Strack-Zimmermann im Riverboat: "Man nennt Sie Kriegstreiberin, wie gehen Sie damit um?"

Leipzig - Bevor Talker Jörg Kachelmann (64) die "Riverboat"-Segel streicht, legte er am Freitag noch mal richtig ab - seine Gesprächspartnerin: FDP-Verteidigungsexpertin Agnes Strack-Zimmermann (64). Wir erleben eine nachdenkliche Frau.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (64, FDP) war zu Gast beim MDR-"Riverboat".
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (64, FDP) war zu Gast beim MDR-"Riverboat".  © Christian Kielmann

Er bohrt nach, wie wir es von ihm gewohnt sind: "Ihr Postfach wird voll sein." Und nach diesem Auftritt nicht weniger voll... "Sie werden Kriegstreiberin, Waffenlobbyistin genannt und schlimmere Dinge. Wie gehen Sie damit um?"

Mit jeder Panzerdebatte werde das voller, sagt die FDP-Politikerin. "Ich habe viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich darum kümmern." Aha. Wer in der Politik ist, der wisse, "dass es dazu gehört. Ich finde das nicht besorgniserregend."

Eine Grenze sieht sie: "Doof ist, wenn Menschen einen umbringen wollen."

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Man sieht ihr die Besorgnis an. Die Politikerin habe - taff, wie sie ist - auch selbst einen angerufen, "der mich ins Lager stecken wollte".

Schließlich hat sie auch schon Kanzler Scholz einbestellt! "Ich wollte ihn fragen, ob es ok ist, wenn das in Süddeutschland wäre. Der war völlig fertig, als er mich am Telefon hatte und sagte: Moment, Moment, ich muss mich erst einmal anziehen. Da sagte ich: Ich sehe es gar nicht, wir können gern weiter sprechen. Das ist schon so, dass die Leute reflektieren, was sie da gemacht haben, wenn man sie anruft. Viele sind natürlich auch anonym und die ganz harten werden angezeigt und werden auch irgendwann erwischt."

Kachelmann hakt weiter nach: "Sie haben in Ihrer Kindheit noch Trümmer gesehen und Kriegsversehrte. Da kommt die Frage auf: Wie kann sie denn den Krieg noch wünschenswert finden?"

Vergewaltigte Frauen, Schwerverletzte, Massengräber: "Dinge, die uns unvorstellbar sind"

Jörg Kachelmann (64) sprach mit FDP-Politikerin Agnes Strack-Zimmermann.
Jörg Kachelmann (64) sprach mit FDP-Politikerin Agnes Strack-Zimmermann.  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

"Ich gehöre zu einer Zeit, die erleben durfte, wie Europa größer wurde und man zufrieden und ohne großes Eingreifen des Staates aufwachsen durfte." Dass man in Frieden lebt, eine Meinung frei äußern darf, "ohne dass man dafür eine Staatsgewalt zu spüren bekommt, habe ich immer als großen Segen empfunden."

Aber: "Das, was wir seit 24. Februar erleben, dass ein Land wie Russland ein anderes Land überfällt, Menschen unfassbar leiden, finde ich schlimm."

Sie selbst war mehrmals in der Ukraine und hat unfassbares Leid gesehen: "Menschen, deren Angehörige verschleppt wurden, vergewaltigte Frauen, Schwerverletzte, Massengräber. Dinge, die uns unvorstellbar sind."

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Es gehe darum: "Diese Demokratie und diese Freiheit, die wir hier in Europa leben, ist nicht selbstverständlich. Da muss man auch schon wehrwillig und wehrfähig sein."

Man müsse sich gegen ein solches Morden wehren. "Das ist nicht schön, aber es ist die einzige Antwort, die ein Mann wie Putin in dieser Situation versteht. Ich bin im Verteidigungsausschuss, ja. Ich wollte dort immer rein. Die äußere Sicherheit interessiert mich. Wie wir damit umgehen, mit dem Schurken dieser Erde und wie wir uns schützen."

Früher saß sie immer vorm Fernseher, kommentierte die Nachrichten. "Weil mich ganz viel schockierte und aufregte. Mein Mann sagte dann immer zu mir: Geh doch in die Politik. Rege dich nicht auf, mache etwas. So bin ich dann in die FDP eingetreten."

Hier findet Ihr das ausführliche TAG24-Interview mit Agnes Strack-Zimmermann.

Titelfoto: MDR/Kirsten Nijhof/Christian Kielmann

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