BW-Wahl: Hagel bietet Rücktritt an - CDU-Landesvorstand lehnt ab

Stuttgart - Ein vorläufiges Endergebnis liegt vor: Die Grünen mit Cem Özdemir (60) haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg in einem knappen Rennen vor der CDU gewonnen.

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist entschieden: Die Grünen haben vor der CDU gewonnen, die AfD belegt Platz 3.
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist entschieden: Die Grünen haben vor der CDU gewonnen, die AfD belegt Platz 3.

Der 60-jährige frühere Bundesminister Özdemir dürfte jetzt Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (77, Grüne), werden, der nach 15 Jahren im Amt nicht mehr antrat.

Die CDU kommt nach dem vorläufigen Endergebnis nur auf Platz zwei, wie die Landeswahlleiterin in der Nacht mitteilte.

Die AfD ist mit deutlichen Zuwächsen drittstärkste Kraft, die SPD schafft es knapp in den Landtag, wie auf der Internetseite des Statistischen Landesamts ersichtlich war.

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Alle Informationen rund um die Landtagswahl in Baden-Württemberg findet Ihr hier im TAG24-Liveticker.

9. März, 22.03 Uhr: Hagel bietet Rücktritt an - CDU-Landesvorstand lehnt ab

Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel hat nach seiner knappen Wahlniederlage bei der Landtagswahl der Partei seinen Rücktritt angeboten.

Das Angebot sei klar und einstimmig abgelehnt worden, sagte Landesgeneralsekretär Tobias Vogt und bestätigte einen Bericht des SWR.

Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel (37) hat nach seiner knappen Wahlniederlage bei der Landtagswahl der Partei seinen Rücktritt angeboten.
Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel (37) hat nach seiner knappen Wahlniederlage bei der Landtagswahl der Partei seinen Rücktritt angeboten.  © Bernd Weißbrod/dpa

9. März, 21.20 Uhr: Grünen-Politikerin weist Schuld an CDU-Niederlage von sich

Die Grünen verdanken ihren Wahlsieg in Baden-Württemberg aus Sicht ihrer Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer nicht einem umstrittenen Video von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel, das sie verbreitet hatte.

"Wenn ein einzelnes Video eine Wahl entscheiden könnte, dann hätten wir ein grundsätzliches Problem", sagte die Karlsruherin den "Badischen Neuesten Nachrichten". "Ich glaube, die Menschen haben sehr bewusst gewählt."

Zwei Wochen vor der Wahl hatte Mayer in sozialen Medien einen acht Jahre alten Clip gepostet, in dem Hagel von den "rehbraunen Augen" einer minderjährigen Schülerin schwärmt. Unionspolitiker werfen den Grünen eine Schmutzkampagne vor. Die CDU landete bei der Wahl knapp hinter den Grünen.

"Wenn ich das Wort von der Schmutzkampagne höre, muss ich mich schon sehr zusammenreißen", sagte Mayer der Zeitung. "Ich finde es schwierig, als "die Schuldige" für die Wahlniederlage der CDU verantwortlich gemacht zu werden." Das sei sehr einfach gedacht und eine gefundene Ausrede dafür, sich keine Fehler einzugestehen. "Ich bin also froh, wenn langsam wieder Ruhe einkehrt."

Ein altes Video mit Äußerungen von CDU-Kandidat Hagel sorgte für Wirbel im Wahlkampf: Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer (30) hatte es verbreitet – und wehrt sich nun gegen Vorwürfe.
Ein altes Video mit Äußerungen von CDU-Kandidat Hagel sorgte für Wirbel im Wahlkampf: Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer (30) hatte es verbreitet – und wehrt sich nun gegen Vorwürfe.  © Elisa Schu/dpa

9. März, 19.17 Uhr: "Herablassende Arroganz" - CDU greift Özdemir frontal an

Eigentlich müssen Grüne und CDU in Baden-Württemberg zu einer Regierung zusammenfinden, aber die Stimmung zwischen den Parteien könnte derzeit nicht feindseliger sein: Nach dem sehr knappen Wahlausgang und Diskussionen über eine Teilung der Amtszeit des Regierungschefs greift die Südwest-CDU den Wahlsieger Cem Özdemir nun frontal und persönlich an.

"Diese herablassende Arroganz der Äußerungen von Özdemir verwundert uns doch sehr", teilte CDU-Landesgeneralsekretär Tobias Vogt der Deutschen Presse-Agentur am Abend mit. "Im Grunde ist es exakt die Verlängerung des fragwürdigen Stils der Grünen im Wahlkampf. Das ist Ampel-Sprech."

Zuvor hatte Özdemir den Regierungsanspruch der Grünen unterstrichen - und Vorschläge aus der CDU zu einer Teilung der Macht scharf zurückgewiesen.

Nach dem sehr knappen Wahlausgang und Diskussionen über eine Teilung der Amtszeit hat die Südwest-CDU den Wahlsieger Cem Özdemir (60, Grüne) frontal angegriffen.
Nach dem sehr knappen Wahlausgang und Diskussionen über eine Teilung der Amtszeit hat die Südwest-CDU den Wahlsieger Cem Özdemir (60, Grüne) frontal angegriffen.  © Marijan Murat/dpa

9. März, 16.13 Uhr: Hagel sieht "keinen Automatismus" für Koalition mit den Grünen

Der unterlegene CDU-Spitzenkandidat bei der Wahl in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, hat harte Verhandlungen mit den Grünen über eine Fortsetzung der Koalition angekündigt. "Was wir inhaltlich vor der Wahl gesagt haben, bleibt inhaltlich auch nach der Wahl richtig", sagte Hagel am Montag in Berlin in der CDU-Zentrale. "Da gibt es keinen Automatismus zur Bildung einer Landesregierung."

Hagel verwies darauf, dass die CDU nur knapp unterlegen sei und auf genauso viele Sitze im Landtag komme wie die Grünen. Diese Situation sei "neu" und "einmalig" in Baden-Württemberg. Er werde am Montagabend mit den CDU-Landesvorstand und am Dienstag mit der Landtagsfraktion über das weitere Vorgehen beraten.

Mit Blick auf Forderungen aus der CDU, die Amtszeit bei der Führung der Regierung zwischen Grünen und CDU aufzuteilen, blieb Hagel vage. "Klar ist: Patt heißt Patt", sagte er. "Daraus erwächst ein klarerer inhaltlicher Anspruch, den wir haben, sollten wir zu Koalitionsverhandlungen kommen - und da gehört alles auf den Tisch und alles auf den Prüfstand."

Manuel Hagel (37, CDU) hat harte Verhandlungen mit den Grünen über eine Fortsetzung der Koalition angekündigt.
Manuel Hagel (37, CDU) hat harte Verhandlungen mit den Grünen über eine Fortsetzung der Koalition angekündigt.  © Michael Kappeler/dpa

9. März, 15.31 Uhr: Söder - Schmutzkampagne schuld an Hagel-Niederlage

CSU-Chef Markus Söder sieht eine "Schmutzkampagne" als ausschlaggebenden Grund, dass die CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg knapp nicht stärkste Kraft geworden ist.

Man sei ein bisschen traurig, denn "ohne diese zwei Videos" wäre Manuel Hagel (CDU) vor seinem Kontrahenten Cem Özdemir (Grüne) gelegen, sagte Söder nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. "Ohne diese Schmutzkampagne wäre es anders ausgegangen", sagte er. "Darum tut uns das leid, und wir finden es unmöglich und erwarten da auch noch mal eine Diskussion drüber an der Stelle."

Hagel war in der heißen Wahlkampfphase wegen zweier Videos in die Schlagzeilen geraten. Zunächst hatte eine Grünen-Bundestagsabgeordnete ein altes Video aus dem Jahr 2018 gepostet, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin und ihren "rehbraunen Augen" schwärmt. Hagel räumte zwar gleich ein, dass das "Mist" gewesen sei, doch das Video ging viral.

Wenige Tage später sorgte ein weiteres Video gleich für neue Kritik: Hagel geriet beim Besuch einer Schule vor laufender Kamera mit einer Lehrerin aneinander und machte bei dem Auftritt alles andere als eine gute Figur.

9. März, 15.28 Uhr: Özdemir lehnt Teilung der Amtszeit strikt ab

Grünen-Politiker Cem Özdemir hat nach dem sehr knappen Ausgang der Landtagswahl den Regierungsanspruch der Grünen unterstrichen - und den Vorschlag einer Teilung der Amtszeit mit der CDU scharf zurückgewiesen.

Auch wenn es nur eine Stimme mehr gäbe, wäre klar, wer den Ministerpräsidenten stelle, sagte Özdemir am Tag nach der Wahl in Stuttgart. Das sei Tradition. Man werde auch keine Doppelspitze bilden. "Wir machen erwachsene Politik, die Situation ist einfach zu ernst für Quatsch aller Art."

Özdemir betonte, er wolle eine Koalition der Mitte schmieden und die Regierung anführen. Es brauche nun eine zügige Regierungsbildung.

Cem Özdemir (60, Grüne) hat nach dem sehr knappen Ausgang der Landtagswahl den Regierungsanspruch der Grünen unterstrichen - und den Vorschlag einer Teilung der Amtszeit mit der CDU scharf zurückgewiesen.
Cem Özdemir (60, Grüne) hat nach dem sehr knappen Ausgang der Landtagswahl den Regierungsanspruch der Grünen unterstrichen - und den Vorschlag einer Teilung der Amtszeit mit der CDU scharf zurückgewiesen.  © Bernd Weißbrod/dpa

9. März, 14 Uhr: So haben die jungen Menschen im Land gewählt

Bei der Landtagswahl haben die jungen Wähler vor allem auf die Grünen gesetzt.

Mit deutlichem Abstand folgten bei den 16- bis 24-Jährigen die AfD und die CDU. So kamen die Grünen laut Infratest dimap auf 28 Prozent der Stimmen bei den Jungwählern, AfD und CDU auf jeweils 16 Prozent, wie die ARD berichtete. Bei der Forschungsgruppe Wahlen lagen die Grünen bei 27 Prozent, die AfD bei 18 Prozent und die CDU bei 17 Prozent, wie das ZDF berichtete.

Laut Infratest dimap lag die Linke bei 14 Prozent bei den Jungwählern, SPD und FDP kamen auf etwa 6 Prozent. Bei der Forschungsgruppe Wahlen lag die Linke bei 13 Prozent, die SPD bei 7 Prozent und die FDP bei 6 Prozent.

So hat bei den Jungwählern insgesamt fast jeder Dritte für die AfD oder die Linke gestimmt.

9. März, 13.40 Uhr: Hagel spricht von Niederlage

Für die CDU im Südwesten ist das Abschneiden bei der Landtagswahl nach den Worten von Landeschef und Spitzenkandidat Manuel Hagel (37) eine Niederlage.

"Das Hauptziel war, dass wir stärkste Kraft in Baden-Württemberg werden und dass wir eine CDU-geführte Landesregierung bilden können", sagte Hagel am Abend im ZDF. Dieses Ziel habe man - Stand jetzt - nicht erreicht. "Und da gibt's auch gar nichts drumrumzureden: Das ist eine Niederlage für uns."

Es sei ein Abend mit gemischten Gefühlen, sagte Hagel. Die CDU habe das beste Wahlergebnis seit 2011 erzielt. Man habe gewonnen und doch verloren.

9. März, 13.29 Uhr: AfD pocht auf Oppositionsrechte

Die AfD in Baden-Württemberg hat die CDU zur Bildung einer konservativen Koalition aufgefordert - sie will sich aber auch in der Opposition konstruktiv verhalten.

Die CDU müsse sich überlegen, ob sie die "alberne Brandmauer" aufrechterhalten wolle und sich zum Steigbügelhalter der Grünen mache, sagte Landeschef Markus Frohnmaier in Stuttgart.

Die Südwest-AfD ist im Landtag nach der Wahl so stark aufgestellt wie nie. Dennoch besteht keine Regierungsoption für die Rechtspopulisten - die Südwest-CDU schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus.

Man rede mit allen, sagte Frohnmaier. Er habe sich überlegt, ob er CDU-Chef Manuel Hagel "zwei Espressotässchen" schicke, scherzte der 35-Jährige. Hagel hatte einst gesagt, dass er mit AfD-Politikern nicht mal einen Espresso trinken würde.

Die AfD kündigte an, auch als stärkste Oppositionskraft ihre Rechte wahrnehmen zu wollen.

Während Markus Frohnmaier (35, AfD) offen für eine Zusammenarbeit ist, schloss Manuel Hagel (37, CDU) eine Koalition mit der AfD konsequent aus.
Während Markus Frohnmaier (35, AfD) offen für eine Zusammenarbeit ist, schloss Manuel Hagel (37, CDU) eine Koalition mit der AfD konsequent aus.  © Bernd Weißbrod/dpa

9. März, 8.20 Uhr: Özdemir bietet CDU "Partnerschaft auf Augenhöhe" an

Özdemir erklärte sich am Abend zum Sieger. "Wir haben die Wahl gewonnen", sagte er auf der Grünen-Wahlparty.

Er rief die Christdemokraten zu einer erneuten Zusammenarbeit auf und bot ihnen eine "Partnerschaft auf Augenhöhe" an. "Der Maßstab sollten die letzten zehn Jahre sein und die Erfolge, die wir eingefahren haben."

Hagel sagte, seine CDU habe das beste Wahlergebnis seit 2011 erzielt, aber dennoch nicht den ersten Platz erreicht. Der Auftrag zur Regierungsbildung liege bei den Grünen und Özdemir.

Die Grünen kommen laut vorläufigem Endergebnis auf 30,2 Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU liegt mit 29,7 Prozent knapp dahinter (24,1). Die AfD erhält 18,8 Prozent (9,7). Mit großem Abstand folgt die SPD mit 5,5 Prozent (11,0). Die FDP kommt auf 4,4 Prozent (10,5), die Linke ebenfalls auf 4,4 Prozent (3,6).

Die Grünen erhalten demnach 56 Sitze im Landtag (2021: 58), die CDU ebenfalls 56 (42). Die AfD kommt auf 35 Mandate (17), die SPD auf 10 (19). Grüne und CDU stellen also gleich viele Abgeordnete, auch wenn die Grünen nach Zweitstimmen gewonnen haben. Zusammen haben die beiden Parteien eine Zweidrittelmehrheit im Landtag.

Der 60-jährige frühere Bundesminister Cem Özdemir (Grüne) dürfte jetzt Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (77, Grüne) werden.
Der 60-jährige frühere Bundesminister Cem Özdemir (Grüne) dürfte jetzt Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (77, Grüne) werden.  © Bernd Weißbrod/dpa

9. März, 6.43 Uhr: Özdemir gewinnt seinen Wahlkreis

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir hat nicht nur in seinem eigenen Stuttgarter Wahlkreis ordentlich abgeräumt.

Bei der baden-württembergischen Landtagswahl fuhr er nach den vorläufigen Ergebnissen auch den höchsten Stimmenanteil für ein Direktmandat im Land ein.

Seinen Wahlkreis Stuttgart II, den sogenannten Filderwahlkreis, gewann Özdemir deutlich mit 47,9 Prozent der Erststimmen. In keinem ausgezählten Wahlkreis konnte ein Direktkandidat oder eine Direktkandidatin einen höheren Stimmenanteil auf sich vereinen.

Cem Özdemir (60, Grüne) freut sich über das Wahlergebnis.
Cem Özdemir (60, Grüne) freut sich über das Wahlergebnis.  © Bernd Weißbrod/dpa

9. März, 6.23 Uhr: AfD holt fast 19 Prozent

Die AfD hat in Baden-Württemberg das beste Wahlergebnis bei einer Landtagswahl in Westdeutschland erzielt.

Mit 18,8 Prozent der Zweitstimmen ist der Anteil noch höher als in Hessen 2023 (18,4 Prozent). "Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei", sagte Bundesparteichef Tino Chrupalla. Obwohl Spitzenkandidat Markus Frohnmaier der CDU Avancen machte, dürfte es aber bei einem Platz auf der Oppositionsbank bleiben.

Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 hat die AfD, die der Verfassungsschutz im Südwesten als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, ihr Ergebnis fast verdoppelt. "Und darauf sind wir natürlich stolz", sagte Frohnmaier.

Titelfoto: Bernd Weißbrod/dpa

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