Heute vor 251 Jahren: Mit diesen Ermordungen war dann Schluss

Heute vor 251 Jahren, am 4. April 1775, fand der letzte deutsche Hexenprozess statt, bei dem eine vermeintliche Hexe zum Tode verurteilt wurde.

Welche historischen Ereignisse sich sonst noch jähren, erfährst Du unter: heute vor … Jahren.

Das Ende der Hinrichtung Unschuldiger: Heute vor 251 fand der letzte Hexenprozess in Deutschland statt. (Symbolbild)  © Wikimedia Commons/Public Domain/Johann Jakob Wick

Die letzte mutmaßliche "Hexe", die im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation - ganz speziell in Kempten im Allgäu - zum Tode verurteilt wurde, war Anna Maria Schwegelin. Sie wurde 1729 geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.

Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Dienstmagd auf Bauernhöfen und in Gasthäusern.

Als ihr ein evangelischer Kutscher ein Eheversprechen machte, konvertierte sie für ihn zur evangelisch-lutherischen Kirche.

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Er hielt sein Versprechen jedoch nicht, sodass es nicht zur Hochzeit kam - für sie ein erster Schicksalsschlag mit Folgen.

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Wahn, Geständnis und Urteil

Zusätzliche Spannungen folgten, als Schwegelin später versuchte, die Konversion rückgängig zu machen.

Mit etwa 40 Jahren wurde sie aufgrund eines Beinleidens arbeitsunfähig, weshalb sie zunächst in ein Krankenhaus und dann in ein Arbeitshaus kam. Zu diesem Zeitpunkt entwickelten sich bei ihr Wahnvorstellungen, sodass sie unter anderem glaubte, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben.

Das gab sie später auch in einem Verhör zu, nachdem eine weitere Insassin im Arbeitshaus, derer sie sich anvertraut hatte, dies an Zuständige weitergab.

Während Schwegelin zwar ein Bündnis mit dem Teufel zugab, beteuerte sie jedoch, keine schwarze Magie betrieben zu haben.

Dennoch wurde sie daraufhin inhaftiert, bevor sie, laut Constitutio Criminalis Carolina - dem ersten allgemeinen deutschen Strafgesetzbuch -, wegen erwiesener Teufelsbuhlschaft zur Hinrichtung mit Schwert verurteilt wurde. Der Tag der Exekution sollte der 11. April sein.

Lange galt sie als letzte hingerichtete Hexe Deutschlands. Erst 1995 kam heraus, dass es nie zur Hinrichtung kam und sie stattdessen 1781 mit 53 Jahren im Gefängnis starb. Der Franziskanerpater Anton Kramer soll vor der geplanten Hinrichtung für Aufschub und eine Wiederaufnahme von Nachforschungen gesorgt haben.

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Hexenverfolgung - das Ende eines dunklen Kapitels

Die Hexenverfolgung forderte zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert zehntausende Opfer in Europa. Häufig waren es Frauen, die am Rand der Gesellschaft lebten. Aberglaube, religiöser Fanatismus, soziale Spannungen und Angst förderten diese Abgrenzung sowie grausame (Vor-)Urteile.

Das Schicksal von Anna Maria Schwegelin steht symbolisch für das tragische Ende dieses dunklen Zeitalters: eine kranke, verarmte Frau, deren Wahnvorstellungen zu einem Todesurteil führten.

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