Köln - Obwohl die "Bares für Rares"-Expertin eine alte Familien-Legende zerstört, wittern die Verkäufer "das große Geschäft". Hält der unerwartet hohe Schätzpreis den Geboten stand?
Dorothee und Johannes haben eine kleine Silberkanne in das Pulheimer Walzwerk bei Köln mitgebracht, um die sich so einige Geschichten ranken. Unter anderem soll sie von adeliger Herkunft sein, wie die beiden gegenüber Moderator Horst Lichter (64) berichten.
"Das ist ein absoluter Handschmeichler und geradezu verführerisch", schwärmt Expertin Heide Rezepa-Zabel (60), als sie das Mitbringsel unter die Lupe nimmt. Sie hebt vor allem die "wunderschöne, organische Form" der Kanne hervor.
Laut den Besitzern soll sie von einer Ahnin stammen, die am Hof von Wilhelm II. gearbeitet hat. Doch die Sachverständige stellt klar: In der Kaiserzeit wurde das hiesige Exemplar aus 750er-Silber nicht gefertigt. Ein Stempel an der Unterseite verrät den Schöpfer, Johann Wagner.
Auch die Krone über dem Monogramm ist nur ein Symbol und keine höfische Chiffre. Eine adelige Zuordnung existiert laut Rezepa-Zabel demnach "auf keinen Fall". Tatsächlich sei die Kanne bereits zwischen 1800 und 1815 hergestellt worden.
Mutter und Sohn wünschen sich 400 bis 500 Euro. Klingt viel, ist aber tatsächlich noch zu wenig. Allein der Silberwert liegt laut Expertise bei 540 Euro. Rezepa-Zabel hält sogar 800 bis 1000 Euro für möglich. "Unfassbar, wie toll", kann Dorothee ihr Glück kaum fassen.
Kollege schaut in die Röhre: Susanne Steiger entscheidet Bieterkrieg für sich
Nach dieser Offenbarung steigt auch bei Johannes die Hoffnung, hier und heute "das große Geschäft zu machen". Doch das letzte Wort in der beliebten ZDF-Trödelsendung haben bekanntlich die Händler.
Daniel Meyer (53) findet das Stück in Eiform auf den ersten Blick "wunderschön", startet aber niedrig mit 100 Euro. Lange Bestand hat der Kleckerbetrag jedoch nicht. Susanne Steiger (43) knackt mit 600 Euro den Silberwert, Meyer erhöht kurz darauf auf 750.
Zufrieden gibt sich die Verkäuferin damit nicht. Sie legt ihre Schmerzgrenze auf 800 Euro fest. "Die gebe ich Ihnen", ruft Markus Wildhagen (60). Doch Steiger legt schnell noch 20 Euro nach. Zwischen den beiden entbrennt in der Folge ein Bieterkrieg.
Erst bei 900 Euro wirft Wildhagen das Handtuch und überlässt der Juwelierin die Kanne. "Hach, ist die schön", freut sich Steiger. Und auch die Studio-Gäste aus Berlin sind mit ihrer monetären Ausbeute mehr als zufrieden.
"Bares für Rares" läuft montags bis freitags, ab 15.05 Uhr, im ZDF oder vorab bereits in der Mediathek.