Heute vor 50 Jahren: Das rebellische "Woodstock der DDR" eskalierte

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Heute vor 50 Jahren, am 9. Juli 1976, begann Altenburg sich anlässlich der 1000-Jahr-Feier mit tausenden Menschen zu füllen. Das Volksfest war als großes Event geplant - doch im Hintergrund kam es zu Situationen, die später in DDR-Akten als Rock-Randale von Altenburg (oder auch Mini-Woodstock der DDR) bezeichnet wurden.

Unter "heute vor ... Jahren" kannst Du viele weitere interessante Jubiläen nachlesen.

Zahlreiche Jugendliche versammelten sich in öffentlichen Parks, um zu feiern.
Zahlreiche Jugendliche versammelten sich in öffentlichen Parks, um zu feiern.  © Screenshot/YouTube/kalenderblatt736

Die dreitägige Jubiläumsfeier in Altenburg (Thüringen) vom 9. bis 11. Juli 1976 zog große Menschenmengen in die Stadt. Immerhin war ein umfangreiches Festprogramm mit zahlreichen Show- und Sportvorführungen sowie Musik von beliebten Bands wie Karat, Modern Soul, Veronika Fischer, Babylon und Kreis geplant.

Besonders auffällig war die hohe Zahl junger Besucher und Besucherinnen aus verschiedenen Regionen der DDR, die ohne feste Unterkünfte anreisten, sich in öffentlichem Raum aufhielten und folglich unter freiem Himmel oder in Hausfluren übernachteten.

Schon am ersten Tag strömten Hunderte, später bis zu 2500 sogenannte "Tramper" oder "Blueser" nach Altenburg. Diese Jugendlichen fielen völlig aus dem sozialistischen Raster: Sie trugen meist lange Haare, abgewetzte Jeans, Parka-Kutten und Armeetaschen.

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Sowohl die Staatsmacht als auch viele ältere Gäste fühlten sich bereits durch die bloße Anwesenheit der jungen Leute provoziert.

Situationen im Umfeld der Feierlichkeiten

Grundsätzlich ging es den jungen Menschen nicht um blinde Zerstörung, sondern um Freiheit, Musik und friedliche Provokation.

Dennoch kam es laut Stasi-Akten im Verlauf der Veranstaltungen zu verschiedenen Zwischenfällen im Stadtgebiet. Dazu zählten unter anderem:

  • dichtes Gedränge in zentralen Bereichen
  • spontane Ansammlungen größerer Gruppen
  • einzelne Konflikte mit Ordnungskräften
  • Ruhestörungen im Umfeld der Feierflächen

Einige Jugendliche verhielten sich sogar extrem auffällig, indem sie nackt in den Schlossteichen badeten, Alkohol konsumierten, Grünanlagen als Toilette benutzten oder öffentlich Sex hatten.

Eine eindeutige Ursache oder ein einzelnes Ereignis für die angespannte Lage werden in den Quellen nicht genannt, sondern vielmehr als ein Zusammenspiel aus Großveranstaltung, Besucherandrang und spontaner Jugendmobilität beschrieben.

Eingriffe der Behörden

Letztlich reagierten die DDR-Behörden mit verstärkten Kontrollen. Die Volkspolizei war im Stadtgebiet präsent und griff teilweise hart durch. Insgesamt wurden am Festwochenende 103 Personen vorübergehend festgenommen.

Gegen mehrere Jugendliche wurden Ermittlungsverfahren wegen "Widerstands gegen staatliche Maßnahmen", "Rowdytum" oder "Staatsverleumdung" eingeleitet.

Historisch wird das Ereignis als Teil der DDR-Jugend- und Alltagsgeschichte der 1970er Jahre betrachtet. Die SED-Führung betrachtete Jugendkulturen, die westlichen Vorbildern folgten - sei es durch lange Haare, unpassende Kleidung oder das unkontrollierte Lagern in Gruppen -, als existenzielle Bedrohung für das sozialistische Staatsgefüge.

Großveranstaltungen wie Stadtjubiläen führten damals regelmäßig zu Begegnungen zwischen staatlich organisierter Festkultur und informellen Jugendpraktiken. Die Rock-Randale in Altenburg von 1976 war demnach kein Einzelfall.

Titelfoto: Screenshot/YouTube/kalenderblatt736

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