ZERV - Perfekte (Stasi-)Krimi-Serie über Wessis, die 1990 in die DDR strömten

Leipzig/Berlin - Und wieder eine Ossi-Wessi-Story, die kurz nach der Wende angesiedelt ist. Doch stopp, diese ist aller Ehren wert. Dem MDR gelingt, was das ZDF mit "Der Palast" richtig versemmelte: Es ist realistisch, es ist kriminell, und es ist auch mal witzig-unterhaltsam.

Großes Kino bietet Fabian Hinrichs (48), der in den Osten abgeschoben wurde, um den alten DDR-Bürgern unter die "hilflosen Arme" zu greifen. Den West-Schnösel gibt er in Perfektion!
Großes Kino bietet Fabian Hinrichs (48), der in den Osten abgeschoben wurde, um den alten DDR-Bürgern unter die "hilflosen Arme" zu greifen. Den West-Schnösel gibt er in Perfektion!  © ARD/W&B Television GmbH/Merav Maroody

ZERV zeigt, was kurz nach der Wende mit der Wessi-Invasion auch kam: Besser-Wessi-Tum, Arroganz, Waffenschiebung, Stasi-Akten-Berge und Schicksale.

Die MDR-Produktion ist sehr gelungen. Schaut man als Westdeutscher zu, läuft dem ein oder anderen sicher mal ein Peinlichkeitsschauer über den Rücken. Denn Fabian Hinrichs (48) gibt den West-Schnösel so perfekt, dass es knirscht im DDR-Gebälk. Als Ossi erinnert man sich allzu gut: So war's wirklich...

Liebe Leser, bitte gestattet, dass hier die "Ossi-Wessi-Vokabeln" zuhauf stehen - denn darum geht's nun mal.

Aktenzeichen XY: Aktenzeichen XY: Mehrere Hinweise zu seit Jahren vermisstem Radfahrer
Aktenzeichen XY ungelöst Aktenzeichen XY: Mehrere Hinweise zu seit Jahren vermisstem Radfahrer

Als die Westdeutschen den Osten aufmischten, waren die Ostdeutschen noch längst nicht fertig mit ihrer "alten Heimat".

Herausgekommen sind ein "Krimi", der in Berlin spielt und einige Stasi-Passagen, ein bisschen Liebelei und erste Annäherungen der Ossis und Wessis bietet - eben eine Serie, die unterhaltsam und spannend ist - fast ein kleines Geschichtsbuch.

Die Dialoge der Figuren sind wunderbar gespickt mit Anspielungen, Vorurteilen, aber auch Erkenntnissen - ein rundes Zitate-Büchlein könnte man damit füllen.

Verbrechen kennt kein "Ost" und "West"

ZERV erzählt von den ersten Jahren nach dem Mauerfall, den Brüchen von Lebensläufen, von völlig unterschiedlichen Biografien und vom geglückten Aufeinander-Zugehen im gemeinsamen Kampf gegen das Verbrechen, das kein Ost und West kennt.
ZERV erzählt von den ersten Jahren nach dem Mauerfall, den Brüchen von Lebensläufen, von völlig unterschiedlichen Biografien und vom geglückten Aufeinander-Zugehen im gemeinsamen Kampf gegen das Verbrechen, das kein Ost und West kennt.  © ARD/W&B Television GmbH/Merav Maroody

ZERV - ein Stoff, aus dem Komödien, aber auch Dramen sind

Das äußerst ungleiche Paar muss miteinander auskommen: Fabian Hinrichs (48) und Nadja Uhl (49). Sie kämpfen gemeinsam gegen Verbrechen in der Wendezeit direkt nach dem Mauerfall.
Das äußerst ungleiche Paar muss miteinander auskommen: Fabian Hinrichs (48) und Nadja Uhl (49). Sie kämpfen gemeinsam gegen Verbrechen in der Wendezeit direkt nach dem Mauerfall.  © ARD/W&B Television GmbH/Merav Maroody

Geschichte per Krimi: Kurz nach der Wende entstand ein Vakuum, das Kriminelle aus West und Ost nutzten, um sich zu verbünden. "Vogelfrei" agieren sie gemeinsam. Daher musste in Berlin 1991 auf Beschluss der Bundesregierung die "ZERV" (Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität) gegründet werden. ZERV sollte "aufräumen".

Die MDR-Dreharbeiten sind genau vor einem Jahr beendet worden, im Februar nun ist es so weit: Die Ausstrahlung steht bevor.

Die Hauptrollen spielen Nadja Uhl als Ossi (49, "Gegen die Angst") und Wessi Fabian Hinrichs (48, "Tatort"). In weiteren Rollen sind dabei: Imogen Kogge (64, "Polizeiruf 110"), Thorsten Merten (59, "Spreewald-Krimi"), Fritzi Haberlandt (46, "Krause"), Rainer Bock (67, "Solo für Weiss"), Peter Schneider (47, "Usedom-Krimi"), Max Hubacher (29, "Großstadtrevier") sowie Vanessa Loibl (36) u. v. a. m.

Fritzi Haberlandt (46) spielt die Ossi-Kollegin - war DDR-Kommissarin und kam keinesfalls auf der Wurstpelle daher geschwommen.
Fritzi Haberlandt (46) spielt die Ossi-Kollegin - war DDR-Kommissarin und kam keinesfalls auf der Wurstpelle daher geschwommen.  © ARD/W&B Television GmbH/Merav Maroody

TV-Tipp: Der MDR will die deutsch-deutsche Zeitgeschichte weiterführend filmisch abbilden und sieht die neue Krimi-Reihe in der Tradition von z. B. "Weissensee". Das ist absolut gelungen! Die Serie läuft ab 22. Februar zur Primetime im Ersten. Auch wenn am Ende etwas "dicke" aufgetragen wird, wer das verpasst, verpasst was!

Titelfoto: ARD/W&B Television GmbH/Merav Maroody

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