Lauter Applaus im TV-Studio: Dieter Hallervorden setzt Ukraine-Angriff mit Iran-Krieg gleich

Leipzig - Dieter "Didi" Hallervorden (90) ist ein Mann klarer Worte. Neben seiner DDR-Vergangenheit spricht der Schauspieler nun auch über die aktuellen Kriege - und kritisiert Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU).

Dieter "Didi" Hallervorden (90) sprach in der aktuellen Riverboat-Folge unter anderem über seine DDR-Vergangenheit.
Dieter "Didi" Hallervorden (90) sprach in der aktuellen Riverboat-Folge unter anderem über seine DDR-Vergangenheit.  © IMAGO / STAR-MEDIA

Auf einem Symposium auf der Insel Usedom, bei dem Kommunisten aus westlichen Staaten anwesend gewesen seien, habe der Französisch-Übersetzer damals gearbeitet. Allerdings hat er seinen Job bei der politischen Tagung missbraucht und "das Gegenteil von dem erzählt, was mir die Parteileute vorgeschrieben hatten", sagte er in der MDR-Talkshow "Riverboat".

Das kam zunächst nicht raus, weil die Personen "vom Französischen so viel verstanden haben wie eine Eidechse vom Stabhochsprung".

Blöd nur, dass in den aufgestellten Blumengestecken Mikrofone versteckt waren, sodass Hallervordens Arbeit bespitzelt wurde - und seine falsche Übersetzung so ans Licht kam.

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Noch während die Staatssicherheit ("Stasi") die aufgezeichneten Bänder auswertete, sei der gebürtige Dessauer in den Westen geflüchtet. Seine Ostberliner Wirtin, der er zuvor noch die Miete hat zukommen lassen, berichtete später, dass zwei Stunden nach seinem Auszug zwei Männer aufgekreuzt seien, "die sehr enttäuscht waren, mich nicht mehr anzutreffen. Das heißt, ich bin der Stasi gerade so von der Schippe gesprungen."

Gerechtigkeit, Verantwortung und Frieden seien immer Leitplanken in Hallervordens Leben gewesen. Und somit kommt er auch auf aktuellen Kriegsproblematiken zu sprechen.

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Der 90-Jährige macht sich für eine Zwei-Staaten-Lösung von Israel und Palästina stark.
Der 90-Jährige macht sich für eine Zwei-Staaten-Lösung von Israel und Palästina stark.  © Fabian Sommer/dpa

"Viele Leute trauen sich nicht mehr, zu heiklen Themen ihre Meinung zu sagen. Das durchbreche ich sehr bewusst, ohne Rücksicht auf private oder berufliche Vor- oder Nachteile", so Hallervorden, dessen "Palim, Palim"-Sketch vermutlich jeder kennt.

Der 90-Jährige könne nicht nachvollziehen, warum Russland-Oberhaupt Wladimir Putin (73) ein "völkerrechtswidriger Angriff auf die Ukraine" vorgeworfen wird, der USA und Israel im Iran-Fall aber nicht. Für seine Worte kassierte der Schauspieler lautstarken Applaus im Leipziger MDR-Studio.

"Erich Kästner schrieb einmal: Der Frieden ist ein wahres Meisterwerk der Vernunft. Frieden kann für mich auch ein Gefecht sein. Ein Gefecht der Worte, die man aber nur hören kann, wenn die Waffen schweigen", so Hallervorden, der als Neunjähriger das Ende des Zweiten Weltkrieges in Luftschutzkellern miterleben musste.

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Die Freiheit zu verteidigen, um Frieden zu erhalten, sei für den 90-Jährigen die falsche Herangehensweise und "Kriegstüchtigkeit" sein "Unwort des Jahrhunderts". Er wünsche sich einen Bundeskanzler, der deutsche Flugbasen für die USA sperrt und möglicherweise Importe aus Israel ablehnt. Der "Honig im Kopf"-Star plädiert für eine Zwei-Staaten-Lösung: "Wir müssen uns auf die Seite der Palästinenser stellen!"

Die aktuelle Riverboat-Folge seht Ihr auf Abruf in der ARD-Mediathek. Eine neue Ausgabe sendet das MDR-Fernsehen am 20. März wie gewohnt ab 22 Uhr.

Titelfoto: IMAGO / STAR-MEDIA

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