multi-Platin-Singles, vier Grammy- und eine Golden-Globe-Nominierung. Auch als Songwriter feierte er große Erfolge und schrieb unter anderem am Hit "Stay" von The Kid Laroi mit.
Charlie Puth: "Ich erinnere mich bei jedem Song genau daran, wo ich war"
Der weltweite Durchbruch gelang Charlie Puth 2015 mit "See You Again" gemeinsam mit Wiz Khalifa, dem Soundtrack zu Fast & Furious 7 und einer Hommage an den verstorbenen Schauspieler Paul Walker (†40).
Seine offizielle Debütsingle als Solokünstler folgte im selben Jahr mit "Marvin Gaye". Seitdem hält sich Puth mit Songs wie "Attention" und "We Don't Talk Anymore" beständig in den Charts.
Neben seinen Hits standen aber auch mehrere Songs seines aktuellen, im März 2026 erschienenen vierten Studioalbums "Whatever's Clever!", das zugleich Namensgeber der Tour ist, auf der Setlist. Wie etwa "Washed Up" und "Love in Exile".
Besonders emotional wurde Puth, als er erklärte, welche Bedeutung Musik für ihn hat: "Bei jedem Song, den ich je geschrieben habe, weiß ich noch genau, wo ich war, als er entstanden ist. Ich erinnere mich daran, wie die Luft gerochen hat und was damals in meinem Leben passiert ist. Musik ist etwas Besonderes, weil sie einen direkt in einen bestimmten Moment des eigenen Lebens zurückversetzen kann – wie eine Zeitkapsel."
Seine wohl größten Hits "See You Again" und "One Call Away" hob sich der 34-Jährige bis kurz vor Schluss auf. Beide präsentierte er ohne Band, begleitet nur von Backing-Vocals und den textsicheren Fans, die jede Zeile lautstark mitsangen.
Charlie Puth: "Steckt euch nicht selbst in eine Schublade!"
Immer wieder suchte der Sänger den Kontakt zum Publikum, applaudierte den Fans sogar selbst und lobte deren Rhythmusgefühl: "Ich weiß, hier sind auch Musiker unter euch. Ich höre das, wie ihr klatscht."
Anschließend gab er angehenden Künstlern noch einen Rat mit auf den Weg: "Mir wurde einmal gesagt, Jazz und Pop ließen sich nicht verbinden. Das stimmt nicht. Popmusik ist einfach populäre Musik. Steckt euch also nicht selbst in eine Schublade!"
Passend dazu wählte Puth "Changes" von seinem aktuellen Album als letzten Song des Abends. "Ich will gar nicht gehen, aber ich muss!", so der 34-Jährige zu einem etwas überraschten Publikum.
Denn der Abend endete nicht nur ohne Zugabe, sondern auch schon nach rund 85 Minuten. Sehr zum Missmut mancher Fans, wie TAG24 erfuhr.
Puth hätte theoretisch noch rund 35 Minuten spielen können, bevor im Hamburger Stadtpark wegen der Lärmschutzregeln endgültig Feierabend gewesen wäre.
Wenn überhaupt, war das aber nur ein kleiner Dämpfer eines ansonsten sehr gelungenen Konzertabends, der auch bei Puth selbst Eindruck hinterlassen hat: "Vielen Dank, dass ihr bei unserem ersten richtigen Konzert hier dabei seid. Das werde ich nie vergessen, das war etwas ganz Besonderes hier", sagte er zum Abschied.
Nach dem Auftakt in Hamburg geht Charlie Puths "Whatever's Clever! World Tour" bereits am Montag (6. Juli) mit einem weiteren Deutschland-Konzert in Frankfurt weiter.
Beim Stadtpark Open Air geht es am Dienstag (7. Juli) mit der US-Band "Beirut" weiter.