Schwester von ermordeter Dorota (†29): "Sie wollte nicht hören!"

Selfkant - Flucht aus unglücklicher Ehe oder schlimmes Verbrechen? Die Ermittler im Vermisstenfall Dorota G. aus dem Kreis Heinsberg (NRW) haben schnell den Verdacht, dass ihr Mann die 29-Jährige umgebracht hat. Sie sollen leider richtig liegen.

Dorota G. wurde umgebracht.  © Polizei

In der deutsch-niederländischen Grenzstadt, die westlichste Gemeinde Deutschlands, verschwindet die gebürtige Polin am 18. Oktober 2016 nach einem heftigen Streit, ohne zurückzukehren. Das zumindest behauptet ihr Mann, mit dem sie seit elf Jahren verheiratet ist.

Dorota ist erst 17, als sie Manfred G. heiratet und dadurch nach Deutschland kommen kann. "Sie war sehr in ihn verliebt", erinnert sich ihre Schwester Katarzyna B. in der ZDF-Sendung "Schuld & Sühne". Aber ihre Familie sei auch skeptisch gewesen "und wir haben bemerkt, dass er vielleicht nicht die richtige Person für Dorota ist. Aber sie wollte nicht hören."

Öfter habe es Streitigkeiten gegeben, nie aber sei Dorota weggelaufen. Zudem war die 29-Jährige ohne Brille, Handtasche, Jacke und Handy sowie mit einer fiebrigen Grippe aus dem Haus gegangen, hatte ihren geliebten Sohn zurückgelassen.

TV & Shows 8000-Einwohner-Stadt kassiert Millionen – weil Deutsche Bank in Dorf-Feuerwache sitzt

Und dann setzt Manfred Dorotas Handy auch noch auf Werkseinstellung zurück. Für die Polizei viele Puzzlesteine, die darauf schließen lassen, dass die 29-Jährige nicht mehr lebt.

Schnell übernimmt die Mordkommission Aachen den Fall. Es gibt keinerlei Hinweise, dass Dorota das Haus überhaupt verlassen hat.

Anzeige
In diesem Haus in der Selfkanter Annastraße wohnten Dorota und Manfred G.  © IMAGO/Reichwein

Schuld & Sühne (ZDF): Verdeckte Ermittler freunden sich mit Tatverdächtigem an

Nachgestellte Szene: Im Haus wird ein zerrissenes Hochzeitsfoto des Ehepaares gefunden.  © ZDF/Tobias Schütze

Der verschuldete Manfred G. möchte das angemietete aber von ihm nicht mehr bewohnte Haus in der Annastraße abgeben, um nicht doppelt Miete zu zahlen. Er trifft sich Ende 2021 mit zwei Interessenten, denen er das Gebäude überlässt und freundet sich mit ihnen an.

Bei einer gemeinsamen Renovierung wird G. auf ein zerrissenes Hochzeitsfoto von sich und seiner zu diesem Zeitpunkt offiziell als vermisst geltenden Ehefrau angesprochen, wie in der ZDF-Sendung nacherzählt wird.

Was Manfred nicht weiß: Die beiden Männer sind verdeckte Ermittler. Und kitzeln in ihrer 20 Monate andauernden Arbeit schließlich ein Geständnis heraus. Dass er den Polizisten vorher die Handys abnimmt, damit keine Aufnahmen angefertigt werden können, hilft ihm nicht.

TV & Shows Dreharbeiten zur starbesetzten ARD-Serie über Flut-Katastrophe im Ahrtal gestartet

Im August 2023, fast sieben Jahre nach Dorotas Verschwinden, erzählt er seinen scheinbar kriminellen Freunden vom Mord an seiner Frau.

Sieben lange Jahre suchte Katarzyna B. nach ihrer Schwester Dorota.  © ZDF/Tobias Schütze

Schuld & Sühne (ZDF): Manfred G. muss für Femizid lebenslang hinter Gitter

Der Angeklagte Manfred G. (M.) zwischen seinen Anwälten Harald Bex (l.) und Nikolai Doszna (r.).  © picture alliance/dpa

Die anderweitig angefertigten Audioaufnahmen mit scheibchenweise Geständnissen hält Verteidiger Nikolai Doszna nach wie vor für unzulässig. "Das ist schon eine vernehmungsähnliche Situation. Er hat sich dazu überreden lassen, wurde gefügig gemacht, um eine Aussage zu tätigen", sagt er in "Schuld & Sühne".

Er kritisiert die Schaffung einer "psychischen Drucksituation. Was ich da gehört habe, klang wie nach einem Drehbuch. Ich war fassungslos, habe den Kopf geschüttelt."

Laut Gesetz darf (von verdeckten Ermittlern) niemand zur Selbstbelastung gedrängt und auch keine konkreten Nachfragen gestellt werden.

Dies liegt nicht vor, meint Nebenklage-Anwältin Kirsten Hieble-Fritz. Denn Manfred G. hat ungefragt von der Tat erzählt. Und sogar Mordphantasien an seinem Schwager Matthias B., Katarzynas Mann, geäußert.

Im März 2024 wird Manfred G. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die neue "Schuld & Sühne"-Folge "Ein düsterer Verdacht: Der Fall Dorota G." wird am 5. Juni ab 20.15 Uhr auf ZDFinfo ausgestrahlt. In der Mediathek findet Ihr sie schon jetzt.

Mehr zum Thema TV & Shows: