Chemnitzer Polizei jagt jugendliche Intensivtäter: TAG24 unterwegs mit der Einsatzgruppe
Chemnitz - Seit November 2025 häufen sich in Chemnitz Raubdelikte. Die Masche ist gleich, die Täter vorrangig minderjährig. Die Polizei greift durch - mit der neu gegründeten Einsatzgruppe "Recon". Am Mittwoch durchsuchte sie eine Wohnung auf dem Sonnenberg.
Karsten Richter (61) ist Gruppenführer der "Recon" und kennt die Masche der Jugendlichen. Gleich mehrere von ihnen verwickeln ihre ebenfalls jugendlichen Opfer mit der Frage nach einer Zigarette ins Gespräch.
"Dann fordern sie: 'Zeig deine Sachen!'" Die Täter nehmen sich dann Geld aus dem Portemonnaie und Gegenstände, die wertvoll erscheinen. Danach zwingt die Gruppe ihr Opfer, am Bankautomaten Geld abzuheben.
Die jungen Opfer gehen freiwillig mit, so Richter. "Juristisch ist das keine Straftat. Aber die Täter machen ihnen vorher richtig Angst."
Als wäre das nicht schlimm genug: Die Täter sind zumeist zwischen 14 und 18 Jahre alt, mal jünger, mal älter. Und das alles passiert im Tageslicht.
So arbeitet die neu gegründete Einsatzgruppe
Verdächtige, zum Teil polizeibekannt, wurden bisher mit Bildaufnahmen an der Zentralhaltestelle sowie in Bus und Bahn erfasst. Die "Recon" gleicht die Aufnahmen bei ihren Einsätzen ab.
Hier kommen die "Wiedererkenner" (Super-Recognizer) ins Spiel. Sie können erkennen, ob die kontrollierten Personen auf Beweismaterial zu sehen waren.
Beim Einsatz am Mittwoch kontrollierten die Beamten im Bereich des Stadtparks. Richter blieb in der Polizeistelle mit ihnen in Kontakt. Zudem durchsuchten sie die Wohnung eines mutmaßlichen Komplizen auf dem Sonnenberg.
Die Beamten fanden mutmaßlich Falschgeld in seinem Zimmer. Der Verdächtige war nicht zu Hause. Er soll jedoch Bezugsperson eines bereits festgenommenen, mutmaßlichen Gruppenanführers sein.
Auch wenn beim Einsatz am Mittwoch keine Handschellen klickten, als TAG24 dabei war, konnte die Polizei insgesamt drei mutmaßliche Gruppenanführer festnehmen: am Montag einen Libyer (14), im Dezember zwei Syrer, einen 14-Jährigen und einen 17-Jährigen.
Dafür steht "Recon"
Der Name der Ermittlungsgruppe "Recon" leitet sich vom englischen Wort "recognize" ab. Übersetzt: "wiedererkennen". Der Name bezieht sich auf die eingesetzten Super Recognizer - speziell ausgebildete Polizisten mit einem extrem guten Gedächtnis. Sie haben die Fähigkeit, Gesichter über lange Zeiträume und unter schwierigen Bedingungen wiederzuerkennen.
Die Ermittlungsgruppe gibt es seit Mitte Dezember als Reaktion auf die plötzliche Häufung von Raubdelikten in der Stadt. Während im August 2025 elf solcher Delikte, im September neun und im Oktober acht Taten angezeigt wurden, waren es im November 21 und im Dezember 30 Delikte.
Dabei sind nicht alle zur Anzeige gebrachten Raubdelikte auf die Kriminellen zurückzuführen, denen sich "Recon" widmet.
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold (2)

