Hamburg - Graffiti, Glitzerjacken, schwebende Skateboards und Bässe, die im Brustkorb nachhallen: Was zunächst wie die Ankündigung einer alternativen Techno-Party klingt, war am Donnerstagabend der Auftakt der vier Deutschland-Konzerte einer der größten Rockbands der Welt. Im Rahmen ihrer Europa-Tour "The Big One" begeisterten ZZ Top mit einem ausverkauften Open-Air-Konzert im Hamburger Stadtpark.
Wer befürchtet hatte, die Texaner könnten nach mehr als fünf Jahrzehnten Bandgeschichte etwas eingestaubt sein, wurde schnell eines Besseren belehrt - trotz anfänglicher Tonprobleme.
Sänger sowie Gitarrist Billy Gibbons (76) und Bassist Elwood Francis (65) – der seit 2021 als Nachfolger des verstorbenen Dusty Hill die Bass-Position übernimmt – präsentierten sich als routinierte Profis, die ihre Leidenschaft nie verloren haben.
Unaufgeregt, aber beeindruckend präzise absolvierten sie ihre synchronen Choreografien, wechselten mühelos zwischen den Instrumenten und bewiesen, dass Rock'n'Roll nicht hektisch sein muss, um mitzureißen.
Unkommentiert blieb hingegen, dass der Dritte im Bunde nicht Frank Beard (77) war. Statt des langjährigen Schlagzeugers, der mutmaßlich erneut aus gesundheitlichen Gründen ausfiel, saß wie schon bei der ersten Hälfte der vergangenen "Elevation"-Tour (2025) John Douglas hinter dem Drumkit.
Zwischen den beiden vollbärtigen Bandkollegen fiel er mit seinem fast schon jugendlichen Charme sofort ins Auge – musikalisch fügte er sich jedoch nahtlos in den unverwechselbaren ZZ-Top-Sound ein.
Das Trio spannte den Bogen über die gesamte Karriere der Kultband. Von "Brown Sugar" vom Debütalbum "ZZ Top's First Album" (1971) bis zu "I Gotsta Get Paid" vom bislang letzten Studioalbum "La Futura" (2012) führte die Setlist durch mehr als vier Jahrzehnte Texas-Blues-Rock.
Natürlich durften auch die großen Hits wie "Gimme All Your Lovin'" nicht fehlen, die beim Publikum auf große Begeisterung stießen.
Billy Gibbons: "Am Ende sprechen wir alle dieselbe Sprache: Rock’n’Roll"
Viele Worte verloren ZZ Top nicht. Ein paar Mal fragte Billy Gibbons: "Are you having a good time?" Die Antwort fiel jedes Mal lautstark aus. "Good, because we have come all the way from Texas", entgegnete der Gitarrist trocken.
Statt langer Ansagen setzte Gibbons lieber auf Gesten. Er ließ das Publikum legendäre Gitarrenriffs nachsingen und erntete besonders großen Jubel, als er seine Gitarre umdrehte und auf deren Rückseite in großen Buchstaben nur ein Wort zu lesen war: "bier".
Für sich sprechen sollte ohnehin vor allem die Musik, wie Gibbons, den das "Rolling Stone"-Magazin auf Platz 32 der besten Gitarristen aller Zeiten führt, bereits vor Tourbeginn betonte.
"Wir lieben es, für das europäische Publikum zu spielen. Sie gehören seit fünf Jahrzehnten zu den energiegeladensten und leidenschaftlichsten Fans überhaupt. Und am Ende sprechen wir alle dieselbe Sprache: Rock’n’Roll", so der 76-Jährige.
Nach diesem Auftakt in Hamburg lässt sich sagen: Diese Sprache beherrschen ZZ Top auch 2026 noch fließend.
ZZ Top zurück mit "The Big One": 23 Konzerte in 13 Ländern
Nach "Sharp Dressed Man" verabschiedete sich die Band zunächst von der Bühne. Doch lautstarke Zugaberufe holten die Texaner schnell zurück. In neuen Glitzer-Outfits, begleitet von Seifenblasen und einer zusätzlichen Lichtshow, lieferten sie mit "Legs" und "La Grange" ein furioses Finale.
Nach knapp 90 Minuten war der Abend dann auch schon wieder vorbei. Für ZZ Top geht es jetzt jedoch erst richtig los: Im Rahmen der Europa-Tournee "The Big One" stehen insgesamt 23 Konzerte in 13 Ländern auf dem Programm. Bereits am Freitag spielt die Band beim Friedberg Open Air, ehe es am 4. Juli nach Northeim auf die Waldbühne geht.
Das Deutschland-Finale folgt am 13. Juli mit einem Open-Air-Konzert am Regensburger Jahnstadion, bevor die Tour in Österreich fortgesetzt wird. Restkarten sind noch über Eventim erhältlich.
Im "Stadtpark Open Air" tritt als Nächstes die britische Band Madness ("Our House") auf. Tickets gibt es hier.