Journalistin: "Man muss diese saudummen Polit-Talkshows abschaffen!"

Berlin - Im Sommer laufen im TV unzählige Interviews - meist mit Politikern, die sich im September um den Kanzler-Posten bewerben. Das stößt einer Autorin offenbar besonders auf: "Marketing-Sprech", "hohle Phrasen" und "wenig Inhalt" machen diese Interviews aus. Das sei gewollt, dass "wir nicht aufgewühlt werden", so sieht es zumindest die Autorin Mely Kiyak (45).

Autorin Mely Kiyak (45) beklagt die Banalitäten in den Sommerinterviews mit Politikern, die meist nur mit Allgemeinplätzen hausieren wollen.
Autorin Mely Kiyak (45) beklagt die Banalitäten in den Sommerinterviews mit Politikern, die meist nur mit Allgemeinplätzen hausieren wollen.  © Henning Kaiser/dpa

Kiyak ärgert sich mächtig über die Sommerinterview-Flut mit Politikern, bei "denen man nichts Neues erfahre". Sie zumindest wünscht sich ein "höheres Diskussionsniveau in den Medien".

Und sie macht ihrem Frust Luft - ausgerechnet selbst in einem "Sommerinterview" - beim Deutschlandfunk Kultur" (DLF, nachzuhören >> hier).

Die Form des Sommerinterviews mit Politikerinnen und Politikern steht seit einiger Zeit in der Kritik: zu kurz, zu banal, es komme nichts dabei rum - ständiges Reinreden oder Nicht-Ausreden-Lassen durch die Moderatoren (wie durch Markus Lanz beispielsweise) helfe dem Zuschauer/Zuhörer nicht, sich ein eigenes Gesamtbild zu machen.

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Politiker würden geradezu darauf warten, "dass man sie befrage, und hätten sich vorher munitioniert mit politischem Marketing-Sprech".

Ausgerechnet im "Sommerinterview-Format" des DLF werden "Sommerinterviews" kritisiert.
Ausgerechnet im "Sommerinterview-Format" des DLF werden "Sommerinterviews" kritisiert.  © Instagram/deutschlandfunkKultur

Die Sommerinterviews sind aus ihrer Sicht "dröge, ereignisarme Veranstaltungen".

So sei es aber "kein Zufall, sondern gewollt, dass man aus diesen Gesprächen nichts Neues erfahre": "Ich glaube, der Wähler soll nicht zu sehr aufgewühlt werden."

Das Argument, die "Dinge seien zu komplex" für einfache Bürger zählt für Kiyak nicht - "was soll denn die Fleischfachverkäuferin damit anfangen", wenn sie für "dumm verkauft werde"?

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Die Dinge sind nicht zu komplex, so die Autorin, "gerade Umweltfragen, Klima-Fakten oder auch Pandemie-Inhalte sind nicht zu komplex", so Kiyak. "Im Gegenteil, um sich Teile der Antworten zusammenzutragen", brauche man komplexes Wissen.

All das ist ebenso eine Kritik "an der Zunft selber" - also den Journalistinnen und Journalisten. Kiyak meint, "dass wir dieses Mittel der politischen Befragung nicht besser beherrschen". Ihr Empfinden sei, dass die Macher der Sommerinterviews gar keinen Anspruch hätten, irgendetwas zu erfahren.

Wer ist Mely Kiyak? Die 45-Jährige ist eine deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Kolumnistin ("Zeit Online", das Berliner Gorki-Theater und das Schweizer Onlinemedium "Republik") sowie Preisträgerin (Theodor-Wolff-Preis, Kategorie "Kommentar/Glosse/Essay"´ sowie im Jahr 2014: "Journalist des Jahres").

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa/Instagram/dlf

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