Leipzig - Rund 36 Jahre nach Auflösung der DDR-Staatssicherheit spielt sich um die ehemalige Stasi-Zentrale in Leipzig ein wahrer Krimi ab. Nach einer Serie von Einbrüchen und Bränden in den vergangenen vier Monaten gibt es eine erste Spur. Und mehrere Exponate des Museums "Runde Ecke" fanden auf abenteuerliche Weise in die Gedenkstätte zurück.
Seit dem 20. Dezember spielen sich an der einstigen Zentrale der Leipziger Stasi-Bezirksverwaltung immer wieder merkwürdige Dinge ab. Dreimal schon musste die Feuerwehr zu Bränden ausrücken.
Der letzte am 28. Februar vernichtete das original erhaltene Dienstzimmer des Leipziger Stasi-Chefs Generalleutnant Manfred Hummitzsch (1929-2015). Ein schwerer Verlust für die Gedenkstätte des Bürgerkomitees.
Doch nicht der einzige. Im selben Zeitraum kam es auch zu vier Einbrüchen, wurden aus Magazinräumen wertvolle Exponate gestohlen.
Einige konnte die Polizei nun mithilfe von Gedenkstättenleiter Tobias Hollitzer (60) sicherstellen. Der hatte in den vergangenen Wochen intensiv die gängigen Verkaufsportale abgescannt - und stieß dabei auf einen alten Robotron-Computer A5120.
"Auf dem Bild der Verkaufsanzeige waren sogar noch Rußspuren vom Brand im Magazin zu erkennen", erzählte Hollitzer TAG24.
Angeboten wurde der Stasi-PC von einem 16-jährigen Ukrainer, der mit seinem Vater (47) im Leipziger Zentrum wohnt. Hollitzer gab sich als Kaufinteressent aus und vereinbarte einen Besichtigungstermin. Dann informierte er die Polizei.
Gedenkstätten-Leiter gab sich als Kaufinteressent für Diebesgut aus
Donnerstag voriger Woche fand das Treffen statt. Der Jugendliche bot Hollitzer dabei noch weiteres Diebesgut aus der Stasi-Zentrale zum Kauf an, darunter ein Nachtsichtgerät NNP-21. Auf ein Zeichen hin erschienen dann mehrere Kripo-Beamte, die sich im Hintergrund gehalten hatten, und sicherten die Wohnung.
Bei der anschließenden Durchsuchung tauchten dann weitere Exponate der Gedenkstätte auf - darunter ein Laserpunkt-Übungsgewehr, mit dem einst die Stasi-Scharfschützen trainierten, ein Artillerie-Feuerleitgerät FLG-7 und sogar ein Portrait von Erich Honecker, das zusammen mit anderen Bildern aus einem Flur gestohlen wurde.
Laut Polizei wird gegen den 16-Jährigen wegen Einbruchsdiebstahls ermittelt. Dass er allein agierte, scheint unwahrscheinlich.
Laut Hollitzer wurden im Magazin der Gedenkstätte fünf Millimeter dicke Stahlblechtüren aufgeflext, wofür man Spezialwerkzeug braucht. Zum Vater des Jugendlichen und dessen Kontakten wollten die Behörden am Mittwoch keine Angaben machen.
Dass der 16-Jährige auch für die Brände verantwortlich ist, glaubt die Kripo hingegen nicht. Offiziell heißt es dazu, dass es noch keine Tatverdächtigen gibt.
Was auffällt: Gebrannt hat es bisher immer nur in jenem Teil der alten Stasi-Zentrale, der bei der städtebaulichen Umgestaltung des Matthäikirchhofs als Gedenkort erhalten bleiben soll. Das Areal gilt als heiß begehrtes, da letztes bebaubares Filetstück der Leipziger Innenstadt. Ein "heißer Abriss" des Stasi-Gebäudes würde die Baufläche vergrößern.