Heute vor 81 Jahren: Tragisches Verbrechen so kurz vor Kriegsende

Heute vor 81 Jahren, am 13. April 1945, wurden bei dem Massaker von Gardelegen über 1000 Häftlinge aus verschiedenen KZs grausam ermordet - nur Stunden vor dem Einmarsch US-amerikanischer Alliierter.

Was sich außerdem jährt, erfährst Du unter: heute vor … Jahren.

Todesmärsche ins Ungewisse

Heute vor 81 Jahren wurde über 1000 Menschen in einer Feldscheune bei Gardelegen ermordet.  © Wikimedia Commons/Public Domain/US Signal Corps

Mit den herannahenden Alliierten wurden verschiedene Außenlager des KZ Mittelbau-Dora sowie ein Außenlager des KZ Neuengamme in Hannover-Stöcken geräumt.

4000 bis 5000 Häftlinge wurden zunächst in Bahnen gepfercht oder bei Todesmärschen zu Fuß über den Harz getrieben.

Ziel waren eigentlich die Konzentrationslager Neuengamme, Bergen-Belsen und Sachsenhausen.

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Nach einigen Tagen kamen die Züge in Mieste und Letzlingen jedoch ungeplant zum Stopp. Grund waren zerstörte Gleise sowie vorrückende alliierte Truppen.

In verschiedene Richtungen ging es für die Häftlinge zu Fuß weiter.

Viele Menschen starben auf dem Todesmarsch, brachen erschöpft zusammen oder wurden erschossen. Nur einige wenige konnten fliehen.

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Das Massaker in der Feldscheune

Eine Gruppe von über 1000 Häftlingen erreichte eine Kaserne in Gardelegen, wo der NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele ihre Ermordung befahl.

So wurden sie in Gruppen von je 100 Menschen zur Isenschnibber Feldscheune, etwa einen Kilometer nordöstlich von Gardelegen, gebracht und eingesperrt.

Dort wurde Stroh, das den Boden der Scheune bedeckte, mit Benzin getränkt und angezündet. Zweimal gelang es den Häftlingen zunächst, die Flammen mit Kleidung und Stoffen zu ersticken und das Ausbreiten zu verhindern.

Bewaffnete - darunter NSDAP- und SS-Mitglieder, Soldaten, Volkssturm, die Hitlerjugend und Feuerwehr sowie weitere Einheimische - schossen jedoch mit Maschinengewehren und warfen Granaten in die Scheune.

1016 Menschen sind daher in der Scheune verbrannt, erstickt oder erschossen worden. Nur wenige - je nach Quelle sieben bis 33 Menschen - konnten tatsächlich fliehen.

Die verkohlten Leichen wurden anschließend in Massengräbern neben der Scheune verscharrt.

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Verantwortung und Erinnerung

Die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen erinnert noch heute an das nationalsozialistische Verbrechen.  © Wikimedia Commons/CC-BY-SA-3.0/Daniel Rohde-Kage

Nur 24 Stunden später rückten amerikanische Truppen am Abend im Ort an und entdeckten bereits am nächsten Tag den Tatort. 20 SS-Männer sollen daraufhin als Beteiligte am Massenmord erschossen worden sein. Der NSDAP-Kreisleiter und SS-Obersturmbannführer Gerhard Thiele war zu dem Zeitpunkt bereits verschwunden und konnte mit Decknamen untertauchen.

Gerade einmal 305 der Leichen konnte man nach Entdeckung der Gräber namentlich identifizieren. Die Opfer kamen neben Deutschland aus Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien, der Sowjetunion, Ungarn, Frankreich, Belgien, Italien, den Niederlanden und Spanien sowie aus den Kolonien Surinam und Algerien.

Von der anwesenden Bevölkerung verlangten die Alliierten, die Opfer in Einzelgräbern auf einem Ehrenfriedhof erneut und würdig beizusetzen. Am 25. April 1945 wurde dieser offiziell eingeweiht und erhielt den Status als militärischer Ehrenfriedhof. Schändungen wurden mit schwersten Strafen sanktioniert.

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Heute ist die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen auch ein Informations- und Begegnungsort, der jährliche Gedenkveranstaltungen organisiert.

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