Zweifache Messer-Attacke in schwuler Sex-Bar: "Er wollte ihn töten!"
Leipzig - In einer Darkroom-Bar treffen sich zwei Verflossene zufällig wieder. Etwa eine Stunde später hat einer von ihnen Schnitt- und Stichverletzungen, die ihm seine Ex-Affäre zugefügt haben soll. Am Donnerstag ist der Prozess wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Leipzig gestartet - inklusive erschreckender Details.
Als sich Nils M. (51) bei einem beruflichen Besuch Leipzigs am Abend des 12. September 2025 von seinen Kollegen verabschiedet und in die unter Homosexuellen bekannte Szene-Kneipe "Cocks" geht, ahnt er nicht, wie die vergnügliche Nacht enden soll.
Er trifft dort zufällig auf seine aus Berlin bekannte Ex-Liebschaft Richard C. (35), erkennt ihn in den dunklen Räumlichkeiten und wegen dessen deutlich eingefallenen Gesichts aber nicht sofort.
Der 51-Jährige lässt den freischaffenden Grafikdesigner, der ihn in der Vergangenheit öffentlich der Betäubung und Vergewaltigung beschuldigt hatte, jedoch links liegen und verschwindet mit einem fremden Mann in eine abschließbare Kabine.
Nach etwa einer halben Stunde verlassen sie den Darkroom wieder. Weil M. aber sein Shirt vergessen hat, geht er in die Kabine zurück.
"Als ich wieder herauskam, merkte ich, wie mich jemand von hinten ansprang. Ich dachte aber eher an eine Begrüßung und fühlte mich nicht bedroht", erinnert sich der Lehrer an die ein halbes Jahr zurückliegende Szene.
Halbrunder Messerschnitt vom Ohr bis zum Hals
Der 51-Jährige habe einen Druck auf den Hals gespürt, jedoch keinen Schmerz wahrgenommen. "Ich habe überhaupt nicht an ein Messer gedacht, sondern dass es nur eine 'Kehle aufschneiden'-Geste ist." Aussagen wie diese bestätigen den Eindruck der Prozessbeobachter: Nils M. möchte den verstörenden Vorfall nicht dramatisieren.
Unterhalb des linken Ohres bis in den Kehlkopfbereich soll der Schnitt verlaufen sein, darunterliegendes Gewebe verletzt haben.
Er bemerkt Bluttropfen auf seinem Oberkörper und lässt seine Wunde vom geschockten Barmitarbeiter und Gästen versorgen. Plötzlich sei Richard C. aus dem Cruising-Bereich hervorgetreten. Der Angreifer sei schnellen Schrittes zu seiner Ex-Liebschaft gegangen und habe ihm mit demselben mitgebrachten Klappmesser, welches er immer bei sich trage, in den Bauch gestochen.
"Der Angeklagte wollte ihn töten", ist sich die Staatsanwaltschaft sicher, geht von Heimtücke und niedrigen Beweggründen aus. Der aus Irland stammende C. habe nicht hinnehmen wollen, dass die angebliche Vergewaltigung seiner Ex-Affäre ungesühnt bleibt. Ein entsprechendes Verfahren wurde im Vorfeld eingestellt.
Dem Geschädigten geht es heute wieder gut, er habe keine bleibenden Schäden davongetragen: "Ich bin nach wie vor in solchen Clubs und habe im Alltag kein Problem, wenn jemand hinter mir steht."
Psychische Erkrankung könnte Schuldfähigkeit vermindern
Zum Prozessauftakt wollte sich der mutmaßliche Täter, der die durch ihn beigefügten Verletzungen zugibt, nicht äußern. Verteidigerin Andrea Liebscher verlas aber eine Stellungnahme des von einem Dolmetscher unterstützten 35-Jährigen, der schizophren, jedoch zum Tatzeitpunkt nicht psychotisch gewesen sein soll.
Der Angriff sei laut Liebscher in einem emotionalen Ausnahmezustand und "am Tiefpunkt seines Lebens" geschehen, als ihr Mandant dem Mann über den Weg lief, der einen durchweg schädigenden Einfluss auf sein Leben genommen habe.
Jene psychische Erkrankung, die die Verteidigung durch Beispiele aus der Vergangenheit herauszustellen versuchte, könnte zu einer verminderten oder keiner Schuldfähigkeit führen.
Bei voller Schuldfähigkeit drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft.
Es sind weitere Verhandlungstage bis Mitte Juni angesetzt.
Titelfoto: Bildmontage: Silvio Bürger

